Stuhrer muss für Trunkenheitsfahrten nicht ins Gefängnis Mit "positivem Ansatz" in ein neues Leben

VON RENATE SCHÖRKEN
29.04.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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VON RENATE SCHÖRKEN

Syke·Stuhr. Die "positiven Ansätze" in seinem bislang vom Alkohol bestimmten Leben bewahrten einen 52-jährigen Wiederholungstäter aus Stuhr vor dem Gefängnis. Staatsanwältin und Richter im Syker Amtsgericht waren bereit, dem mehrfach einschlägig vorbestraften Landwirt eine neuerliche Bewährungschance zu geben.

Das Urteil für zwei vorsätzliche Fahrten ohne Fahrerlaubnis in Tateinheit mit vorsätzlicher Trunkenheit lautete auf zehn Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt für eine dreijährige Bewährungszeit, in der der Stuhrer nun beweisen muss, dass es ihm ernst ist mit einem neuen Leben. Das Gericht machte die Fortsetzung einer bislang offenbar erfolgreich verlaufenden Therapie zur Auflage. Der Mann bekam einen Bewährungshelfer an die Seite und hat seit Kurzem auch einen Betreuer, der ihn im täglichen Leben unterstützt.

Der Ackerschlepper, mit dem der Landwirt am 20. Februar 2010 unter Alkoholeinfluss unterwegs war, wurde von der Behörde sichergestellt und soll nun verkauft werden. Bereits eingezogen und verschrottet wurde der Kleinwagen des Stuhrers, mit dem ihn die Polizei schon mehrmals betrunken und führerscheinlos erwischt hatte. Zuletzt am 2. Februar 2010, nur Stunden, nachdem sich der Mann im Syker Amtsgericht für dieselbe Straftat eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten abgeholt hatte. Von der Einziehung des Wagens hatte sich der Angeklagte damals keineswegs beeindrucken lassen - er stieg auf den Schlepper um. Als er dann mit der Zugmaschine erwischt wurde, war der Mann nach Schilderung von Zeugen richtig ärgerlich. Allerdings nicht auf sich selbst, weil er schon wieder eine Straftat begangen hatte. Sein Ärger galt der Polizei. Mussten die ihn denn schon wieder kontrollieren?

Die scheinbare Unbelehrbarkeit des Stuhrers und seine unverblümte Missachtung des Gesetzes hatten das Gericht danach veranlasst, ein psychologisches Gutachten zur strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Mannes zu bestellen. Der beauftragte Rechtsmediziner erkannte eine verminderte Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit des Alkoholkranken in zumindest einem Fall. Er bezeichnete den Stuhrer in seinem umfangreichen Gutachten als Menschen einfacher Struktur mit engem Weltbild und unreifer Persönlichkeit, der schnell wieder in alte, falsche Verhaltensmuster verfalle.

Um sich für den Heilungsprozess zu öffnen, müsse er sich ein neues soziales Umfeld schaffen. Dieser Überzeugung schloss sich der Verteidiger an, der seinen Mandanten in seiner jetzigen Lebenssituation als gescheiterter Landwirt auf einem maroden Hof "schlicht und einfach überfordert" sah. Er sei dabei, sein Leben komplett umzustellen, "und die Prognose ist sehr gut". Der Richter teilte den Optimismus.

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