Cultmobil Barrien

Mit viel Liebe zum Detail

Bei Cultmobil werden Freizeitmobile nach individuellen Wünschen gefertigt. Seit einem Jahr sitzt das Unternehmen nicht mehr in Leeste, sondern hat in Barrien seine Zelte aufgeschlagen.
09.12.2019, 17:33
Lesedauer: 4 Min
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Von Sarah Essing
Mit viel Liebe zum Detail

In der "Bastelbude" wie Sven Otersen seine Werkstatt liebevoll nennt, werden die Freizeitmobile ganz nach den individuellen Wünschen der Kunden ausgebaut.

Vasil Dinev

Syke-Barrien. Seit einem Jahr hat Cultmobil jetzt seinen Sitz in Barrien. „Wir brauchten höhere Räume“, nennt Inhaber Sven Otersen den Grund für den Umzug von Leeste ins Gewerbegebiet nach Barrien. Höhe, damit die eigenhändig umgebauten Freizeitmobile auf Basis des VW T5 und T6 gut zur Geltung kommen und genügend Platz, um die Nachfrage zu stillen. Über mangelnde Beschäftigung kann Otersen sich nämlich nicht beklagen.

„Der Markt boomt“, sagt er über den Camping- und Freizeitbereich. Und der passionierte Kite-Surfer weiß, wovon er redet. Brachte doch die eigene Leidenschaft fürs Campen und sein Hobby den gelernten Automobilverkäufer auf die Idee für einen eigenen Camperausbau. Unterwegs zu den besten Kite-Surfstellen wusste er auch ganz genau, worauf es passionierten Campern ankommt. Ein bequemes Bett, eine Kochnische und genügend Stauraum für die Hobby-Ausrüstung und was man sonst im Urlaub auf vier Rädern sonst noch benötigt. „Ein Dreivierteljahr hat es gedauert, bis alles lief“, erinnert er sich an die Anfänge vor zweieinhalb Jahren.

Als Basis für das eigens kreierte Freizeitmobil dient der VW T5 und der T6, unter Campern generell sehr beliebte Fahrzeuge. „Das ist die beste Basis“, ist Otersen überzeugt. Allerdings eine Basis, die neu auch nicht gerade preiswert ist. Otersen setzt deshalb auf gebrauchte Transporter von Leasingfirmen. „Das würde sonst zu teuer“, sagt er und reist für „sehr ausgesuchte“ Fahrzeuge, die nur bei sauberen Gewerken in Gebrauch waren, kreuz und quer durch die Republik. „Die gucke ich mir vorher genau an“, sagt er.

Stehen die Transporter dann erst einmal in der „Bastelstube“, wie Otersen liebevoll die Werkstatt hinter dem Büro- und Ausstellungsraum am Handwerkerhof in Barriens Gewerbegebiet nennt, werden sie im Inneren zunächst von allem befreit, was nicht gebraucht wird, also quasi „entkernt“. Trennwände, eventuelle Einbauten und auch die Seitenwände für die Fenster werden herausgeschweißt. Die Scheiben und deren Tönungsgrad können sich Otersens Kunden nach Wunsch aussuchen. Danach wird der Transporter neu isoliert. Die Stärke dafür ist ebenfalls wählbar.

Bezogen werden die Wände mit einem speziellen Stoff. Damit er nicht sofort anfängt zu brennen, sollte mal eine Zigarette oder ein Funke dagegen kommen. „Das wird vom TÜV geprüft“, sagt Otersen. Das Beziehen von Wänden und Decke übernimmt Ulrike Otersen. Auch dabei haben die Kunden die Wahl aus verschiedenen Stoffen und Farben. Passende Kissen für die Sitzbank, die umgeklappt und mit einer Matratze belegt zum Bett mutiert, näht die Schwiegermutter. Sohn und Tochter helfen mit auf den Messen. Bei Cultmobil ist eben die ganze Familie mit dabei.

Der Clou der Isolierung: Sie verbirgt auch die Kabelage für die eigens eingebaute Beleuchtung: Touch-Lichter in der Decke oder an den Wänden und auf Wunsch auch indirektes Licht. Auch die Zugänge für die Spüle, die mit klappbarem Wasserhahn unter einer Glasplatte verborgen in der Arbeitsplatte eingebaut wird, liegen dahinter verborgen. Davor kommen Einbauschränke und die Arbeitsplatte mit eingebauter Edelstahlschiene für den bewegbaren Tisch. Dieser kann nach Bedarf abgebaut und zusammengeklappt werden. Diese Einbauten macht Sven Otersen allerdings nicht selbst. Dafür sind zwei Tischler zuständig. Die Fronten gibt es ebenso wie die Bezüge in unterschiedlichen Farben. An den Rändern aber keine Plastikkanten sondern Furnier. Das sieht, wie der Rest, edel aus. „Wir legen Wert auf Qualität“, betont Otersen.

Neben der kleinen Spüle auf der Arbeitsplatte wäre Platz für einen eingebauten Gasherd. Das wollen viele aber nicht mehr, sagt er. „Die Kunden nehmen lieber ein Induktionskochfeld oder eine Gaskartusche mit“, so die Erfahrung des Fachmanns. In einem kleinen Schrank haben sie daher die Möglichkeit, beides zu verstauen. Darunter ist noch Platz für einen kleinen Kompressorkühlschrank. Betrieben wird der – wie auch das Licht – mit einer zweiten Batterie, die eigens unter dem Fahrersitz eingebaut wird. Der Beifahrersitz kann auf Wunsch auch als Drehversion geordert werden oder als Doppelsitzer. Selbst diesen gibt es mittlerweile in einer Drehversion. „Den umzudrehen, ist aber abenteuerlich.“

Da kann sich der Camping-Fan eher für den Boden begeistern. Wasserunempfindliches Vinyl, ebenfalls in verschiedenen Farben erhältlich. Abgeschlossen mit einer Edelstahlkante, sodass er bei Feuchtigkeit nicht aufquellt. Nicht nur Surfer wissen derartige Details zu schätzen.

Diese Liebe zum Detail findet sich auch an der aus einem Stück gefertigten Front, sodass es keine Fugen gibt, den Türdrückern an den Schränken, sodass nichts herausragt, den innen liegenden Scharnieren und den geräumigen Seitentaschen in den Türen. Diese importiert Otersen eigens aus England. „Die sind da in diesen Dingen sehr einfallsreich.“

Die Sitzbank ist hingegen original von VW. Mit Sicherheitsgurten, damit diese auch während der Fahrt genutzt werden darf. Auch darauf achtet der Tüv. „Jeder Einbau wird einzeln abgenommen“, erläutert Otersen. „Wir sind offen für die Wünsche der Leute. Uns ist wichtig: Sie bekommen ihr Unikat.“

Und wer doch lieber mit seinem eigenen Pkw in den Urlaub möchte? Auch für den hält Cultmobil ein Angebot parat: der Faltcaravan auf Basis des Klappcamper-Street-Modells von TPV, einer Marke der Firma Böckmann. Auf einem normalen Autoanhänger verbirgt sich ein Zelt mit vier möglichen Schlafplätzen. Auch dieser ist in verschiedenen Varianten erhältlich. Aufgebaut sind sie aber alle in gerade mal rund zehn Minuten. Wer das testen möchte, kann die Anhänger ausleihen.

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