Mobilitätskonzept Mobilität für alle

Die zweite Bürgerbeteiligung beim Mobilitätskonzept der Stadt Syke fand regen Zuspruch. Mehr Einwohner nutzten die digitale Möglichkeit, ihre Anregungen und Ideen mit einzubringen.
03.12.2021, 17:29
Lesedauer: 4 Min
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Mobilität für alle
Von Sarah Essing

Syke. Unter großem Zuspruch fand am Mittwochabend die zweite Bürgerbeteiligung zum Mobilitätskonzept der Stadt Syke statt. Deutlich mehr Syker nahmen damit die digitale Variante dieses Angebots an. Darüber freuten sich Bürgermeisterin Suse Laue ebenso wie die Planer der von der Stadt mit der Erstellung des Konzepts beauftragten Büros PGV Alrutz und Zacharias Verkehrsplanung.

Der Ablauf war ähnlich wie bei der analogen Sitzung. Zunächst stellten die Planer ihr Konzept vor. Dieses hat, wie von der Stadt in Auftrag gegeben, im Wesentlichen zwei Ziele, stellte Elke Willhaus ihren Ausführungen voran: Zum einen die Aufrechterhaltung der Mobilität aller Altersgruppen in allen Ortsteilen. "Es ist für uns ganz wichtig, dass wir alle Verkehrsteilnehmenden im Blick haben", betonte die Fachfrau von PGV Alrutz. Weiteres Ziel ist die Schaffung von "attraktiven Alternativen zum motorisierten Individualverkehr", mit anderen Worten: weg vom Auto hin zu CO2-ärmeren Transportmöglichkeiten.

Das vorgelegte Konzept basiert auf den drei Säulen, die die Stadt für ihr Mobilitätskonzept als Schwerpunkte genannt hat: Mobilität im ländlichen Raum, Fahrradverkehr und Pendlerbewegung sowie Verkehr in der Innenstadt mit dem Schwerpunkt Hauptstraße. Es beinhaltet die Aufnahme des Ist-Zustands und einer Einordnung dessen, verschiedene Strategien und Möglichkeiten im Allgemeinen sowie Umsetzungsvorschläge mit Blick auf die speziellen Syker Gegebenheiten.

Mobilität im ländlichen Raum

Abgesehen vom eigenen Pkw umfasst die Mobilität im ländlichen Raum den ÖPNV, Sharing-Angebote, Verknüpfungsmöglichkeiten von verschiedenen Verkehrsmitteln, namentlich vor allem Radverkehr und ÖPNV, sowie den Radverkehr, der jedoch in einem eigenen Punkt analysiert wurde. Das Bus-Netz in Syke, so führte Elke Willhaus aus, sei auf der einen Seite gut. Alle Ortslagen sind an das Zentrum angebunden. Was fehlt, sind Querverbindungen zwischen den Ortsteilen. "Ganz große Defizite" gebe es allerdings bei der Taktung. Das Grundangebot für Pendler Richtung Bremen sei ebenso "gut" wie die Möglichkeiten zur Verknüpfung. Beides werde rege genutzt. Als Alternativen ergänze der Bürgerbus in Sykes Norden den ÖPNV sehr gut. Das sei ein gutes Beispiel für selbst organisierte Mobilität. Willhaus machte aber auch deutlich, dass dies "ganz klar vom Engagement des Vereins und seiner Mitglieder abhängt".

Handlungsbedarf sieht das Planungsbüro in Sachen Taktung, vor allem im Süden der Hachestadt. Die Einrichtung eines Anruf-Sammel-Taxis (AST) wird "dringend" empfohlen. Da gebe es derzeit auch neue Fördermöglichkeiten. Als ein weiteres Beispiel, über das sich nachzudenken lohne, nannte Willhaus zudem ein Pilotprojekt aus der Region Hannover. In Sehnde, Wedemark und Springe werde gerade dreieinhalb Jahre lang ein On-Demand-Service mit Kleinbussen getestet. Es sei quasi eine Mischung aus AST und Individualverkehr (weitere Informationen dazu gibt es unter: www.sprinti.gvh.de). Auch über ein Einwohnerticket, wie es die Gemeinde Weyhe schon hat, könnte nachgedacht werden.

In Sachen Verknüpfung der unterschiedlichen Möglichkeiten stehe die Stadt Syke schon ganz gut da, bescheinigte Willhaus. Da sollten die Kapazitäten und das Serviceangebot allerdings noch erweitert werden, etwa bei den Fahrradständern und Serviceangebot. Auch an der Erreichbarkeit sollte gearbeitet werden. Namentlich nannte Willhaus dabei die Bahnhofstraße, deren Pflaster viele Fahrradfahrer eher abschrecke.

Radverkehr und Pendlerbewegung

In Sachen Radverkehr sind die Voraussetzungen in Syke schon recht gut, attestierte Linn Schröder der Hachestadt. Es gebe bereits ein flächendeckendes, gut ausgebautes Radverkehrsnetz, das in mit dem Rad gut erreichbaren Radien liege, vor allem auch im Hinblick auf die beliebten Pedelecs. Was muss also geschehen, damit in Syke noch mehr Menschen aufs Rad umsteigen? Zum einen das Trennen des Radverkehrs vom Fußverkehr, "gerade innerorts", weil dort viele Fußgänger und viele Radler unterwegs sind, sodass es dort eher zu Konflikten kommt. Außerorts sei das weniger ein Problem. Dort fehlen an einigen Stellen jedoch Radwege. Zum anderen die Trennung vom Kfz-Verkehr. Dabei muss jedoch geschaut werden, wieviel Autos dort unterwegs und mit welcher Geschwindigkeit. Grundsätzlich wichtig sei, dass man nachvollziehbare Regelungen schafft und möglichst durchgängige Radverkehrsführungen, die sich nicht ständig ändern. So soll eine Kontinuität geschaffen werden, die den Radlern Sicherheit gibt, weil sie nicht ständig auf die jeweils geltende Regelung achten müssen. Das gilt insbesondere an Knotenpunkten, sodass auch die Autofahrer wissen, wo mit Radfahrern zu rechnen ist. "Je nachvollziehbarer das ist, umso höher ist auch die Akzeptanz bei allen Verkehrsteilnehmenden."

Innenstadt und Hauptstraße

Abschließend widmete sich Felix Bögert vom Kooperationspartner Zacharias Verkehrsplanungen der Hauptstraße. Die Problematik und die unterschiedlichen Interessen dort sind bekannt und wurden bereits in einer vorherigen Bürgerbeteiligung dargestellt (wir berichteten).

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Bögert hatte einige der damals genannten Kritikpunkte aufgegriffen und versucht, in seine Vorschläge einzubauen. Dabei zeigte sich, dass es an aktuellen Daten fehlt, auch im Hinblick auf eine sachliche Diskussion. Dazu wäre eine Zählung aller Verkehrsarten erforderlich, wie Bögert selbst anmerkte. So konnte er nur auf theoretische Zahlen zurückgreifen, die im Austausch mit betroffenen Bürgern wenig Überzeugungskraft hatten. Der Einwurf eines Teilnehmers, nicht von der individuellen Situation aufs Ganze zu schließen, verhallte dabei ungehört. Insbesondere der Vorschlag, aus dem unteren Teil der Hauptstraße, vom Mühlendamm bis zum Grevenweg, eine Sackgasse zu machen, um dort eine Art Flaniermeile mit höherer Aufenthaltsqualität zu schaffen, stieß auf Widerspruch. Vor allem, da sie weiterhin befahrbar bleiben soll, und zwar dann in beide Richtungen. Bögert geht davon aus, dass durch den reinen Zielverkehr dort dann generell weniger Autos fahren werden, sodass auch Begegnungsverkehr kein Problem wäre. Etwas, das einige Teilnehmer der Diskussion in Frage stellten. 

Auf die Anregungen zur Mobilität im ländlichen Raum wurde in der anschließenden Diskussion kaum eingegangen. Einzig der Vorschlag Pendlerbusse bei Veranstaltungen einzurichten, kommentierte ein Teilnehmer mit den Worten: "Gute Idee!" Positiv aufgenommen wurden die Vorschläge zur Verbesserung des Radverkehrs.

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