Modellflugzeugbau Der kleine Traum vom Fliegen

Modellflugzeuge selbst bauen und in die Lüfte steigen lassen, ist ein Hobby für das Zeit und Geld benötigt wird. Doch es ist auch ungemein reizvoll, hat WK-Mitarbeiter Dominik Albrecht selbst erlebt.
10.08.2021, 15:20
Lesedauer: 4 Min
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Von Dominik Albrecht/doa

Syke-Ristedt. Der Traum vom Fliegen. Der eine erfüllt ihn sich mit einem Fallschirmsprung, der andere mit einem Pilotenschein. Mir persönlich reicht schon das erhabene Gefühl, irgendetwas im Luftraum zu bewirken. Daher kam die Ferienaktion des Modellflugvereins FSC Stieglitz zum Reinschnuppern ins Hobby gerade richtig. Zugegeben: Vom Zielalter zwischen zehn und 16 Jahren war ich mit meinen 32 Lenzen dann doch knapp entfernt. Doch die Mitglieder um den Vorsitzenden Sascha Harries nahmen mich dankenswerterweise auf. Und dann saß ich auch schon vor Reiner Gerecke.

„Hast du schon einmal eine Fernbedienung benutzt?“, lautet die Einstiegsfrage von Gerecke, der mir parallel die Schalteinheit eines Modellflugzeuges entgegenhält. Endlich zahlt sich meine Erfahrung mit diversen ferngesteuerten Autos aus. Auch Höhenruder und Servo-Lenkung waren bekannte Begriffe. Jens Plump und sein zwölfjähriger Sohn Theo hören aufmerksam zu. Die beiden sind auf die Ankündigung in der Zeitung gestoßen und haben sich auf den Weg gemacht. Theo war schon einmal bei einem Schnuppertag in Gödestorf, ist also kein vollkommen Fremder der Materie. Auch sonst kennt er sich mit fernsteuerbaren Gefährten aus, wie er verrät: „Ich habe zu Hause eine Modelleisenbahn, einen kleinen Helikopter und fernsteuerbare Autos.“  Die Liebe zu den elektrischen Nachbauten wurzeln für ihn bei seinem Opa, der bereits eine Modelleisenbahn sein Eigen nannte.

Die Erfahrung, dass zum Modellbau auch einiges an handwerklichem Geschick gehört, hat der Heiligenfelder also schon gemacht. Gut so, denn als nächstes sollte eben jenes auf die Probe gestellt werden. Uns wird ein Flugzeug-Kit aus Balsa-Holz ausgehändigt. Motiviert lege ich los. „Also, normalerweise trennt man nicht alle Teile sofort aus den Bögen heraus, sondern schaut, womit man anfangen möchte“, kommt der Verbesserungsvorschlag von Wolfgang Jäger. Zu spät. Ein Haufen Bauteile liegt schon vor mir. Aber als alter Lego-Fan finde ich mich im Teilehaufen schnell zurecht. Tragflächen, Ballastkammer, Höhenruder. „Teil drei auf Teil eins kleben“, „Teil drei mit Schablone eins stabilisieren“, „Teil vier eben auflegen“ – es läuft. Rief Doktor Frankenstein einst „Lebe, Leeebe!“, geht es mir durch den Kopf: „Klebe, Kleeebe!“ Auch Jens Plump und sein Sohnemann kommen gut voran, wie ein Blick zur Seite verrät. „Und je nach dem, wie man das Höhenruder anklebt, hat man die EWD verändert“, merkt Jäger plötzlich an. Routiniert erwidere ich: „Die was?“ Die Einstell-Winkel-Differenz, entgegnet Jäger und erläutert, dass diese das Flugverhalten beeinflusst.

Nach gut 25 Minuten sind alle Teile getrocknet und wir bereit für unseren Jungfernflug. Es ist erstaunlich, wie man in so kurzer Zeit eine Bindung zum selbstgebauten Himmelsstürmer aufbaut. Die Hand möchte das kleine Modell gar nicht loslassen. Was, wenn es zu hart auf den Boden aufkommt und die zarte Tragfläche zerbricht? Doch meine Sorge sollte unbegründet sein. Mit einem lockeren Schwung – die Nase des Flugzeugs sollte übrigens fünf Grad nach unten zeigen, so die Profis – hebt mein hölzernes Baby ab, fliegt nach oben, macht eine Drehung – und bleibt in vier Metern Höhe im Geäst eines Baumes hängen.

Wie ein siebenjähriges Kind schaue ich nach oben, möchte meinen Flieger zurückhaben. Hier macht sich der, bei diesem Hobby sonst eher nachteilige, starke Wind immerhin nützlich. Er weht mein Flugzeug wieder nach unten. Die Pendants vom Hause Plump überstehen ihre Flugpremieren ebenfalls unbeschadet. Denn ungeplant ist unter uns Teilnehmern auf einmal der Pioniergeist erwacht. Wie kann mit einfachen Modifikationen die Flugreichweite erhöht werden? Die Schablonen werden zugeschnitten, die Tragfläche stabilisiert, Gewichte zur Nachjustierung angebracht. Alles mit fachkundiger Unterstützung der Vereinsmitglieder. Bei einer Bratwurst zur Stärkung wird weiter Wissen ausgetauscht, danach weiter gewerkelt. So weit, dass sich sogar der Sekundenkleber-Vorrat dem Ende neigt.

Schon bei dieser kleinen Lerneinheit entfaltet sich die Anziehungskraft, die dieses Hobby mit sich bringen kann: Mit eigenen Händen ein Modell schaffen, dass sich in die Lüfte erhebt, der Austausch mit anderen und gemeinsame Verbesserungsarbeiten. Gut erinnert sich Reiner Gerecke an seinen ersten Flieger. „Den habe ich aus Depron (eine Art Styropor, Anm. d. Red.) selber gebaut. Meine Startrampe war ein altes Abflussrohr“, erzählt er und lacht.

Daniel Meißner betreut die Jugend-Sparte des Vereins. Neun oder zehn Jahre, sagt er, seien das perfekte Einstiegsalter in das Hobby. Er sei sich bewusst, dass die finanzielle Einstiegshürde und der Zeitaufwand zunächst abschrecken wirken können. „Idealerweise unterstützen auch die Eltern ihre Kinder beim Hobby“, sagt Meißner, ehe er mit Theo zum Endspurt des informativen Tages startet. Zusammen geht es zum Lehrer-Schüler-Fliegen. Ähnlich einer Fahrstunde haben beide Piloten eine Schalteinheit und die Möglichkeit, das Flugzeug zu steuern. So kann Meißner eingreifen, sollte Theo die Kontrolle über das Flugobjekt verlieren. Doch der Nachwuchs-Pilot stellt sich sehr gut an. Nach wenigen Minuten fliegt er die erste Acht am bewölkten Himmel. Und, ist das Beitrittsformular schon ausgefüllt? „Wir lassen das Erlebte erst einmal sacken und überlegen zu Hause, wie wir weitermachen“, beschwichtigt Papa Jens. Ein zufriedenes Lächeln können er und sein Sohn sich zumindest nicht verkneifen. Und auch ich erwische mich dabei, wie ich mein Modell geradezu gefühlvoll auf die Rückbank meines Autos lege und mir vor meinem inneren Auge ausmale, in welche qualitativen Höhen ein bisschen Farbe und einige Verbesserungen meinen Flieger noch bringen mögen, als ich mich mit einem Lächeln vom Fluggelände entferne.

Zur Sache

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann vom 13. bis 15. August beim „Open House“ vorbeischauen. Ähnlich eines Tages der offenen Tür kann mit Vereinsmitgliedern geschnackt und das ein oder andere Modell bei Flugshows in Aktion erlebt werden. An allen drei Tagen von 10 bis 18 Uhr, auf dem Gelände des FSC Stieglitz. Die Anfahrt erfolgt über die Straße Bollmannsdamm. Am Ende des Bollmannsdamms links abbiegen und geradeaus dem Feldweg folgen. Nach einer Rechtskurve folgt der Flugplatz in etwa 400 Metern auf der linken Seite. Weitere Informationen zum Verein gibt es im Internet unter www.fsc-stieglitz.de.

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