Music Company Syke

Der Dirigentenstab wechselt

40 Jahre lang organisierte er ehrenamtlich für die Music Company Syke. Jetzt will Ernst-August Allhusen den Dirigentenstab in jüngere Hände legen. Aber er bleibt in der Familie.
18.08.2020, 17:11
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Von Karsten Bödeker
Der Dirigentenstab wechselt

Beim letzten öffentlichen Konzert der Music Company des TuS Syke überreichte Petra Kruse ihrem Vater Ernst-August Allhusen die Ehrung für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement.

Vasil Dinev

Syke. 60 Jahre aktiver Musiker, 40 Jahre Organisator eines 40-köpfigen Orchesters, Ältester in einer drei Generationen umfassenden Musikerfamilie und zurzeit coronabedingt in der längsten Zwangspause seines Musiklebens – das ist kurz und knapp die Situation von Ernst-August Allhusen. „Die Pause ist schlimm“, erklärt der Leiter der Music Company des TuS Syke. Nach den Sommerferien sind Proben wieder angedacht – im kleinen Rahmen.

Die glückliche Fügung – wenn man den Begriff verwenden darf – war, dass die Music Company ihr großes Konzert am letzten Wochenende vor dem Shutdown noch absolvieren konnte. „Wenn wir nur eine Woche später den Termin gehabt hätten, wären anderthalb Jahre Vorbereitung für die Katz' gewesen.“ Das Syker Theater war damals gut gefühlt, das Publikum fühlte sich bestens unterhalten. Es war, wie man im Nachhinein weiß, ein historischer Auftritt, weil es auf absehbare Zeit der letzte vor großem Publikum war. „Ernsti, du bist ein Unikum“, hatte seine Tochter Petra Kruse als Moderatorin ihrem Vater zur Ehrung vor Hunderten von Besuchern verbal ins Stammbuch geschrieben.

Der Begriff war absolut positiv und anerkennend gewählt, denn die Music Company, die zuvor auch Musikzug, Spielmannszug und Fanfarenzug hieß, ist „sein“ Orchester. Die Leitung der Music Company will Allhusen mit nunmehr fast 77 Jahren in jüngere Hände geben. Angefangen hatte sein ehrenamtlicher Job, der zur Lebensaufgabe wurde, wie es oft ist, vor fast 50 Jahren. „Alle haben zu mir gesagt: Du kannst das“, erinnert sich Allhusen an das Jahr 1971. „Und dann hab ich das gemacht.“ „Das“, das war die Leitung des damaligen Musikzugs des TuS Syke, die er von Hans Dehn übernahm.

Bis 1987 leitete er das Orchester organisatorisch und musikalisch. Als sich 1992 die TuS-Musiker ins Moderne Orchester und den Musikzug aufteilten, war Allhusen wieder im Organisations-Boot. Unterstützung bekam er von Tochter Petra, die den Dirigentinnenstab übernahm. Petra Kruse wurde vor einigen Jahren von ihrem Sohn Lukas abgelöst, der schon als Teenager neben Opa Ernst-August am Schlagzeug stand. „Petra wollte wieder Klarinette spielen und nicht mehr dirigieren. Wir haben händeringend eine Nachfolge gesucht.“ Doch da man vom Dirigat in einem Sportverein nicht leben kann, fanden sich keine Interessenten.

Wie Jahrzehnte zuvor der Opa hat es dann Lukas auch gemacht. Kurs und Prüfung an der Musikakademie Bad Gandersheim absolvierte er erfolgreich. „Ja, ich bin stolz auf meine Familie“, so Allhusen, der zwar am Schlagzeug steht, aber verbal nicht auf die Pauke haut.

Zur Musikerfamilie gehören nicht nur Tochter Petra und die Enkel Lukas und Svenja, sondern auch die vor kurzem verstorbene Ehefrau Erika. 1962 habe Ernst-August der Dame seines Herzens gesagt: „Pass auf Erika, ich bin und bleibe im Spielmannszug.“ Und Erika unterstützte ihn und ab Mitte der 1970er-Jahre auch die Tochter, die mit Freundinnen ins Orchester des Vaters ging – und blieb. „Wir haben das nie als Belastung empfunden“, so Allhusen über sein Hobby und die im Laufe der Zeit gestiegene Verantwortung.

Allhusens Vater war im Gesangsverein Germania gewesen. Doch die Instrumentalmusik brachten Ernst-August und sein Bruder in die Familie. Mit ein paar anderen jungen Männern gingen sie in den 1960ern in den Spielmannszug, Querflöte war das Instrument der Wahl. „Es gab noch keine Noten, wir haben uns die Griffe gemerkt und gespielt. Das ging auch ohne Noten.“ In den 1970er-Jahren lernte Allhusen dann aber doch Noten, eine Voraussetzung für andere Instrumente und vielfältigere Musik. Auftritte bei Schützenfesten und Erntefesten und für die Feuerwehr standen auf dem Programm. Die Musiker marschierten damals noch und machten dabei Musik. „Das geht mit unseren heutigen Instrumente gar nicht mehr“, so Allhusen.

Tambourmajor und damit der Leiter war damals Hinrich Kattau. Weil der Beckenspieler fehlte, durfte Ernst-August Allhusen ans Schlagzeug und blieb dort. „Ich bin an der großen Trommel glücklich.“ Den aufwändigen Transport zu den wöchentlichen Proben im Kofferraum seines Kombis nimmt er gern in Kauf. Zu seinen Lieblingsstücken gehören Elvis und die traditionelle Blasmusik.

Allhusens Highlight war das Bundesturnfest im Berliner Olympiastadion im Jahr 1987. „Da haben wir mit 5000 Musikern gemeinsam gespielt – ohne Probe und es hat funktioniert", erzählt er. Dann veränderte sich die Musiklandschaft im TuS. Es kam zur Aufspaltung in zwei Orchester. „Die Zeit davor war nicht schön, aber inzwischen stimmt der Kontakt wieder.“ So traten vor einem Jahr beide TuS-Orchester gemeinsam zum 100. Vereins-Geburtstag auf.

1992 blieben 14 Personen im Musikzug, inzwischen umfasst die Music Company rund 40 Aktive vom Jugendlichen bis zum Senior. „Das ist auch Petras Verdienst“, so Allhusen. „Mit dem Kufsteinlied bekommen wir keinen Nachwuchs“, lautete die Erkenntnis und so passten sich die Musiker an. Neuer Name und eine Erweiterung des Repertoires um Film- und Popmusik lautet das erfolgreiche Konzept. Auch das Familiäre wird hochgehalten, der Nachwuchs besteht zum Teil aus den Kindern der mittelalten Musiker. Insgesamt sei es wie in allen Freizeitbereichen schwieriger geworden. „Zudem sind die Noten und Stücke komplizierter geworden, das erfordert mehr und vor allem regelmäßigere Proben.“ Zum Glück wird es eine Fortsetzung geben. Und zwar im doppelten Sinne. Zum einen zeichnet sich ein Ende des coronabedingten Stillstandes ab. Zum anderen steht eine Nachfolgerin für Organisator Allhusen bereit. „Ich bin froh, dass es weiter geht“, sagt er, der sein Lebenswerk in guten Händen weiß.

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