Das Salonorchester Ungestüm sorgt beim Neujahrskonzert mit teils ungewöhnlichen Klängen für Unterhaltung Musik mit Säge und Amboss

Twistringen. Der Pianist griff zur Klarinette, die Flötistin spielte das Akkordeon und der Geiger die Säge: Obwohl am Sonnabend nur fünf Musiker auf der Bühne des Twistringer Rathaussaals standen, erklangen im Laufe des Abends ein gutes Dutzend Instrumente. Zum Neujahrskonzert hatte sich das Salonorchester Ungestüm in Twistringen eingefunden.
25.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Marcel Nobis

Der Pianist griff zur Klarinette, die Flötistin spielte das Akkordeon und der Geiger die Säge: Obwohl am Sonnabend nur fünf Musiker auf der Bühne des Twistringer Rathaussaals standen, erklangen im Laufe des Abends ein gutes Dutzend Instrumente. Zum Neujahrskonzert hatte sich das Salonorchester Ungestüm in Twistringen eingefunden. Zwei Stunden lang unterhielten sie die rund 80 Besucher mit flotten Tangos und ruhigen Walzern, französischen Chansons und ungewöhnlichen Stücken auf Säge und Amboss.

„Hab’n ’se nich ’nen Mann für mich?“, sang Susanne Werner zu Beginn des Konzerts das gleichnamige Lied. Im roten Abendkleid schritt sie durch die Besucherreihen zur Bühne, auf der bereits die anderen vier Musiker ihren Platz eingenommen hatten und zum Gesang spielten. Der deutsche Schlager sorgte direkt für Heiterkeit: Kaum einer im Publikum blieb ruhig sitzen, die meisten sangen mit oder klatschten zum Takt der Musik. Am Ende des Stücks hatte Susanne Werner anscheinend den passenden Mann gefunden, griff sich einen Herren aus der ersten Reihe und tanzte für einige Sekunden mit ihm über die Bühne.

Tanzen – das war auch das Stichwort, worauf Orchesterleiter Detlef Wehking alias Felix von Ungestüm immer wieder zu sprechen kam. „Wir haben viele Stücke im Programm, die zum Tanzen geeignet sind. Wir haben extra darum gebeten, dass vor der Bühne ein wenig Platz gelassen wird“, merkte Wehking beim ersten Tango des Abends an. Doch das Publikum zeigte sich eher verhalten. „Wer sich bisher nicht getraut hat zu tanzen, der wird es vielleicht beim nächsten Stück tun“, versuchte es Wehking wenig später erneut, doch auch der Kaiserwalzer von Johann Strauss konnte die Besucher nicht animieren.

„Da vorne hätte man auch ein wenig wie auf dem Präsentierteller gestanden“, meinte Besucherin Birgit Timmerberg aus Twistringen an. Auch wenn die Motivation zum Tanzen fehlte, kam bei Timmerberg und ihren Freundinnen die Musik des Salonorchesters gut an. „Neujahrskonzerte sind ja oft Klassik-Konzerte. Ich finde, man sollte die Leute ein bisschen leichter abholen, daher ist das genau das Richtige“, sagte Cornelia Baumann aus Borken im Münsterland. Der Fokus von Ungestüm lag nämlich nicht auf klassischen Stücken, sondern auf Musik der 1920er-Jahre.

„Es ist mal ein anderes Genre für ein Neujahrskonzert. Es muss ja nicht zwingend klassisch sein“, meinte auch Twistringens Kulturbeauftragte Katja Bischoff. Das Salonorchester Ungestüm spielte erstmals zum Jahresauftakt in Twistringen. In der Vergangenheit stand meist die Philharmonie Nord-West auf der Bühne des Twistringer Gymnasiums. „Es hat sich inhaltlich, wie auch vom Format ein wenig geändert“, sagte Bischoff. Neues Orchester, neues Genre, neue Räumlichkeiten: Die Veranstaltung wurde grundlegend überarbeitet.

Dass das neue Konzept bei den Besuchern ankam, zeigte sich nicht zuletzt durch die allgemeine Heiterkeit im Publikum. Lacher gab es vor allem, wenn das Orchester einmal mehr ein ungewöhnliches Instrument hervorholte. So spielte Detlef Wehking ein Stück auf einer singenden Säge und Schlagzeuger Manfred Schiwik griff sich Hammer und Amboss. Während die Säge zwar eher jaulende, aber teils auch harmonische Töne von sich gab, erinnerte Manfred Schiwiks Spiel auf dem Amboss eher an eine Schmiede. Angenehmere Klänge entlockte er seinem Xylofon, auf dem er zur Pause hin „Derby Galopp und die lustigen Drei“ spielte, begleitet von Hubert Betzl am brummenden Kontrabass.

Nicht zuletzt prägte auch Oliver Ried am Klavier das Konzert, der gelegentlich sogar seinen Hocker verließ und sich dann mit Klarinette vor das Publikum stellte. Als am Ende des Abends die fünf Musiker aus dem Rathaussaal gingen, schallten kräftige Zugabe-Rufe aus den Besucherreihen.

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