Kreismusikschule Syke

Musikschule macht Metal

Die Kreismusikschule in Syke erweitert ihr Portfolio um eine weitere Musikart: Heavy Metal. Dafür hat Schulleiter Uwe Wegert mit Emanuel Knorr den Gitarristen der Metal-Band Majesty gewonnen.
06.02.2018, 17:33
Lesedauer: 3 Min
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Musikschule macht Metal
Von Micha Bustian
Musikschule macht Metal

Ein Mann, eine Gitarre, ein Auftrag: Emanuel Knorr soll an der Kreismusikschule in Syke unterrichten.

Jonas Kako

Syke/Landkreis Diepholz. Kreismusikschule. Hier lernen brave Kinder – ja gut: auch Erwachsene – Geige, Piano, Flöte und Cello. Klassik, versteht sich. Und jetzt kommt er. Emanuel Knorr. 21 Jahre jung, in der beschaulichen Künstlerkolonie Worpswede heimisch. Die schwarzen Haare hängen weit über die Schultern hinunter, der Bart macht ihn optisch deutlich älter, als er ist. Schuhe, Socken, Hose, Hemd, Lederjacke – alles schwarz. Gitarrenkoffer – auch schwarz. Der Mann lebt Heavy Metal, „das ist meine Leidenschaft“. Und er ist der neue Dozent für E-Gitarre, E-Bass und Band-Coaching an der Kreismusikschule des Landkreises Diepholz mit Sitz in Syke.

Für Uwe Wegert ist das ein weiterer Schritt, Popmusik an der Kreismusikschule zu etablieren. Martin Stoeck von der Gruppe Pur gehört schon zum festen Personal, Jane Comerford von Texas Lightning gibt am 2. und 3. März einen Gesangs-Workshop. Und nun also E-Gitarre, E-Bass und Band-Coaching bei Emanuel Knorr, dem Gitarristen der Metal-Combo Majesty. Er hat ein Studium der populären Musik an der deutschen Pop-Akademie in Bremen-Walle absolviert, baut gerade seinen Bachelor. „Diese Mischung aus Abschluss und praktischer Erfahrung macht ihn für uns so wertvoll“, erklärt Uwe Wegert, Leiter der Kreismusikschule. Er setzt auf „Leute aus der Szene“, will den „Hörgewohnheiten der Menschen“ gerecht werden. „Wir wollen die klassische Musik nicht herunterreden, aber an Pop und Rock können wir nicht mehr vorbei.“

Ein Baustein dieses Konzepts soll künftig Emanuel Knorr sein. Für das Band-Coaching können sich Musikgruppen aller Art ab sofort unter Telefon 0 42 42 / 9 76 41 43 anmelden, für die E-Gitarren- und E-Bass-Kurse Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche. Wobei Emanuel Knorr nicht nur Heavy Metal unterrichten wird. „Metal ist meine Leidenschaft“, stellt er klar. Was allerdings nicht heiße, dass er keine anderen Tonalitäten beherrsche. Als Session- und Tourmusiker habe er beispielsweise auch schon Schlagermelodien eingespielt. „Im Unterricht steht im Vordergrund, was der Schüler will“, sagt der 21-Jährige. Auf die Frage nach Pyrotechnik- und Headbanging-Übungseinheiten in seinen Kursen schmunzelt er: „Wenn's gefragt ist.“

Emanuel Knorr hat mit zwölf Jahren begonnen, Gitarre zu spielen. Seine ältere Schwester hatte ihm zum Geburtstag eine gebrauchte Gitarre geschenkt, seine Mutter sich anschließend auf den Weg zu einem geeigneten Musiklehrer gemacht. „Dafür bin ich den beiden wirklich dankbar“, blickt der Neue an der Kreismusikschule zurück. Als Übung zum Finger-Picking habe er dann den Song „Nothing Else Matters“ von Metallica mit nach Hause bekommen. „Eine schöne Ballade“, erinnert er sich. Er wollte mehr von Metallica hören – mit dem Ergebnis, dass er vom Heavy Metal nicht mehr loskam.

Früh war für Emanuel Knorr klar: „Ich will Musik auf jeden Fall hauptberuflich machen.“ Deshalb auch das Studium. Aber der Gitarrist stellte auch Videos von selbst komponierten Liedern ins Internet. Diese Videos wurden geteilt, geteilt und nochmals geteilt. Bis sie bei der Band Majesty ankamen. Die suchten gerade einen Komponisten und luden den jungen Mann nach Würzburg ein. Zum Vorspielen. Das Ergebnis: „Sie wollten es mit mir probieren. Ich war begeistert und sehr aufgeregt.“ Der erste Gig vor etwa 10 000 Zuschauern beim Out-and-Loud-Festival im bayrischen Geiselwind entfesselte das Feuer endgültig.

Mittlerweile hat Emanuel Knorr mit Majesty die CD „Rebels“ eingespielt, die auf Platz 16 der deutschen Album-Charts durchstartete. Das erste Produkt seines Solo-Projekts Shreducator steht seit Anfang des Jahres auf Youtube und trägt den Titel „Secret“. Drei bis vier Stunden probt er täglich zu Hause, „die Tonleiter hoch und wieder runter“. Doch nichts geht für den Worpsweder über einen Live-Auftritt. „Der Beifall auf der Bühne – das ist für mich das schönste Gefühl der Welt.“ Dieses Gefühl will er auch anderen Menschen ermöglichen. „Deswegen ist das Lehren in der Musik neben dem Spielen das Wichtigste überhaupt.“

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