Stadtbibliothek Syke

Bereit, endlich loszulegen

Eva-Maria Meyer ist die neue Leiterin der Stadtbibliothek Syke. Die 50-Jährige hat eine Menge kreative Ideen zur Steigerung der Attraktivität und freut sich darauf endlich loszulegen.
17.04.2020, 16:57
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing

Syke. Ihr Start in ein neues Berufsleben begann gleich mit einer Zwangspause. Eine Woche bevor Eva-Maria Meyer die Stelle als neue Leiterin der Syker Stadtbibliothek antrat, wurden öffentliche Einrichtungen geschlossen, einen Tag vor ihrem Dienstantritt trat das Kontaktverbot in Kraft. Dabei sprüht die 50-jährige Barnstorferin vor Ideen und kann es kaum erwarten, diese in die Tat umzusetzen.

„Super fleißig“ war Eva-Maria Meyer auch schon vor dem Antritt ihrer neuen Stelle, wie Sykes Bürgermeisterin Suse Laue verrät. „Sie hat im Februar und März bei der Kulturstiftung des Bundes Fortbildungen besucht, die sich mit der Zukunft von Stadtbibliotheken beschäftigen.“ Mit ihrem Programm „hochdrei“ fördert die Kulturstiftung des Bundes die Neuausrichtung von Bibliotheken als zentrale Räume, in denen herkunfts- und interessenübergreifend Begegnung stattfindet. Bei diesem Ansatz werden Bibliotheken als kommunale Kulturorte angesehen, in denen Medienkompetenzen vermittelt werden, gesellschaftliche Debatten Raum finden, Menschen sich begegnen und austauschen können, neue Bildungs- und Kulturkonzepte umgesetzt werden können – und das alles bei nur geringen oder gar keinen finanziellen oder sozialen Hürden. „Bibliotheken sollen sich einer breiten Öffentlichkeit neu sichtbar machen“, sagt Suse Laue.

Genau passend dazu hat Eva-Maria Meyer hinter den derzeit geschlossenen Türen der Bücherei bereits ein Projekt entwickelt: das Literatur-Event-House. „Dabei sollen Bücher nicht nur gelesen, sondern erlebt werden“, sagt sie. Literatur zum Begreifen – im wahrsten Sinne dieses Wortes. Angelehnt an die fünf Sinne – schmecken, riechen, hören, sehen und fühlen – wird dieses Event aus fünf Bausteinen bestehen und 2021 an fünf verschiedenen Terminen stattfinden. Büchern und Geschichten wird sich dabei auf eine etwas andere Art genähert, erläutert Eva-Maria Meyer. Dazu gehört auch ein Eventmobil, mit dem die Bücherei in die Innenstadt fahren kann – zu den Menschen, die sonst vielleicht nicht zu den regelmäßigen Nutzern der Bücherei zählen.

„Und das ist genau das, was wir wollen, dass die Bibliothek sich weiter gen Stadt öffnet“, sagt Erster Stadtrat Thomas Kuchem, der als Wirtschaftsförderer damit auch den Wirtschaftsraum der Stadt im Blick hat. Eine Bibliothek sei mehr als nur ein Ort, an dem Bücher ausgeliehen werden können, findet er. „Das wollen wir zeigen.“ „Und wenn ich über die Sinne berührt werde, hat das noch mal eine ganz andere Wirkung“, unterstützt Suse Laue diese Idee.

Eva-Maria Meyer erläutert, wie das vonstatten gehen soll. „Beim Baustein ‚schmecken‘ etwa ziehen die Teilnehmer ein literarisches Zitat – zum Beispiel den Satz ‚Ilsebill salzte nach‘ – aus dem Buch ‚Der Butt‘ von Günter Grass“, erklärt die neue Büchereileiterin. Ein Satz, der einen gewissen Geschmack schon in sich trägt, und doch verbindet jeder etwas anderes damit. Mit verschiedenen Materialien – Kräuter, Gewürze – sollen sich die Teilnehmer daher dann ihren eigenen Geschmack zusammenmischen können. Dabei soll eine Assoziationskette in Gang gesetzt werden, die die Menschen dann miteinander ins Gespräch kommen lässt – auch außerhalb der Bibliotheksräume.

Geplant ist dieses Projekt zwar erst für das kommende Jahr, aber den Förderantrag hat Eva-Maria Meyer schon abgegeben. Quasi als erste Amtshandlung. „Ende Mai/Anfang Juni wird die Entscheidung getroffen“, berichtet sie.

Derweil macht sich die neue Leiterin mit dem Bücherei-Team und den Örtlichkeiten vertraut, und wartet darauf, dass die Corona-Lage sich ändert und das Kontaktverbot aufgehoben oder wenigstens gelockert wird, sodass die Bibliothek wieder öffnen kann. Anfang der 1990er-Jahre hat sie Bibliothekswesen in Hamburg studiert, dann kamen Kinder, vier insgesamt. „Doch ich habe immer gewusst, dass ich zurück in den Beruf will“, sagt sie. Nach dem Abitur ihrer Tochter war ihr dann klar, dass dieser Zeitpunkt gekommen war.

In der Zwischenzeit engagierte sie sich in Teilzeit in der Bibliothek Barnstorf, betreute dort mit den Bücher-Babys etwa die Erstleser und ist auch schon in der Bibliothek Syke als Bücherpatin aktiv. Doch nun ist die begeisterte Leserin von Gesellschaftsromanen und Freundin der englischen Klassiker von Shakepeare bis Jane Austen bereit für neue Aufgaben. „Ich freue mich darauf, die Leser kennenzulernen und endlich richtig loszulegen“, sagt sie.

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