Neueröffnung

Gemeinsam mit Mut zum Risiko

Andere machen zu, sechs Kunsthandwerkerinnen machen auf. Sie eröffnen ein neues Geschäft in Okel, auch, weil aufgrund der Corona-Lage unsicher ist, ob und welche Märkte stattfinden.
08.10.2020, 17:03
Lesedauer: 4 Min
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Von Sarah Essing
Gemeinsam mit Mut zum Risiko

Starten gemeinsam (von links): Stefanie Yegodtka, Sigrid Dellies, Nadine Lembcke, Margot Hoffmann und Nicole Dellies.

Vasil Dinev

Syke-Okel. Große Fenster lassen viel Licht und Luft herein, das helle Laminat und die weißen Regale bilden den Gegenpol zur Farbenpracht, die den Besucher des Ladengeschäfts in der Okeler Straße 10 empfängt. „Einzigartig“ steht auf einem Schild. Es ist der Name dieses neuen Ladens. Inmitten der Corona-Pandemie wagen sechs Kunsthandwerkerinnen den Schritt und eröffnen ihr eigenes Geschäft.

Ja, sagen Stefanie Jegodtka, Nadine Lembcke, Sigrid Dellies, Margot Hoffmann und Nicole Dellies, natürlich haben sie viele Fragen und Bedenken gehört, als sie ihren Plan bekannt machten. „Viele haben gesagt: Andere machen zu, aber ihr macht auf?“, erinnert sich Margot Hoffmann, um gleich hinterher zu schicken: „Man muss auch mal etwas riskieren.“ Und dass sie ein Risiko eingehen, ist den Frauen durchaus bewusst. Darum sei es auch gut, dass das Geschäft von vielen Schultern getragen wird, findet Stefanie Jegodtka. „Gemeinsam.“

Mit diesem Laden machen die sechs Frauen ihr Hobby zu einem Nebenerwerb. Sie stricken, nähen, färben. Mützen, Hoodies, Schals, Armlehnen und Socken füllen die Regale, farbenfroh und fröhlich. Längst sind die Familien und der Freundeskreis ausgestattet, sodass nun auch andere in den Genuss kommen können. Nadine Lembcke etwa schneidert auch für ihren Shop auf der Online-Plattform Etsy, die ihren Fokus auf den Produkten von Kunsthandwerkern aus aller Welt hat. Sigrid Dellies und ihre Tochter Nicole bestücken normalerweise Märkte in der Umgebung. Die Unsicherheit, ob diese in 2020 überhaupt stattfinden, bildete dann auch den Grundstock für die Überlegung, ob man es nicht wagen sollte, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. „Die Idee ist im Lauf der Zeit entstanden“, sagt Sigrid Dellies und meint damit den Lockdown und die Zeit danach, als noch vieles in der Schwebe war und immer noch ist. Denn eigentlich hatten sie und ihre Tochter überlegt, beim Weihnachtsmarkt in Kirchweyhe eine zweite Hütte dazu zu buchen, um die Werke ihrer Freundinnen ebenfalls anbieten zu können. Dann jedoch stand im Raum, ob der Kirchweyher Weihnachtsmarkt überhaupt stattfindet. Zeitgleich tauchte ein Schild in dem Ladengeschäft an der Okeler Straße auf: Zu vermieten. „Das war dann der Ausschlag“, sagt Sigrid Dellies.

Gemeinsam mit ihrer Tochter, ihrer Schulfreundin Margot Hoffmann, deren Schwiegertochter Nadine Lembcke und Freundin Stefanie Jegodtka ging es an die Vorbereitungen. „Die Euphorie ist mit der Zeit gewachsen“, gesteht Sigrid Dellies mit einem Lachen. Denn natürlich ist ihnen klar, dass sie damit ein Risiko eingehen. Vor allem jetzt. Ein Geschäft zum Laufen zu bringen, ist auch ohne Corona-Bedingungen schon schwer genug. Auf der anderen Seite: „Man weiß nie, was kommt“, sagt Margot Hoffmann. „Aber unseren Laden kann uns immerhin keiner nehmen.“

Die Kunsthandwerkerinnen hoffen nun darauf, dass derzeit viele Menschen lieber in einem kleinen Laden einkaufen möchten, vor Ort und 100 Prozent handgemacht aus der Region. Da schwingt auch der Gedanke an die Nachhaltigkeit mit. Dem wird mit den angebotenen Kreationen ebenfalls Rechnung getragen. Etwa die wiederverwertbaren Geschenkbeutel aus Stoff, die Stefanie Jegodtka näht. „Die kann man wiederverwenden, weiterverschenken oder auch für anderen Kleinkram benutzen“, sagt sie. Darüber hinaus geben die Kunsthandwerkerinnen auch gern Tipps und verraten Tricks zum Selbermachen. So näht Nadine Lembcke nicht nur Röcke, Hoodies und derzeit auch Masken. Sie verkauft auch Stoffe und gibt bei Bedarf Nähtipps. Das bietet auch Sigrid Dellies. „Hier kann man sich auch Wolle zum Selbststricken kaufen“, sagt sie. Das Besondere dabei: Die Wolle wird gleich passend für den Bedarf abgemessen. „So hat man keine unnötigen Reste.“

In Sachen Wolle kann zudem Margot Hoffmann behilflich sein. In ihrer „Hexenküche“, wie sie es selbst nennt, färbt sie Wolle, kunterbunt, melliert oder auch mit Glitzer. „Ich weiß nie, was dabei heraus kommt“, lacht sie, kann dadurch aber auch mit Fug und Recht behaupten, dass sie ausschließlich Unikate im Angebot hat. Socken aus dieser bunten Wolle muss man übrigens nicht unbedingt selbst stricken. Die gibt es im neuen Geschäft ebenfalls fertig zu kaufen.

In Anbetracht der Lage war auch ein Abstands- und Hygienekonzept erforderlich. So können sich in dem kleinen Ladengeschäft zeitgleich nur drei Personen aufhalten. Deshalb bieten die Geschäftsfrauen einen weiteren Service. „Wer Bedenken hat, etwa weil sie zu Risikogruppen gehören, kann auch individuelle Termine zum Schauen und Kaufen vereinbaren“, betont Sigrid Dellies. Das gelte auch für kleine Gruppen und Interessierte, die zu den bisherigen Öffnungszeiten vielleicht keine Zeit haben. Geöffnet ist der Laden nämlich mittwochs, freitags und sonnabends jeweils von 16 bis 20 Uhr. Gern würde Sigrid Dellies auch am Sonntag öffnen, doch das ist ihnen laut Ladenschlussgesetz nicht erlaubt. Die Unterscheidung zwischen Kunst und Kunsthandwerk in dieser Hinsicht kann sie nicht nachvollziehen, aber dafür gebe es ja auch noch den Online-Shop von „Einzigartig“. „Dieser wird nach und nach ergänzt“, sagt sie.

Ergänzt werden soll auch gern noch das Angebot im Laden. „Zwei Regale sind noch leer“, sagt Nicole Dellies. Mit Tanja Siedenburg wurde bereits eine Kunsthandwerkerin gefunden, die Papierfalttechnik und Stempeldruck anbietet, doch da sei noch Platz. Interessenten können sich gern im Laden melden oder per E-Mail an kontakt@einzigartig-syke.de.

Eröffnet wird das Geschäft am Sonnabend, 10. Oktober, um 10.10 Uhr. Aufgrund von Corona muss dieser feierliche Anlass allerdings etwas kleiner ausfallen. „Wenn Corona vorbei ist, gibt's dann die Party für unsere Kunden“, stellt Margot Hoffmann in Aussicht. „Vielleicht zum Einjährigen!“

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