Syker Bibliothek

Nicht ohne meine Bibliothek

Die Syker CDU hatte zur Podiumsdiskussion zur Standortfrage der öffentlichen Bücherei eingeladen. Die große Resonanz überraschte die Stadtratsmitglieder. Die Mehrheit der Anwesenden befürwortet einen Umzug.
31.01.2020, 18:08
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Von Sarah Essing
Nicht ohne meine Bibliothek

Die Syker CDU hatte zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Bibliothek eingeladen. Die große Resonanz hat sie etwas überrascht.

Michael Galian

Syke. „Das Einzige, was man unbedingt wissen muss, ist der Standort der Bibliothek.“ Dieses Zitat wird gern Albert Einstein zugeschrieben, wohl weil er so ein kluger Mann war. In Syke ist der Standort der Bibliothek bekannt, doch er steht zur Diskussion. Es stehen Entscheidungen für die Bibliothek an, und aus diesem Grund hatte die Syker CDU für Donnerstagabend zu einer Podiumsdiskussion ins Delcasy geladen. „In der Bibliothek wäre mehr Platz gewesen“, kommentierte eine der Besucherinnen süffisant die beengende Fülle.

Der Rat werde sich mit der Stadtbibliothek beschäftigen müssen, führte CDU-Stadtverbandsvorsitzender Ralf Eggers in seiner Einführung aus. Die bisherigen Räumlichkeiten im Rathaus bedürften einer Generalüberholung, darüber hinaus gelte es beim Brandschutz nachzubessern, informierte er die zahlreichen Zuhörer. Die Kosten dafür belaufen sich nach ersten Schätzungen auf rund 350 000 Euro. Es stehe aber auch noch eine weitere Möglichkeit zur Debatte: Die Bibliothek zieht um an die Hauptstraße von Syke.

Dieser Vorschlag sei aus der Verwaltung gekommen, die dafür drei Gründe angeführt habe, so Eggers weiter. Zum einen benötige das Rathaus mehr Platz. Die bisher von der Bibliothek genutzten Räume wären dafür bestens geeignet. Zum anderen könnte ein Umzug der Bibliothek an die Hauptstraße einen Beitrag zur Belebung der Syker Innenstadt leisten. Die hohe Besucherfrequenz der Bibliothek könnte einen positiven Effekt auf die umliegenden Gastronomie- und Einzelhandelsbetriebe haben und die allgemeine Attraktivität der Innenstadt steigern. Dazu gehöre auch, dass man die Bibliothek neu gestaltet und anders ausstattet, sodass mehr Veranstaltungen stattfinden können – andersartige Veranstaltungen, sodass die Bibliothek noch mehr zu einem Treffpunkt wird als sie ohnehin schon ist. Es gebe Beispiele aus anderen Städten, wo dies schon geschehen sei und einen positiven Effekt gehabt habe, so Eggers weiter.

Er und sein Stellvertreter Wilken Hartje machten keinen Hehl daraus, dass nicht nur die CDU-Fraktion im Stadtrat in dieser Frage gespalten sei. Es sei nun einmal so, dass Kommunen nur bei den sogenannten freiwilligen Leistungen überhaupt noch die Möglichkeit haben, einzusparen. Zwei Drittel der Ausgaben seien Pflichtaufgaben, unterstrich Wilken Hartje. Und ein Neubau an der Hauptstraße würde die Stadt rund 1,5 Millionen Euro kosten. 1,15 Millionen Euro mehr als eine Renovierung am jetzigen Standort. Baut ein Investor an der Hauptstraße und vermietet dann der Stadt die Räumlichkeiten für die Bibliothek kämen 60 000 Euro pro Jahr Miete auf die Stadt zu. Die CDU habe daher zu dieser Diskussion eingeladen, um „ein Meinungsbild mitzunehmen“, so Eggers.

Und dieses Meinungsbild gaben ihnen die Anwesenden gern. Bibliotheken hätten einen Bildungsauftrag, sie würden die Lesefreude fördern und seien ein Treffpunkt für alle Generationen, machten die Anwesenden in ihren Äußerungen deutlich. Zudem sei eine Bibliothek ein Raum, in dem man sich stundenlang aufhalten könne, ohne etwas zu bezahlen oder verzehren zu müssen, fügte Bibliotheksleiterin Jutta Behrens hinzu. „Wenn man nur betriebswirtschaftlich denkt, ist das zu kurz gedacht“, sagte eine der Anwesenden. „Der gesamtgesellschaftliche Aspekt ist wichtig.“ „Der Gedanke, eine Bibliothek aufzugeben, ist absurd“, machte Michael Lux grundsätzlich deutlich. Damit sprach er den Zuhörern aus der Seele und brachte zum Ausdruck, was er von Äußerungen hält, dass Bibliotheken „Auslaufmodelle“ seien, die in zehn Jahren sowieso nicht mehr gebraucht würden. Eine Lösung, bei der Räume nur angemietet würden, hielten die Anwesenden daher für sinnlos. Die derzeitigen Räumlichkeiten im Rathaus seien sehr wohl „gemütlich und heimelig“, so die Aussagen. Es sei jedoch auch den Angestellten zugute zu halten, dass sich dort jeder willkommen fühle. Das würde sich an einem anderen Standort nicht ändern, waren die Anwesenden überzeugt. Denn angesichts des Platzmangels für die Verwaltung müsste bei einer Renovierung am jetzigen Standort doch auch gefragt werden: Wo geht dann die Verwaltung hin?

Und wie stehen die Bürger nun zu einem Umzug an die Hauptstraße? Dazu bekannte eine Bürgerin, dass sie zwar täglich die Hauptstraße mehrfach hoch und runter fahre, jedoch selten zum Rathaus komme. Daher nutze sie die Bibliothek seltener, als sie eigentlich möchte. Auch die Werbegemeinschaft Syke, deren Geschäftsführer Lux ist, würde einen Umzug der Bibliothek an die Hauptstraße begrüßen. „Jeder Frequenzbringer bringt uns etwas“, sagte er. Dort wäre zudem noch wesentlich mehr machbar, so Lux weiter. Er könne sich auch ein Kulturzentrum oder eine zentrale Touristen-Information vorstellen. Auch die übrigen Anwesenden hatten weitere Ideen: Extraräume für Veranstaltungen wie Lesungen oder Filme, sodass diese während der Öffnungszeiten durchgeführt werden könnten, ein angeschlossenes Café und vor allem erweiterte Öffnungszeiten, damit auch voll Berufstätige die Bibliothek stärker nutzen können. „Will ich Lebensqualität, Kultur und Bildung, oder will ich auf der schwarzen Null sitzen“, brachte eine Bürgerin die Stimmung auf den Punkt. Ein abschließendes Votum fiel dementsprechend deutlich aus. Nur zwei der anwesenden Bürger sprachen sich für eine Renovierung aus, der Rest würde die Bibliothek gern an der Hauptstraße sehen.

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