Warnstreik in Syke

Warnstreik für mehr Gehalt

Nächste Woche gehen die Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst in die nächste Runde. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatte Verdi zu Warnstreiks aufgerufen, auch in Syke und Diepholz.
15.10.2020, 17:35
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Sarah Essing
Warnstreik für mehr Gehalt

Vom Syker Rathaus gingen die Streikenden mit ihren Plakaten und Bannern zum Kreishaus am Amtshof.

Michael Galian

Syke/Landkreis Diepholz. „Achtet darauf, den Abstand einzuhalten, und tragt euch bitte alle in die Corona-Liste ein. Wir können erst los, wenn das passiert ist“, rief Volker Selent der Menge zu, die sich am Donnerstagmorgen vor dem Syker Rathaus versammelt hatte. Es waren hauptsächlich Erzieherinnen aus Kindertagesstätten in kommunaler Hand und Bauhofmitarbeiter, vereinzelt auch Rathausmitarbeiter aus Stuhr, Weyhe, Bassum, Bruchhausen-Vilsen und Syke. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hatte zum Warnstreik aufgerufen. Rund 90 kommunale Mitarbeiter aus der Region waren dem Aufruf für Syke gefolgt, um die Forderungen der Gewerkschaft mit diesem Aktionstag zu unterstreichen. Auch in Diepholz demonstrierten Streikende vor dem Kreishaus.

„Wir halten zusammen. Jetzt seid ihr dran!“ – „Wir sind es wert.“ – „Wir fördern Zukunft. Jetzt seid ihr dran.“ stand auf den Plakaten und Bannern, die der Demonstrationszug mit sich führte. Die Warnstreikenden untermauerten damit die Forderungen der Gewerkschaften nach einer Gehaltserhöhung für kommunale Mitarbeiter im laufenden Tarifkonflikt mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Gesichert von der Polizei und auffällig bekleidet mit bunten Westen bewegte sich der Zug vom Rathaus bis vor das Kreishaus. Seile in passender Länge halfen den Teilnehmern dabei, die Abstände von eineinhalb Meter einzuhalten. Sie schienen überflüssig, denn ruhig und diszipliniert spazierten die Streikenden den Mühlendamm entlang. Der Kampfgeist schien zu dieser frühen Stunde noch nicht ganz wach zu sein. Das änderte sich vor dem Kreishaus.

Die Gewerkschaften fordern ein Lohn- und Gehaltsplus von 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat für rund 2,3 Millionen Angestellte im Öffentlichen Dienst. Forderungen, die Ulrich Mädge, Präsident der VKA und Oberbürgermeister von Lüneburg, laut Pressemitteilung als „völlig überzogen“ zurückgewiesen hatte. Die Lage der kommunalen Arbeitgeber sei wegen der Corona-Krise dramatisch, die Kassen leer, sodass er keinen Verteilungsspielraum sehe. „Zudem entspricht die Verschärfung der Arbeitskampfmaßnahmen in keiner Weise dem tatsächlichen Verhandlungsstand“, erklärte VKA-Hauptgeschäftsführer Niklas Benrath in einer Pressemitteilung.

Volker Selent von Verdi leitete den Demonstrationszug an und machte auch die Forderungen noch einmal deutlich.

Volker Selent von Verdi leitete den Demonstrationszug an und machte auch die Forderungen noch einmal deutlich.

Foto: Michael Galian

Volker Selent, bei Verdi zuständig für den Fachbereich Gemeinden, machte noch einmal deutlich, worum es geht. Seitens Verdi hätte es in diesem Jahr keine Tarifverhandlungen geben müssen, sagte er. Angesichts der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie hätte die Gewerkschaft sich mit einer Einmalzahlung als Anerkennung für dieses Jahr zufriedengegeben. 1500 Euro habe Verdi dafür vorgeschlagen. Ein Vorschlag, der von der VKA ohne Gegenvorschlag abgelehnt worden sei, sodass man in die „normalen Tarifverhandlungen gerutscht“ sei. Und dabei wolle man nicht „von vornherein die ersten Sparschweine sein“, erklärte er und erhielt dafür Beifall von den Warnstreikenden.

Selent erklärte zudem, dass die Arbeit in den vergangenen Monaten an Wert gewonnen habe, weil die Belastung gestiegen sei. „Und das muss auch honoriert werden“, sagte er auch mit einem Blick auf die Verteilung des in Deutschland vorhandenen Vermögens insgesamt. 35 Prozent des gesamten Vermögens verteile sich auf gerade mal ein Prozent der Bevölkerung. „Wenn wir hier stehen, stehen wir auch hier für eine gerechtere Verteilung“, unterstrich er unter dem Beifall. Das gelte insbesondere, da im Bereich der Bezahlung eher Aufholbedarf bestehe, „als dass wir verzichten sollten“.

Die Verhandlungen sollen am 22. Oktober fortgesetzt werden. Die Gewerkschaften erwarten, dass die VKA am Freitag ein neues Angebot vorlegt. Wenn dieses Angebot „Nacharbeit“ erfordere, so Selent weiter, soll am 21. Oktober ein weiteres Mal gestreikt werden. Er appellierte daher an die Teilnehmer des Zuges, weitere Kollegen zu mobilisieren.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+