Okeler Ortsrat

Immer eine gute Basis

Nach 22 Jahren als Okeler Ortsbürgermeister legt Jürgen Schmock sein Amt nieder. Der 75-Jährige findet, es sei Zeit, ein wenig kürzer zu treten. Am Montag wählt der Ortsrat einen Nachfolger.
28.08.2020, 16:55
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Von Sarah Essing

Syke-Okel. „Ich kann mir Okel gar nicht ohne dich als Ortsbürgermeister vorstellen!“ Das seien die ersten Reaktionen auf seinen bevorstehenden Rücktritt gewesen, berichtet Jürgen Schmock, vor allem von jüngeren Okelern. Und in der Tat kennt gerade die jüngere Generation gar keinen anderen Ortsbürgermeister als den 75-Jährigen. Seit 40 Jahren sitzt er im Okeler Ortsrat, zwölf Jahre war er stellvertretender Ortsbürgermeister unter seinem Vorgänger Heini Cordes, und seit 22 Jahren ist er Ortsbürgermeister. Er war „erster Ansprechpartner für die Bürger“ und „Vermittler zwischen Bürgern und Rat“, wie er das Amt stets verstand. Doch nun sei der richtige Zeitpunkt gekommen, „etwas kürzer zu treten“, findet er und sagt: „Es müssen jüngere Leute in den Rat.“

1977 zog Jürgen Schmock mit seiner Familie nach Okel. Er hatte den Ort kennengelernt, als er in seiner Funktion als Sozialarbeiter in Bremen Freizeiten mit den betreuten Jugendlichen in die Region unternahm. „Da habe ich gesagt: Hier will ich mal leben“, erinnert er sich mit einem Lachen. 1977 war es so weit. Über den Sportverein fanden die Neubürger schnell Anschluss an die Dorfgemeinschaft, über die Bürgerinitiative, die sich 1979 gegen eine mögliche neue Trassierung der Bundesstraße 6 über Okel engagierte, fand er den Weg in die Politik. „Zurücklehnen, nichts tun und nur kritisieren – das ist nicht meine Art“, sagt er. Außerdem habe er ein bisschen mitbestimmen wollen, wie sich dieses Leben in der neuen Heimat Okel gestaltet, bekennt er. So kandidierte das jahrelange SPD-Mitglied 1981 erstmals für den Okeler Ortsrat und wurde gewählt. 1986 ließ er sich auch für den Stadtrat aufstellen und vertrat bis 1994 auch dort die Interessen der Bürger. Berufsbedingt habe er dann jedoch kürzer treten müssen, sagt er.

Das änderte sich erst 2006 wieder, als er in die Altersteilzeit ging. Seitdem sitzt er auch wieder im Syker Stadtrat, von 2014 an jedoch nicht mehr für die SPD. Nach Differenzen in der Fraktion, bildete er gemeinsam mit Günter Brockhoff, Gabi Beständig und Andreas Schmidt die BSF, die Bürgerfreundliche Soziale Fraktion, aus der zwei Jahre später die FWG, die Freie Wählergemeinschaft wurde. Auch in Okel erlebte er fast zeitgleich die Schattenseiten des politischen Ehrenamts. Die Art und Weise wie „seine“ Okeler, darunter Nachbarn und Weggefährten, sich gegen ein Golfhotel äußerten, habe ihn nachhaltig enttäuscht, bekennt er.

Alles in allem, seien dies jedoch Ausrutscher gewesen, fasst er die Jahre zusammen. Die Zusammenarbeit im Okeler Ortsrat war „toll, freundschaftlich und kameradschaftlich“, die Parteizugehörigkeit spiele dabei keine Rolle. Gemeinsam habe man stets Lösungen gefunden, sei es in Sachen Windkraft, Sandabbau oder Unterkünfte für Asylbewerber. Das familiäre Konzept, bei dem Jürgen Schmock auch seine beruflichen Erfahrungen habe einbringen können, wie Suse Laue erinnert, sei ein ganz anderer Ansatz gewesen und habe sich schließlich auch bestätigt. Auch in der Zusammenarbeit mit der Stadt habe man „immer eine gute Basis gefunden“, sagt er.

Vieles hat sich seither verändert, nicht nur, aber auch in Okel, blickt Schmock zurück. Der Ort ist größer geworden, die Bevölkerungsstruktur habe sich geändert. Okel liege eben sehr gut, findet er. Zudem habe es ein sehr aktives Vereinsleben und Zugezogene werden gut integriert. „Es ist ein überschaubares Gemeinwesen“, findet er. Es habe sich immer gelohnt sich für den Ort einzusetzen. Er gehe daher mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Doch er sei 75 Jahre alt, freue sich darauf, mehr Zeit mit seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln zu verbringen. Es ist einfach „der richtige Zeitpunkt“. Auch um seiner Nachfolgerin noch ein Jahr zur Seite stehen zu können und sie „flankierend zu unterstützen“. Gefunden hat er sie schon. Marlene Früchtenicht, seine bisherige Stellvertreterin, steht für das Amt bereit, im Gegensatz zu ihm auch über das Jahr 2021 hinaus. „Ich gehe die Dinge pragmatisch an“, sagt Schmock. „Und ich denke, das wird Marlene Früchtenicht genauso machen.“

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