BSN-Landermeisterschaft in Göttingen

Mike Schwenke mit überragendem Comeback

Bei seinem dritten Wettkampf nach rund anderthalbjähriger Verletzungspause hat der Barrier Para-Athlet Mike Schwenke (Bremer LT) mit gleich fünf neuen Bestleistungen einen starken Wettkampf abgeliefert.
21.06.2021, 12:25
Lesedauer: 2 Min
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Von xng
Mike Schwenke mit überragendem Comeback

Feierte ein gelungenes Comeback: Mike Schwenke.

Niklas Golitschek

Göttingen/Barrien. Nach dem 200-Meter-Lauf und dem Kugelstoßen nahmen die Emotionen ihren Lauf. Mit einem überragenden Auftritt hat sich Para-Athlet Mike Schwenke aus Barrien bei den Landesmeisterschaften des Behinderten-Sportverband Niedersachsen (BSN) in Göttingen zurückgemeldet. Nach mehr als anderthalbjähriger Verletzungspause legte er im Trikot des Bremer LT gleich fünf Bestleistungen hin.

Als ihn nach den beiden Disziplinen und dem guten Abschneiden insgesamt die Leute gratulierten und beglückwünschten, flossen ein paar Freudentränen. "Ich habe mich so sehr gefreut", schwärmte Schwenke auf der Rückfahrt, die Eindrücke waren noch ganz frisch. "Das ist vorher noch nie gewesen", ordnete Mutter Sandra Schwenke die Emotionen ein. Mit Luftsprüngen hatte er die Ergebnisse davor bereits zelebriert und so die Sympathien der anderen gewonnen. "Alle haben sich mit ihm gefreut", schilderte sie.

Doch waren diese Emotionen eben Ausdruck eines langen Leidenswegs, der nun beendet sein dürfte. "Mike ist wieder da", bilanzierte Schwenke überaus zufrieden. Denn in den vergangenen Monaten war nicht absehbar, ob der Athlet mit Down-Syndrom überhaupt noch einmal an einem Wettkampf teilnehmen könnte. Bei einem Trainingsunfall hatte er sich einen Trümmerbruch in der Kniescheibe zugezogen, von der nun nur noch etwa die Hälfte erhalten ist. Auch die Bänder hatte er sich verletzt.

12 Wochen lang konnte er das Knie gar nicht bewegen. Als das dann wieder ging, der nächste Rückschlag, erzählte Sandra Schwenke: "Er stand, aber wusste nicht, wie er loslaufen sollte. Er hatte das Laufen tatsächlich verlernt, das glaubt man so nicht." Während die anderen im Training ihre Bahnen liefen, musste der 23-Jährige sich lange mit passivem Training für die Beinbewegungen begnügen.

Erst nach Wochen klappte allmählich wieder das lockere Joggen. Doch: "Am nächsten Tag mussten wir das wieder neu üben. Es war nicht mehr drin im Kopf", erinnerte sich Sandra Schwenke. Gleichzeitig setzte er sich jeden Abend, selbst nach den anstrengenden Übungseinheiten, für 30 Minuten auf sein Fahrrad und arbeitete an den Bewegungen. "Das ging von nicht laufen zu humpeln zu einem passablen Laufstil", skizzierte sie. Doch mit viel Biss habe sich der Athlet zurückgekämpft.

Umso beachtlicher, dass er nun im Sprint seine jüngste Bestleistung von 15,11 aus Ende Mai noch einmal auf 14,86 Sekunden aus. 2019, vor der Verletzung, benötigte er dafür noch 14,45 Sekunden. "Mike ist jetzt stärker als vorher. Selbst Corona hat ihn nicht zurückgeworfen - das ist unglaublich", staunte Mutter Schwenke. Auch andere Trainer hätten seinen sauberen Laufstil gelobt, mit dem er sich in drei Wettkämpfen seit der Rückkehr innerhalb von sechs Wochen jedes Mal verbesserte. "Ich bin schnell gewesen und schnell ins Ziel gekommen", bilanzierte auch der Athlet selbst.

Über 200 Meter kitzelte Schwenke ebenfalls noch ein paar Hundertstel aus seinen Beinen und überquerte die Ziellinie nach 31,95 Sekunden. Weitere Bestleistungen erzielte er im Weitsprung (3,82 Meter), Kugelstoß (6,47 m) und mit dem Speer (17,83 m). "Jetzt kommt er regelmäßig aufs Brett", sah Sandra Schwenke einen weiteren Grund für die Steigerungen. Mike Schwenke zog ebenfalls ein durchweg zufriedenes Fazit: "Das war alles gut und ich auch."

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