Politisches Mentoringprogramm

Nicht mittendrin, aber dabei

Die Stadt Syke hat jetzt ein Zwischenfazit für das politische Mentoringprogramm gezogen: Anja Maß, Christine Frontzek und Inga-Brita Thiele wollen für den Stadtrat kandidieren.
16.09.2020, 16:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Yannik Sammert

Syke. Ein voller Erfolg: Mit Anja Maß, Christine Frontzek (jeweils Freie Wählergemeinschaft) und Inga-Brita Thiele (Bündnis 90/Die Grünen) werden im nächsten Jahr gleich drei Teilnehmerinnen des Mentoring-Programms „Frau. Macht. Demokratie“ für den Syker Stadtrat kandidieren. „Noch immer sind im Stadtrat nur acht von 30 Mandaten von Frauen besetzt. Nun können wir den Frauenanteil wohl deutlich erhöhen“, schildert die Syker Gleichstellungsbeauftragte Kathrin Stern.

Und genau darauf zielt das Konzept ab. Frauen und auch Männer (Heinz-Jürgen Michel ist in Syke dabei), die bereits Mitglied des Rates sind, erklären sich bereit, Frauen beim Einstieg in die Kommunalpolitik zu begleiten. Dies führt wie nun im besten Fall dazu, dass sich die Mentees selbst als Kandidatinnen für die nächste Wahl aufstellen lassen.

Startschuss war vergangenes Jahr im August. Rund ein Jahr dauert das Programm normalerweise. Angesichts der Corona-Pandemie wurde jedoch bis Ende des Jahres verlängert. Die Abschlussveranstaltung ist erst auf Frühjahr 2021 angesetzt. Überhaupt hat Corona die Durchführung verändert. „In den Sitzungen ist hin und wieder nicht genügend Platz, weil ja Abstände eingehalten werden müssen“, weiß Maß zu berichten. Claudia Schuch von der SPD, die auch mit dem Gedanken einer Kandidatur spielt, ergänzt: „Leider ist das Netzwerken durch die Pandemie etwas weggefallen.“

„Trotz allem haben wir das Beste aus der Situation gemacht“, findet die ehemalige Syker Ortsbürgermeisterin Gabriele Beständig und erntet dafür viel Zustimmung. Denn auch so haben die Frauen viel gelernt und erlebt. „Wir sind zwar nicht mittendrin, aber auf jeden Fall dabei und das zählt“, dreht Schuch einen bekannten Spruch aus dem Sportfernsehen um.

Die Frauen sind sich einig: Nun können sie gut einschätzen, was für einen enormen Zeitaufwand das Ehrenamt Lokalpolitik eigentlich bedeutet und wie viel Fachwissen es benötigt. CDU-Frau Susanne Lindemann-Breuker berichtet: „Oft waren es schwierige und langwierige Diskussionen, an deren Ende dann oft Kompromisse die Lösung sind“. Kann sie sich vorstellen zu kandidieren? „Ich bin zwiegespalten. Einerseits ist es mit meinem Vollzeitjob schwer vereinbar. Gleichzeitig finde ich den Gedanken sehr interessant“, überlegt sie.

Thiele und Schuch sind da schon weiter. Sie sind sich nicht nur sicher zu kandidieren, sondern entwickeln auch schon Herzensthemen. Schuch wird sich für bezahlbaren Wohnraum einsetzen und Thiele möchte den Klimaschutz stärken – ganz ihrer Partei entsprechend eben. „Schön, dass es schon so konkrete Ideen gibt“, zeigt sich Beständig begeistert.

Doch was bringt das Mentoring-Programm eigentlich den erfahrenen Politikerinnen? Marlene Früchtenicht, seit diesem Jahr Ortsbürgermeisterin in Okel, spricht von einer gegenseitigen Bereicherung. Die SPD-Poltikerin Mercedes Isabell Jagst ergänzt: „Die Mentees bringen neue Sichtweisen rein und zeigen uns, dass man vieles anderes sehen kann.“

Mentee Ingrid Langkau kritisiert den Umgang zwischen den Parteien im Stadtrat: „Sachliche Diskussion sind gut, aber manchmal sind die Emotionen zu sehr ausgeufert.“ Die erfahrene Kommunalpolitikerin Jana Weinhold (CDU) bestätigt, dass es durchaus mal feurig zu gehen kann. Gleichzeitig merkt sie aber an: „Kommunalpolitik ist Leidenschaft und deshalb können die Emotionen durchaus mal hochkochen.“ Mit mehr Frauen in der Politik kehre vielleicht eine andere Kommunikationskultur ein, überlegen die Frauen. Gleichzeitig fühlen sich die Neulinge akzeptiert und ernstgenommen. Deborah Bruns erzählt zufrieden: „Was ich gesagt habe, wurde gleichgestellt – das ist super.“ Dass sich ausgerechnet Bruns in dieser Weise äußert, hat besonderes Gewicht. Denn sie ist sogar noch Schülerin.

Ein großes Highlight waren drei Rahmenveranstaltungen, für die die Frauen zweimal in andere Orte fuhren. Überregionales Kennenlernen stand auf dem Programm. Der dritte Termin fand dann in Zeiten der Pandemie immerhin digital statt. Beständig erzählt von einer solchen Veranstaltung in Oldenburg, bei der eine Ratssitzung inklusive Bühne und Mikro nachgespielt wurde. „Das war eine sehr gute Übung, die viel Spaß gemacht hat. Die Mentees waren sehr mutig und sind es übrigens auch ganz allgemein. Sie wissen, dass andere Frauen hinter ihnen sind, die Rückenwind geben“.

Es zeigt sich: Der Zusammenhalt der Frauen ist enorm stark – wohlgemerkt parteiübergreifend. „Wenn wir Frauen was verändern wollen, dann nur zusammen“, betont Stern dazu passend. Edith Heckmann, die für die CDU im Kreistag sitzt, hat der Vergleich mit anderen Städten vor allem eines vor Augen geführt: „Ich habe festgestellt, wie gut wir es mit Frau Stern haben und was sie alles für Syke leistet.“ Stern, überwältigt von dem Lob, bringt es letztlich euphorisch auf den Punkt: „Es war und ist eine tolle Zeit. Hier waren ganz unterschiedliche Frauen mit verschiedenen Lebenszusammenhängen und Sichtweisen dabei. Wir haben als Gruppe klasse funktioniert und fantastisch zusammengehalten. Keiner ist abgesprungen und einige Frauen werden kandidieren, was mich extrem freut.“

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