Radsport Ein hoher Stellenwert im Verein

Der Radsport ist beim TSV Barrien immer noch total angesagt, auch wenn die Anzahl der Sportler weiter sinkt.
12.02.2021, 12:31
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Ein hoher Stellenwert im Verein
Von Jürgen Juschkat

Barrien. Beim TSV Barrien dreht sich bei zwei Brüdern ganz viel um den Radsport, denn sie prägen schon seit Jahren das Geschehen in dieser Sparte. Klaus Nienaber leitet die 23 Mitglieder umfassende Abteilung, in der dessen Bruder Manfred sich unter anderem als Trainer um den Radball-Nachwuchs kümmert. Zurzeit müssen aber auch sie sich an die Corona-Beschränkungen halten. Außer dem Online-Angebot „TSV zu Hause“ mit Strecken vergangener Volksradfahr-Veranstaltungen läuft auch hier derzeit nichts.

In der kleinen Barrier Sporthalle haben die Radsportler ihr Domizil. Neben dem Hallenbereich ist auch ein Raum vorhanden, in dem an der einen Seite Medaillen aufgereiht sind und auf Erfolge hinweisen. Entlang der längeren Wand hängen die speziellen Fahrräder, die je Modell zwischen 1600 und 2600 Euro kosten. Dabei besteht das teuerste aus Carbon. Eine Werkbank für kleine Reparaturen gehört zur notwendigen Ausrüstung. Punktspiele müssen in der großen Halle stattfinden, weil die Maße der anderen Sportstätte dafür nicht ausreichen.

„1992 hatten wir zu Glanzzeiten 91 Radsportler, davon waren es 61 Radtouren-Fahrer. Doch diese wollen lieber privat fahren und keinem Verein angehören“, bedauert Spartenleiter Klaus Nienaber, der nunmehr mit 23 erheblich weniger Spartenangehörige vorweisen kann. So konzentriert sich der TSV Barrien hauptsächlich auf den Hallensport – einmal abgesehen vom großen Volksradfahren, welches aber 2020 ebenfalls wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste. Bis vor gut zwölf Jahren wurde im Verein auch Kunstfahren angeboten. Doch als Adele Lepie aufhörte, war auch damit Schluss. „Wir haben es leider nicht wieder in Gang bekommen. Es ist schwierig, eine Trainerin oder einen Trainer für diese Sportart zu finden“, ist der Spartenchef ein wenig traurig.

Parallel dazu wurden viele Erfolge beim Radpolo gefeiert. So mit der Jugend, als Heidi Friedrich (heute Scholvin) und Anke Heidhoff (Lehmkuhl) unter Federführung von Trainer Manfred Nienaber 1975 die deutsche Meisterschaft gewannen. Später sicherten sich auch Rita Oeltjendiers und Hannelore Plenge 1977 und 1979 diesen Titel. Zwischenzeitlich wurde es ziemlich still in diesem Bereich, doch seit März 2018 betreibt Hannelore Bollhorst (früher Plenge) wichtige Aufbauarbeit.

Eine ehemalige Kunstfahrerin, die das nicht mehr machen wollte, gehört zu den vier aktiven Radpolo-Spielerinnen. In der Saison 2019/20 wurde erstmals mit zwei Teams – je eine Damen- und eine Jugendmannschaft – an den Punktspielen teilgenommen. Doch mittlerweile hat auch hier Corona den Verantwortlichen und Aktiven einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Beim Rad-Touren-Fahren (RTF) – hier hat Peter Goll die Leitung – ist es sehr still geworden. Nicht nur wegen der aktuellen Einschränkungen. „Es ist leider sehr wenig geworden“, bedauert Klaus Nienaber, dass dieses Angebot nicht wahrgenommen wird. „Viele wollen nicht leistungsmäßig nach Punkten fahren“, hat er festgestellt. Es trifft sich lediglich eine Senioren-Gruppe, die früher sehr intensiv Rennradsport betrieben hat. Zwei bis drei Stunden ist man schon unterwegs – mit Rennrad, rennradähnlichem Fahrrad oder mit Pedelec, dem elektrisch unterstützten Rad.

Die Radballer nahmen bis 2017 an den Punktspielen der Herren-Landesliga Niedersachsen teil. Die Wieczorek-Brüder Thomas und Stefan wollten damals noch einmal zusammen um Punkte fahren, hörten danach aber damit auf. Nun gibt es lediglich noch eine Altherren-Gruppe, die seit 50 Jahren in der kleinen Barrier Halle zusammenkommt. Es sind sechs Sportler, die trainiert haben, als es noch möglich war. Manfred Nienaber gehört auch dazu. Jährlich findet eigentlich ein Altherren-Radballturnier mit vielen Sportlern aus ganz Deutschland statt, doch nicht so 2020. Die Pandemie verhinderte die 18. Auflage.

Die Radballer um Manfred Nienaber sind aber ganz besonders stolz auf den Nachwuchs, denn hier - als es noch erlaubt war – steigen fünf bis sechs Kinder jeweils auf ihre Räder und versuchen mit dem Ball das Tor zu treffen. Einer von ihnen ist der achtjährige Hannes, der Sohn des Pastoren-Ehepaares Marc und Susanne Heinemeyer. „Er ist ganz fleißig, kann gar nicht aufhören“, freut sich der Trainer. Die Initialzündung entstand bei einer Jubiläumsfeier, an der Manfred Nienaber als Barriens Ortsbürgermeister teilnahm.

Der junge Hannes, der gleich einen Freund zum Training mitbrachte, spielt unter anderem Gitarre und Orgel und hat sogar schon das Instrument im Bremer Dom getestet. Am Radball gefällt ihm ganz besonders, dass er – wie er sagt „mit dem Rad fahren und den Ball wegschießen kann“. Fußball kommt zu seinen Hobbys auch noch hinzu.

Das ganz große Jahres-Event der Barrier TSV-Radsportler ist das Volksradfahren mit RTF. „Da steht Barrien Kopf“, hat Klaus Nienaber festgestellt, denn immerhin wurden vor Corona 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen unterschiedlichen Alters registriert. 46-mal wurde es schon ausgerichtet, manchmal aufgrund der großen Resonanz sogar zwei Mal in einem Jahr. „Doch das war zu viel Aufwand“, hat Manfred Nienaber festgestellt. Im vergangenen Jahr musste es aus den bekannten Gründen ausfallen. Der RTF-Bereich hat schon 31 Veranstaltungen durchgeführt, doch die 32. wurde relativ früh im März abgesagt.

Das Internet-Angebot mit vorgeschlagenen Touren kommt bei den Mitgliedern gut an. Zwar kann die Sparte nicht verfolgen, wer diese Strecken letztendlich gefahren ist, doch das Lob von vielen Seiten unterstreicht die Richtigkeit dieser Möglichkeit.

„Es geht nichts drüber, zusammen etwas zu machen“, sagt Manfred Nienaber. Er hofft genauso wie sein Bruder Klaus, dass alles möglichst bald wieder in geordneten Bahnen laufen kann. Doch vorerst muss alles ausfallen – so wie es der Verein auf seiner Homepage mit einem roten Balken deutlich macht: Sämtliche Aktivitäten auf allen Sportstätten ruhen weiterhin noch.

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