Restaurierung der Stiftskirche: "Verkündigung Mariens" im neuen alten Glanz

Von Christoph Starke
12.03.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christoph Starke

Bassum. Ein etwa 15 Meter hohes Gerüst reicht weit über den Eingangsbereich des Gotteshauses hinaus. Es staubt. Der Bereich ist mit Plane abgedeckt und mit einer Schutzwand vom Kirchenschiff abgetrennt. Zurzeit ist das nördliche Querschiff der Bassumer Stiftskirche eine Baustelle. Der Grund sind Restaurierungsarbeiten. Hauptaufgabe für den beauftragten Restaurator Dietrich Wellmer ist zurzeit die Freilegung des Gemäldes "Verkündigung Mariens" über dem Eingangstor; das Bild wurde in den Jahren 1866 bis 1869 gemalt.

Ende der 50er Jahre wurden die Wände des nördlichen Querschiffs weiß gestrichen. Das etwa sechs Meter hohe und anderthalb Meter breite Bild wurde so übermalt. Das war damals dem künstlerischen Zeitgeist geschuldet, wie Bassums Pastor Herbert Köhler erläutert. "Die Neoromanik war nicht mehr gefragt." Ende der 90er hätte es dann im Kirchenvorstand die ersten Überlegungen gegeben, die Stiftskirche wieder im alten Stil erscheinen zu lassen. Anfang des neuen Jahrtausends begannen dann die ersten Arbeiten, erinnert sich Köhler. "Dann wurde das Skalpell angesetzt." Als erstes kümmerte man sich um den Chor- und Altarbereich. Es folgte das südliche Querschiff. Schon dafür zeigte sich Wellmer verantwortlich.

Beim nördlichen Querschiff handelt es sich nun um den dritten Bauabschnitt, der ungefähr 120000 Euro inklusive Beleuchtung und kleinerer Ausbesserungsarbeiten kostet, teilt der Kirchenvorstand mit. Weitere Arbeiten am Mittel- und den Seitenschiffen sollen im vierten und fünften Bauabschnitt folgen. Ziel der Restaurierung ist es, die Stiftskirche im alten Glanz der Neoromanik (Ende des 19. Jahrhunderts) wiederherzustellen. "Bis zur Restaurierung des Orgelbereichs - inklusive Orgel. Das ist der Höhepunkt", blickt Pastor Köhler in die Zukunft.

"Wir kümmern uns um die Freilegung der einzelnen Motive", sagt Restaurator Dietrich Wellmer, während er die "Verkündigung Mariens" in der zweiten Etage des Gerüsts mit dem Skalpell bearbeitet. "Dabei handelt es sich um die sogenannte Verkündigungsszene. Der Engel teilt Maria mit, dass sie ein Kind bekommt." Der Putz werde dabei allerdings nicht entfernt, hält der Restaurator fest, lediglich die Übermalung werde abgenommen. Auf die Freilegung folgt die Retusche, wie es der Fachmann nennt. "Wir lassen das Original wie es ist und bessern Fehlstellen aus." Bei der Arbeit ist Wellmer nicht allein. Mit dabei ist seine Mitarbeiterin Linda Horn, die ebenfalls als Restauratorin arbeitet. Wellmer hat seinen Sitz in Himbergen bei Bad Bevensen (Landkreis Uelzen). Neben der Freilegung und der Retuschierung der "Verkündigung Mariens" steht außerdem die Bearbeitung kleinerer Motive an. Teilweise muss auch rekonstruiert, das heißt nachgemalt werden.

In etwa sechs Wochen soll das Gröbste erledigt sein, blickt Wellmer in die unmittelbare Zukunft. "Wir hoffen, dass wir bis Ostern das große Gerüst abgebaut haben." Danach stünden aber noch kleinere Arbeiten an. Nächste Woche bekommt er Unterstützung. Dann beginnen nämlich die Malerarbeiten, lässt der Restaurator aus Himbergen wissen.

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