Zukunftswerkstatt stellt kleinen Behälter für Informationen im Notfall vor / Vortrag im Kompetenzzentrum

Rettung aus der Dose

Landkreis Diepholz. Jeder sollte sie im Haus haben, findet Rita Wegg. Die Vorsitzende der Zukunftswerkstatt Gesundheit und Pflege im Landkreis Diepholz möchte die Notfalldose bekannter machen.
16.07.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Rettung aus der Dose
Von Claudia Ihmels
Rettung aus der Dose

Rita Wegg ist von dem Prinzip der Notfalldose begeistert. Die Vorsitzende der Zukunftswerkstatt möchte deshalb, dass die kleinen Behälter künftig in vielen Haushalten zu finden sind.

Janina Rahn

Landkreis Diepholz. Jeder sollte sie im Haus haben, findet Rita Wegg. Die Vorsitzende der Zukunftswerkstatt Gesundheit und Pflege im Landkreis Diepholz möchte die Notfalldose bekannter machen. Mit einfachen Mitteln könnten sich Retter so im Notfall einen Überblick über den Patienten verschaffen – wenn der selbst keine Auskunft mehr geben kann. Wegg hat deshalb Nico Volbert, der die Notfalldose vertreibt, zu einem Vortrag ins Kompetenzzentrum Barrierefreies Wohnen in Syke eingeladen. Termin ist Montag, 8. August, ab 18 Uhr.

Es ist nur ein Beispiel: Ein älterer Mann bricht in seinem Wohnzimmer zusammen. Er schafft es noch so gerade, den Notruf zu wählen. Als die Rettungssanitäter und der Notarzt bei ihm eintreffen, ist er aber nicht mehr ansprechbar. Natürlich tun die Retter alles, um dem Patienten zu helfen, doch dabei fehlen ihnen wichtige Informationen. Nimmt der Mann Medikamente? Unter welchen Krankheiten leidet er eventuell? Was soll im Notfall passieren, wer soll benachrichtigt werden?

Früher hätten in Situationen, in denen schnelle Hilfe nötig war, meist Eltern, Kinder oder andere Angehörige zur Stelle sein können, um Auskunft zu geben. „Das familiäre Zusammenleben hat sich jedoch verändert“, sagt Rita Wegg. Es gebe immer weniger Haushalte, in denen mehrere Generationen unter einem Dach leben. „Dennoch haben immer mehr Menschen zu Hause einen Notfall- und Impfpass, Medikamentenplan oder eine Patientenverfügung. Nur ist es für die Retter meist unmöglich herauszufinden, wo diese Notfalldaten in der Wohnung aufbewahrt werden“, schildert Rita Wegg das Problem. Ein einheitlicher Platz muss her, und das ist im Fall der Notfalldose die Kühlschranktür. Die Idee stammt laut Wegg aus Großbritannien.

Nico Volbert hat diese Idee aufgegriffen und die Notfalldose im grün-weißen Design entwickelt. Der Bremer beschäftigt sich nach Angaben von Rita Wegg seit 18 Jahren mit Notfallmanagement. „Verständlicherweise gelingt es nicht vielen, in einer Notlage hilfreiche Angaben zum Gesundheitszustand oder zu Vorerkrankungen zu machen. Auch kann es sein, dass in einer solchen Stress-Situation ein wichtiges Detail, wie eine Allergie oder ein blutverdünnendes Medikament vergessen wird zu erwähnen“, sagt Volbert.

Das Prinzip der Dose ist dabei einfach und kommt ohne jegliche Technik aus. In der Dose befindet sich ein Faltblatt, auf dem die wichtigsten Informationen eingetragen werden können. Neben den persönlichen Daten sind das eventuelle Allergien und Unverträglichkeiten, Krankheiten und Therapien, der Aufbewahrungsort der Patientenverfügung und wichtige Kontaktdaten, beispielsweise Telefonnummern von Angehörigen. Auch an das Haustier, das eventuell versorgt werden muss, wenn Herrchen oder Frauchen ins Krankenhaus muss, wurde gedacht. Der Besitzer stellt die Dose in die Kühlschranktür und platziert außerdem zwei mitgelieferte Aufkleber jeweils außen am Kühlschrank und auf der Innenseite der Eingangstür. So wissen die Retter gleich, wo sie nach den vielleicht lebensrettenden Informationen schauen können.

Bei dem Vortrag am 8. August wird Volbert aber nicht nur auf die Notfalldose eingehen, sondern auch auf Notrufsysteme allgemein, kündigt Rita Wegg an. Ein Hausnotruf komme zum Beispiel für Menschen in Frage, die noch lange zu Hause wohnen bleiben wollen, deren Lebenssituation aber mehr Sicherheit erfordere als früher und die unsicher sind, wenn sie alleine an die Wohnungstür gehen. Und natürlich würden sich diese Systeme vor allem an diejenigen richten, die bei einem Notfall rund um die Uhr Hilfe haben möchten, führt Rita Wegg weiter aus.

Der Vortrag findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Barrierefreies Wohnen & Leben“ statt. Der Veranstaltungsort, das Kompetenzzentrum Barrierefreies Wohnen, ist in den Berufsbildenden Schulen in Syke (Grevenweg 8, Gebäude C, Raum 209) zu finden. Anmeldungen für den kostenlosen Vortrag nimmt Rita Wegg bis Dienstag, 2. August, unter der Telefonnummer 0 42 03 / 78 77 00 und per E-Mail an rita.wegg@gmx.de entgegen. Im Kompetenzzentrum gibt es übrigens auch die Notfalldose zu kaufen. Sie kostet fünf Euro.

„Das familiäre Zusammenleben hat sich verändert." Rita Wegg
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