Fußball Ristedt als Mekka für Fußballfans

Der Württemberg-Cup ist Kult. Jetzt feiert das Fußballturnier seinen 20. Geburtstag.
07.07.2019, 18:01
Lesedauer: 5 Min
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Von Thorin Mentrup

Zur Zeit der Jahrtausendwende hatte Bernd Schebitz einen Plan: Der erste Vorsitzende des Fußballförderkreises Grün-Weiß ‘92 Ristedt wollte eine neue Einnahmequelle abseits von Bandenwerbung und Mitgliedsbeiträgen erschließen. Aber wie? Ein Turnier war die Lösung. Schebitz war erfahren, kannte er doch aus Nordwohlder Zeiten noch den Net-Cup. Nun wollte er ein Turnier ins beschauliche Ristedt holen. Es fehlte aber noch ein Sponsor. Doch auch da hatte der findige Fußballer einen Plan: Dieser hieß Mirko Henze. Beide kannten sich damals schon seit Jahren. „Ich habe ihn einfach mal auf einer Fete angesprochen“, erinnert sich Schebitz zurück. Und Henze, Inhaber einer Versicherungsagentur, sagte nur: „Na klar, ich mach das.“ Das war die Geburtsstunde des Württemberg-Cups, der ab diesem Montag seinen 20. Geburtstag feiert. Die Veranstaltung, die um 18.45 Uhr mit der Partie zwischen dem TSV Okel und dem TuS Sulingen eröffnet wird, ist aus dem Fußballleben der Region nicht mehr wegzudenken. Der Württemberg-Cup ist Kult.

Dass das Turnier der Renner werden würde, „das hatten wir damals alle nicht erwartet“, sagt Henry Stöver. Mittlerweile ist er Vorsitzender des Fußballförderkreises. Als im Juli 2000 zum ersten Mal der Ball beim Württemberg-Cup rollte, spielten er und Michael Rauert, die Stimme des Turniers, selbst noch in Ristedt Fußball. „Ich habe damals noch im Trikot die Aufstellungen vorgelesen und bin dann schnell auf den Platz gelaufen“, erinnert sich Rauert zurück. Schon die Premiere kam gut an. Die Idee, acht Mannschaften aus dem Bremer Raum und aus dem Kreis Diepholz gegeneinander antreten zu lassen, stieß auf enorme Gegenliebe. „Das war für alle sehr attraktiv, weil sie sonst wenig miteinander zu tun haben“, blickt Stöver zurück. Diese Idee zieht noch heute, fast 7000 Tage nach dem ersten Turnierspiel überhaupt zwischen dem Habenhauser FV und dem FC Sulingen.

SC Weyhe das Zugpferd

Beide Vereine haben ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern des Turniers, bei dessen Premiere außerdem der TSV Ristedt, der SC Twistringen, der TuS Syke, der Brinkumer SV, der TSV Melchiorshausen und der SC Weyhe aufliefen. Besonders der SC war ein Zugpferd, Mäzen Herbert Saathoff, der später auch den Rekordsieger Bremer SV unterstützte, war ein Fan der ersten Stunde. Der Spediteur, der im Jahr 2017 verstarb, „hat uns sehr geholfen“, erklärt Schebitz. „Es ist auch sein Verdienst, dass wir hier immer noch sitzen.“ Saathoff nahm das Turnier ernst, wollte sich zunächst mit Weyhe, dann mit dem BSV keine Blöße geben. Vier der ersten fünf Turnierauflagen gewannen die Weyher, danach nie wieder. Doch dafür sprang Bremen in die Bresche.

In Windeseile entwickelte sich das Turnier zu einem Renner. So schnell sogar, dass alsbald der Entschluss fiel, aus dem Raum Niedersachsen nur noch Teams ab der Bezirksliga und aus dem Bremer Verband nur noch Mannschaften ab der Landesliga zuzulassen. Damit war Ristedt selbst ausgeschlossen, der Klub aus dem eigenen Dorf nur noch Zuschauer. „Alles ist professioneller geworden“, sagt Schebitz. Das gilt für das Teilnehmerfeld, das das Turnier ernster nimmt als je zuvor. Pleiten wie Twistringens 1:9 gegen Weyhe im Jahr 2001 gibt es nicht mehr. Torreich kann es aber trotzdem zugehen. Das zeigte das Jahr 2013, als sich Brinkum und Sulingen im Endspiel 5:5 trennten. Brinkum führte 2:0, lag 2:5 hinten, glich noch aus und gewann dann im Elfmeterschießen. „Das war das Finale der Finals“, gerät Stöver noch heute ins Schwärmen.

Doch auch das Organisationsteam und die Rahmenbedingungen sind mit der Veranstaltung gewachsen. Der Württemberg-Cup besteht aus vielen Helfern, rund 20 sind heutzutage im Einsatz, wenn der Ball rollt. Zu den Helfern in vorderster Front gehören laut Stöver allein vom Förderkreis noch Heinfried Hoops und seine Frau Sonja, Günter Schlottmann und Thomas Hiersig. „Ihr Beitrag ist unheimlich groß. Sie sind ein tolles Team, das eine großartige Arbeit leistet“, weiß der Förderkreis-Chef, dass der Cup ein Gemeinschaftsprojekt ist.

Prominente Gäste

Diese Gemeinschaft ist perfekt eingespielt und hat das Turnier zukunftsfähig gemacht. Besonders zu Beginn machte das Wetter dem Cup einige Male einen Strich durch die Rechnung. Ein Spiel musste sogar in Gessel stattfinden. „Das ging zum Glück, weil wir gerade zu Ristedt-Gessel fusioniert waren“, erinnert sich Rauert. Heute wäre das nicht mehr nötig: Mittlerweile gibt es Ausweichtage. „Die tun uns allen auch ganz gut“, lacht er. Das Turnier dauert nicht mehr nur sieben Tage wie zu Beginn, sondern zwölf. Die Anzahl der Spieltage hat sich aber nicht verändert. Was auffällt: Sonnabends und sonntags ruht nun der Ball. „Da kommen weniger Besucher, gerade wenn das Wetter gut ist“, erklärt Henze. Also hat sich das Organisationsteam angepasst und bietet mittlerweile mehr als nur Fußball. Die Tombola mit mehr als 700 Preisen, für die Günter Schlottmann verantwortlich zeichnet, ist ein Lockmittel, darüber hinaus statten immer wieder prominente Gäste dem Turnier einen Besuch ab: Thomas Schaaf war mehrfach da, der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann leitete mehrere Finalspiele. Im Jahr 2012 pfiff er im Mai zunächst das DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München und pfiff rund zwei Monate später das Turnier-Endspiel zwischen dem Bremer SV und dem Brinkumer SV. Vom großen Berlin ins kleine Ristedt. Das macht wirklich nur der Württemberg-Cup möglich.

Viel möglich macht er auch für den eigenen Verein. Der TSV profitiert enorm von der emsigen Arbeit des Förderkreises. Es ist nicht untertrieben, wenn die Organisatoren feststellen, dass die Sportanlage nicht so aussehen würde, wenn es den Württemberg-Cup nicht geben würde. Ein ordentliches Vereinsheim und Buden für die Verpflegung finden die Gäste vor, eine Plexiglasscheibe im Maschendrahtzaun sorgt für gute Sicht hinter dem Tor, die Anlage ist barrierefrei. Für die Kicker haben die Organisatoren eine weitere Vision: eine Bewässerungsanlage für den Platz ist bereits in Planung. „Dann wird es hier noch ein bisschen besser“, weiß Schebitz, dass das dem gesamten TSV zugute kommt. „Es ist schon toll, wenn man sieht, dass man dem Verein etwas hinterlassen kann“, wird er fast schon ein bisschen rührselig.

Derbys das Salz in der Suppe

Dass auch in diesem Jahr an den sieben Abenden wieder rund 2000 Zuschauer auf den Platz strömen und die besondere Atmosphäre auf dem kleinen Gelände genießen werden, liegt daran, dass die Organisatoren die richtige Mischung für ihr Turnier gefunden haben. Es braucht keine Regionalligisten für noch mehr Strahlkraft. „Das hätte vielleicht einmal seinen Reiz“, glaubt Henze und erhält Zustimmung von Schebitz: „Danach würde das Interesse sicher weniger werden.“ Beim Württemberg-Cup geht es um etwas anderes: „Die Zuschauer wollen Derbys sehen – und die bekommen sie bei uns“, erklärt Rauert, warum das Turnier seinen Reiz nicht verliert und Ristedt zu einem Mekka für die Fußballfans der Region macht. „Viele treffen sich wirklich nur einmal im Jahr – und das hier bei uns“, sagt Schebitz stolz, während Stöver feststellt: „Für manche sind die Spiele gar nicht so wichtig.“ Der Sport bildet das perfekte Rahmenprogramm für das im Kreis Diepholz einzigartige Stelldichein. „Kopieren kann man das nicht“, ist Henze überzeugt. Der Württemberg-Cup und Ristedt – das gehört für die Organisatoren zusammen. Das werden sie auch bei der sportlichen Geburtstagsfeier beweisen.

Weitere Informationen

Gruppe A

Montag, 8. Juli

18.45 Uhr: TSV Okel - TuS Sulingen

20.15 Uhr: TSV Melchiorshausen - TV Stuhr

Donnerstag, 11. Juli

18.45 Uhr: TV Stuhr - TSV Okel

20.15 Uhr: TuS Sulingen - TSV Melchiorshausen

Montag, 15. Juli

18.45 Uhr: TSV Melchiorshausen - TSV Okel

20.15 Uhr: TuS Sulingen - TV Stuhr

Gruppe B

Dienstag, 9. Juli

18.45 Uhr: Bremer SV - TuS Sudweyhe

20.15 Uhr: Brinkumer SV - SV Heiligenfelde

Freitag, 12. Juli

18.45 Uhr: SV Heiligenfelde - TuS Sudweyhe

20.15 Uhr: Bremer SV - Brinkumer SV

Dienstag, 16. Juli

18.45 Uhr: Brinkumer SV - TuS Sudweyhe

20.15 Uhr: Bremer SV - SV Heiligenfelde

Finalrunde

Freitag, 19. Juli

Spiel um Platz 3

18.30 Uhr: Zweiter Gruppe A - Zweiter Gruppe B

Endspiel

20 Uhr: Erster Gruppe A - Erster Gruppe B

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