Indre Busar stellt ihre bizarren Figuren bald wieder an der Schlachte aus / Im Mittelalter fühlt sie sich zu Hause Rosmarinwurzel trifft Korkeichenrinde

Mit 17 ist sie von zu Hause abgehauen, hat lange in Portugal gelebt. In einem Haus ohne Strom und Wasser. Im Land der Korkeichen hat Indre Busar aus Nordholz entdeckt, wie sich Baumstämme, Baumrinden
27.10.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Mit 17 ist sie von zu Hause abgehauen, hat lange in Portugal gelebt. In einem Haus ohne Strom und Wasser. Im Land der Korkeichen hat Indre Busar aus Nordholz entdeckt, wie sich Baumstämme, Baumrinden

Nordholz. Ob Strandgut, das die Ozeanwellen von Afrika nach Portugal angeschwemmt haben, oder Brennholz für den heimischen Ofen – die Nordholzer Künstlerin und Puppenspielerin Indre Busar verwertet einfach alles. Alte Bretter, Wrackteile, Steineichenholz und überirdische Rosmarinwurzeln finden sich auf ihrem Künstlerhof. Wie der Feuerdrache, ein Gebilde, das der Steineichenwurzel entsprungen ist. "Habe ich auf der Durchreise in Spanien aufgelesen", erzählt die Frau mit dem eher unkonventionellen Lebensstil.

"Mein Spitzname war immer Fossil. Schon in der Schule", erzählt Indre Busar. Sie habe schon früh gespürt, dass sie anders sei, anders als alle anderen. In ihrer Heimat, dem Westerwald, wurde es ihr schnell zu eng. Unter anderem weil sie die Menschen dort schief angeguckt hätten, wenn sie barfuß in die Schule gegangen sei. Über Portugal führte ihr Weg also in die Mittelweserregion. Eine Region, in der ein Fossil wie sie gut hineinpasse. "Die Menschen hier sind unglaublich offen", schwärmt Indre Busar von ihren neuen Nachbarn.

Auf ihrem Bauernhof tummeln sich neben Hund, Katze und drei Hühnern auch ein halbes Dutzend Meerschweinchen. Tochter Fredda, der Name setzt sich aus den bekannten Vornamen Frieda und Edda zusammen, fühlt sich dort pudelwohl.

Mit ihren Kunstwerken, einer Mischung aus Baumwurzeln und Ästen, ist sie gern gesehener Gast auf den Mittelalter-Märkten Norddeutschlands. Egal ob beim Katharinenmarkt in der Grafenstadt Hoya, dem Kulturellen Wellenschlag im Flecken Bücken, in Vechta oder Rotenburg – als Mitglied des Vereins Fogelvrei tingelt sie gern mit dem Bus durch die Lande. Ab Ende November verkauft Indre Busar ihre Freibeuter-Souvenirs wieder direkt am Weserstrand, beim Weihnachtszauber an der Schlachte. Hölzerne Bonbongläserverschlüsse befinden sich ebenfalls in ihrem kreativen Sortiment. "In diese Flasche kommen Wattwürmer, in die andere Rumtatakugeln", präsentiert sie die gläsernen Gefäße mit den dekorativen Verschlüssen.

Doch wie entstehen Indre Busars bizarre Figuren? Zuerst sammle sie Wurzeln, Holz und Rinde, befreie diese anschließend mit einer großen Bürste vom lästigen Unrat. In ihrer "Hexenküche" mischt sie dann Holzmehl, Kleister, Leim und Wasser – eine magische Masse, die erst trocknen muss, bevor sie geschliffen, grundiert und letztendlich natürlich auch bemalt wird. Die für ihre Figuren typischen Puppenaugen beziehe sie von einem Glasbläser aus dem Harz. Welches markante Antlitz sie den Ästen und Baumwurzeln verleiht, entscheidet die Nordholzerin meist ganz spontan. Am Anfang war der Klecks. "Es entsteht dann, was entstehen will", folgt sie beim Modellieren dem Prinzip der Ausdrucksmalerei, einer Maltechnik, die sich aus dem Gefühl, der Intuition, dem inneren Befinden heraus speist. Ihre Figuren tragen dann so klangvolle Namen wie Zu Spete, also welcher stets das Mittagessen verpasst. Jede Figur erzähle ihre eigene Geschichte, entführt Indre Busar den Betrachter in die geheimnisvolle Welt der Nordischen Sagen und Mythen. "Das ist ein Glücksklabautermann. Den habe ich gemacht", präsentiert Fredda (8) stolz ihre erste Eigenkreation.

"In deutschem Holz ist ja gern mal der Wurm drin", streicht Busar mit den Fingern über ein Stück Korkeichenrinde. Eine Erinnerung an ihre alte Heimat Portugal. "Im Südwesten Europas wächst sogar Heidekraut, die Erika", hält Busar eine Wurzel in der Hand. Verspürt sie Sehnsucht nach Meer, steigt sie einfach in den Bus, sammelt an lauschigen Plätzen das, was die Natur für sie bereit hält.

Rosmarinwurzel trifft Korkeichenrinde

Indre Busar stellt ihre bizarren Figuren bald wieder an der Schlachte aus / Im Mittelalter fühlt sie sich zu Hause

Zitat:

"Im deutschen Holz

ist ja öfter mal

der Wurm drin."

Indre Busar

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