Jazz Folk Klassik

Samba, Tango, Jazz und Klassik

Das Auftaktkonzert der Konzertreihe von Jazz Folk Klassik begeisterte das Publikum. Das Kammerjazz-Kollektiv vereinte Klassik, Jazz und lateinamerikanische Klänge zu einem herausragenden Hörerlebnis.
16.09.2019, 08:36
Lesedauer: 2 Min
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Von Dorit Schlemermeyer
Samba, Tango, Jazz und Klassik

Das Kammerjazz-Kollektiv eroberte mit seiner Virtuosität und Kreativität die Herzen der Zuschauer in Syke.

Vasil Dinev

Syke. Das Schöne an Musik ist, dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Diese Erfahrung machten auch die Zuhörer beim Konzert des Kammerjazz-Kollektivs im Konzertsaal der Kreissparkasse. Klassische Musik, Jazz und als Dreingabe lateinamerikanische Rhythmen hatten mit dem Kollektiv am Sonnabendabend Premiere. Dank der Verpflichtung durch Jazz Folk Klassik kamen die Zuhörer zu einem ganz außergewöhnlichen Konzert, einem beeindruckenden Crossover gleich dreier großer Musiktraditionen. Komponiert und arrangiert von Daniel Stawinski aus Berlin, der das Projekt initiiert hat und dem es gelungen ist dafür auch noch hervorragende Musiker zu gewinnen.

Mit Stawinski selbst kamen die Zuhörer in den Genuss eines virtuosen Pianisten. Darüber hinaus konnten sie sich auch über ganz ungewöhnliche Klänge der Streicher freuen: Susanne Paul am Violoncello, Heloise Lefebvre an der Violine und Sebastian Preszko an der Bratsche benutzten nicht nur ihre Bögen, sondern ihre Instrumente auch als Percussion. Mit dem temperamentvollen Tanz „Que danza es esa“ zum Auftakt legten sie aber nicht nur die spielerischen Qualitäten des Quartetts eindrucksvoll dar. Es zeigten sich ebenso die kompositorischen Meisterleistungen von Daniel Stawinski, der fortan auch durch das Programm führte. Als nächstes kündigte er eine „Dunkle Reise“ an, die mit seinen Pianoklängen begann, um dann mit dem Cello von Paul in einen wunderbar melancholischen Dialog zu treten, gefolgt von den anderen Streichern.

Bei aller Melancholie ging trotzdem niemals die Energie verloren, die das Quartett den ganzen Abend ausstrahlte, allen voran Pianist Stawinski. „Eine Stelle wird sich wiederholen, deshalb heißt das Stück 'Continuum'", weihte er das Publikum in seine Gedanken beim Komponieren ein.

Aber das Quartett widmete sich nicht nur den Eigenkompositionen Stawinskis, sondern auch Weltklassikern wie der Händelschen Wassermusik, die dank Stawinski eine wunderbare Verbindung von barocken Klängen mit modernen Jazzarrangements einging. Perlende Klavierläufe und Pizzicato der Streicher eröffneten das nächste Stück: „Na ja de“, einer weiteren Eigenkomposition, dem fließenden Wasser gewidmet. Mit Cato folgte dann das Titelstück der CD. „Cato“, der Gesang, wunderbar interpretiert durch die Streicher, die bei den Zuschauern den Eindruck entstehen ließen, Gesang zu hören. Fado gepaart mit Tango.

Und wer dem Charme und der Virtuosität des Quartetts bis dahin noch nicht erlegen war, den erwischte es spätestens beim letzten Stück vor der Pause: „El Cumbanchero“ vom großen Rafale Hernandez Marin, aber in ganz neuer Klangdynamik, die beeindruckte. Die Vorfreude der Zuhörer auf die zweite Hälfte war damit gesichert.

Diese begann mit einer Komposition über eine Winterlandschaft, die dank ihrer Ausdruckskraft und Kreativität opulente Züge annahm. Sie schlug den Bogen zwischen der großen Schicksalsmelodie zum fröhlichen Schneevergnügen. Und direkt aus dem Winter ging es ins warme Brasilien mit Guararmiranga und einem Sambarhythmus, der zum Tanzen animierte. Vor 100 Jahren geboren wäre heute wohl kein Karneval ohne ihn möglich. Von da ging es weiter zur Barockzeit und Bachs „Wohltemperiertem Klavier“, Prelude und Fuge in E-Moll. Für die virtuosen Musiker kein Problem. Dabei sei es nicht so einfach Bach zu verjazzen und dabei nicht in den Swing zu verfallen, ließ Stawinski wissen. Mit seinem Quartett lieferte er dann eine beeindruckende Hommage an Bach ab, die das Publikum mitriss. Damit war es bestens vorbereitet für das vorerst letzte Stück an diesem Abend, das für Milonga-Atmosphäre sorgte: Ingrids Tango. Das Publikum war so hingerissen, dass die Musiker nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen konnten. Und La Habanera aus Carmen war das letzte Highlight eines mitreißenden Konzerts.

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