Bund deutscher Pfadfinder und Landkreis Diepholz laden zu Fortbildung / Lediglich acht Teilnehmer Sexuelle Gewalt in der Jugendarbeit

Von Karin Neukirchen-Stratmann
23.04.2012, 05:00
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Von Karin Neukirchen-Stratmann

Bruchhausen-Vilsen·Landkreis Diepholz. Vor dem Hintergrund der jüngsten Fälle von sexuellem Missbrauch bei den Christlichen Pfadfindern und am Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen (wir berichteten) hat sich die Jugendarbeit nicht nur vor Ort, sondern im ganzen Landkreis Diepholz in vielen Bereichen verändert. Ein wichtiger Aspekt ist das Thema Prävention in der Ausbildung von Jugendgruppenleitern sowie die Fortbildung von Inhabern der Jugendleitercard (Juleica) zum Thema.

Eine solche Fortbildung hat jüngst im Brokser Jugendhaus am Marktplatz stattgefunden. Von den rund 600 angeschriebenen Juleica-Inhabern des Landkreises Diepholz waren lediglich acht zum Seminar erschienen. "Natürlich sind wir mit der Teilnehmerzahl nicht zufrieden", erklärte Mitorganisator Pitt Brandstädter vom Bund der Pfadfinder (BdP) Bruchhausen-Vilsen. Mit dem Seminar wollte Brandstädter Hilfestellungen leisten. "Wir wollen, dass das Thema Missbrauch kein Tabuthema ist, sondern so normal wie die Planung einer Gruppenstunde." Beim Fachdienst Jugend des Landkreises Diepholz traf die Idee für ein Seminar auf Zustimmung. Die Organisation erfolgte in Zusammenarbeit. Der Kreisjugendpfleger Wilhelm Linten war ebenfalls in Bruchhausen-Vilsen zur Stelle.

"Sexuelle Gewalt in der Jugendarbeit - Problemlösungsstrategien" - so lautete der Titel der Veranstaltung, die von der Pädagogikstudentin Sina Schütze geleitet wurde. Neben dem Studium ist sie beim Bund deutscher Pfadfinder im Arbeitskreis Intakt tätig. Intakt ist eine Initiative gegen sexualisierte Gewalt im BdP, erklärte die 25-Jährige. Seit 2001 beschäftigt sich der BdP mit der Thematik intensiv. Am Sonnabend vermittelte Sina Schütze den Kursteilnehmern Inhalte wie Begriffserklärungen, Folgen und Signale sexueller Gewalt, einen Handlungsleitfaden sowie Ansätze zur Prävention. Ein Themenblock waren die zehn Gebote des Landesjugendringes Niedersachsen beim Umgang mit Verdachtsfällen. Sina Schütze hatte diese einzeln auf kleine Zettel geschrieben und ließ sie von den Teilnehmern vorlesen, anschließend wurde erläutert. Paragraf 1 lautete: "Ruhe bewahren, keine überstürzten Reaktionen". "Dazu kann auch ich euch nur raten", erklärte die Pädagogikstudentin. Weitere Punkte waren "Rat

von Fachleuten einholen", "dem Opfer unbedingt glauben", "keine Angebote machen, die nicht erfüllbar sind".

Während des Seminars konnten die Teilnehmer in Rollenspielen und gemeinsamen Gesprächen verschiedene Situationen in der Jugendarbeit durchspielen. Für Oliver Stellmann vom TSV Süstedt war die Teilnahme an der Fortbildung nach den Vorfällen in Bruchhausen-Vilsen klar. "Ich will mich selber vorbereiten für den Fall, dass ich mit der Thematik einmal konfrontiert werde. Dann wollen wir als Verein eine klare Linie vertreten, was dieses Thema betrifft, und dies auch den Eltern kommunizieren." Selber hat er seit über zehn Jahren eine Jugendleitercard. "Dieses Thema war immer weit weg", sagte er.

Auch Andrea Steinbeck von der Jugendfeuerwehr Kirchweyhe nahm an dem Angebot teil. Sie war mit zwei weiteren Kollegen aus der Jugendfeuerwehr ins Brokser Jugendhaus gekommen. "Wir wollen hier Präsenz zeigen, auch den Eltern unserer Mitglieder und unserer Verwaltung gegenüber. Falls so etwas mal auf uns zukommt, wollen wir vorbereitet sein."

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