Elke und Wolfgang Kaeding eröffnen am Ostersonntag in Okel das Nostalgie-Museum Syke

Sie haben viel vor

Syke-Okel. Wolfgang Kaeding pustet tief durch. „Ich bin doch schon ziemlich fertig“, sagt er.
15.04.2017, 00:00
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Von Micha Bustian
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Schmuckstücke: Den Citroen haben Elke und Wolfgang Kaeding von der Kreissparkasse bekommen. Aber sie haben nicht nur Oldtimer auf vier Rädern zu bieten, auch alte Motor- und Fahrräder. Alles ab morgen zu sehen.

Janina Rahn

Syke-Okel. Wolfgang Kaeding pustet tief durch. „Ich bin doch schon ziemlich fertig“, sagt er. Beim Blick an ihm vorbei wird klar, was den Okeler so fertig gemacht hat. Hinter ihm, im Saal des ehemaligen Gasthauses Winkelmann in Okel, stehen Oldtimer. Ein Isetta-Kabinenroller, ein Borgward, ein Solo mit Panzersteuerung, ein Lloyd mit verlängerter Karosserie und ein Amphicar. „Etwas ganz Besonderes“, strahlt Wolfgang Kaeding. „Davon wurden nur 3800 Stück gebaut.“ Doch das Glanzstück steht fast etwas verschüchtert im Hintergrund: Ein Citroën aus dem Jahre 1928, eine Dauer-Leihgabe der Syker Kreissparkasse. Wer ihn gerne genauer inspizieren möchte, sollte sich am morgigen Sonntag auf den Weg nach Okel machen. Denn dort eröffnet das Nostalgie-Museum Syke, das Elke und Wolfgang Kaeding in monatelanger Kleinarbeit aufgebaut haben.

Das alte Gasthaus Winkelmann – der Höker, wie es im Ort liebevoll genannt wurde – ist bereits seit sieben Jahren geschlossen. Seit das Wirte-Ehepaar Margret und Bruno Winkelmann 2010 in den Ruhestand gegangen ist, scheiterte jeder Reanimationsversuch. Bis die Kaedings über ihren Hund Kally den neuen Besitzer kennenlernten. „Er ist uns sehr entgegengekommen“, erzählt Wolfgang Kaeding. Und so fanden sie doch noch ein Domizil für ältere Autos, die sie eigentlich in Asendorf ausstellen wollten. Dort war die Kooperation gescheitert. Ein Glücksfall, finden die beiden im Nachhinein. So müssen sie nicht lange über die fast immer volle, gefährliche Bundesstraße 6 fahren, sondern nur quer über die Okeler Straße schlendern.

Denn Elke und Wolfgang Kaeding wollen präsent sein in ihrem Lebenstraum. Sie wollen nicht nur Oldtimer präsentieren, die sie so sehr lieben. Sie wollen mehr, etwas für das Dorf tun. Eine Okeler Chronik soll in Zusammenarbeit mit dem Syker Stadt-Archivar Hermann Greve aufgebaut werden. Zudem wollen Elke und Wolfgang Kaeding ihre Ausstellung auf den knapp 300 Quadratmetern regelmäßig variieren. Die Fahrzeuge – neben den Autos auch noch zahlreiche Fahrräder und Motorräder – sollen halbjährlich wechseln.

Ebenso die Themen. Eine Eisenbahn-Sonderausstellung ist schon geplant. Auch über das Telefon soll gesprochen werden, denn Wolfgang Kaeding hat bei Siemens gelernt, „dafür haben wir das gesamte Equipment schon da“. Die Entwicklung von Radio und Fernsehen soll dokumentiert und gezeigt werden. Zudem soll es eine Ausstellung über das Fliegen geben, denn Wolfgang Kaeding hat als Flugsicherungstechniker gearbeitet, seine Gattin Elke beim Luftfahrt-Bundesamt.

Jetzt betreibt Elke Kaeding selbstständig eine Werbeagentur. Praktisch für die Öffentlichkeitsarbeit. „Da hätten wir viel mehr machen können“, ärgert sie sich. Aber: Es war zu viel zu tun. „Es musste viel renoviert werden.“ Renoviert und geputzt. Die Fahrzeuge mussten sicher aufgestellt, Vitrinen gekauft und befestigt werden. Seit Februar dieses Jahres sind die Beiden dabei. Sieben Tage die Woche. Bis tief in den Abend hinein. Der eigene Haushalt habe darunter gelitten, die gemeinsame Freizeit auch.„Das war doch ganz schön viel“, seufzt Elke Kaeding.

Doch damit ist es vorbei. Morgen um 13 Uhr gibt es einen kleinen Sektempfang mit geladenen Gästen, eine Stunde später öffnet das Nostalgiemuseum, Okeler Straße 10 in Okel, seine Türen für die Öffentlichkeit. Fünf Stunden ist dann Zeit zum Stöbern. Ein besonderes Programm haben sich die Betreiber nicht ausgedacht. Aber ein wenig gegen Hunger und Durst wird es schon geben. Denn: Das Nostalgie-Museum soll nicht nur Nostalgie-Museum sein, sondern auch ein Treffpunkt für die Menschen aus dem Dorf.

Hinter dem Ausstellungsraum befindet sich nämlich ein Gastraum. Historische Stühle und Tische hat Elke Kaeding über Ebay ersteigert, damit sich das Café ins Gesamtbild einpasst. Sofas wie zu Omas Zeiten stehen darin. Kaffee und Kuchen soll angeboten werden. Dazu ein bisschen Musik und Kunst wie jetzt die Gemälde der jüngst verstorbenen Künstlerin Helga-Christine Leohold. „Alle sollen hierherkommen, und alle sollen sich hier wohlfühlen“, formuliert Elke Kaeding ein ambitioniertes Ziel. Sie wolle nicht über Quartiersmanagement reden, sie findet das Wort gar furchtbar. Sie will einfach machen. Morgen um 14 Uhr geht es los.

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