Philharmonic Rock

Smoke in the Vorwerk

700 Besucher lauschen dem Philharmonic Rock in Syke – es hätten auch 1000 sein können. Doch die Parkplatzsituation machte eine vierstellige Zahl unmöglich.
30.06.2019, 18:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Bödeker

Syke. Rauch überm Rasen und fire in the sky – diese leicht abgewandelte Textzeile von Deep Purple passte gut zum munteren Musikabend im Garten des Syker Vorwerks. Philharmonic Rock mit dem Dirigenten Ulrich Semrau war auf Einladung der Stiftung der Kreissparkasse in den Garten des Vorwerks gekommen und heizte den 700 Gästen so richtig ein. Sänger Jens Wördemann und die Rockmusiker trugen ihren Teil bei zur gelungenen Performance etlicher Rocksongs aus den 1960er- bis 80er-Jahren. Bühnennebel sorgte für den Smoke, die untergehende Sonne und später bunte Scheinwerfer sorgten für das Feuer im Himmel. Das Publikum klatschte zwischendurch und am Ende kräftig.

„Smoke On The Water“ hatte mottostiftend den Abend eröffnet, der nach knapp drei Stunden wenige Minuten vorm Sonntag mit Queens „Don‘t Stop Me Now“ und „Music“ von John Miles endete. Wer es noch nicht wusste, hörte spätestens da, wie monumental und kräftig Violinen klingen können. Allein schon das Mittelstück dieses ewigen Songs war großartig gespielt. Wobei das Attribut für den ganzen Abend galt. Der Klang klang einfach toll, das zauberhafte Zusammenspiel von Bassgitarren und Drums einerseits sowie Geigen und Xylofon andererseits unterstützt von Trompeten funktionierte bestens.

Philharmonic- oder Klassik-Rock sind keine neue Erfindung. Top-Stars wie Peter Gabriel holen sich immer mal wieder ein Sinfonie-Orchester dazu. Die Klassische Sinfonie Nordwest geht diesen Weg seit gut zwei Jahren mit großem Erfolg und wird im Herbst zweimal im Bremer Metropole-Theater auftreten, wie Semrau in der Pause beim kühlen Getränk verriet. Auf der Bühne gab Semrau alles, bewegte sich engagiert, manchmal hüpfend zur Musik. Bei „Highway To Hell“ von AC/DC griff er gar selbst zur E-Gitarre.

Vor gut einem Jahr hatte sich das Orchester vorgenommen, nicht mehr nur Balladen zu interpretieren. Knapp die Hälfte der Stücke im Garten des Vorwerks war eher langsam. Ein gutes Beispiel für internationalen Klassik-Rock ist Aerosmith. Ihr „Don‘t Wanna Miss A Thing“ durfte nicht fehlen. Bei den schmachtenden Tönen passierte gar Seltsames. Da es zu dieser Zeit schon dunkel war, zückten die Besucher ihre Smartphone-Taschenlampen. So weit normal, wie in den großen Arenen eben. Einige Besucher aber sorgten mit – Achtung jetzt – echten Feuerzeugen für schummriges Licht und romantische Atmosphäre. Das war wie die Songs so richtig „Old School“.

Die Besucher übrigens waren größtenteils vor 1970 geboren. Die Musizierenden waren zumeist jünger. So richtig jung war der Chor des Syker Gymnasiums, der bei Pink Floyd und bei „Hey Jude“ von den Beatles für den besonderen Background-Sound sorgte. Den konnte auch das Publikum mitsingen, wobei die Damen nicht nur nach Wördemanns Einschätzung melodisch sicherer waren.

Rund 500 Stühle waren aufgestellt in dem idyllischen Kleinod zwischen Amtmannsteich und Friedeholz. Tatsächlich gab es alteingesessene Syker, die zum ersten Mal in diesem Garten waren. Gut 200 Menschen standen oder saßen auf Decken, das Ganze hatte einen Hauch von Sommer in Lesmona im Bremer Knoops Park. Es hätten noch ein paar Hundert Menschen mehr Platz gefunden, doch Semrau klärte auf: „Wegen der Parkplatzsituation dürften wir nicht mehr Karten verkaufen. Wir hätten locker 1000 loswerden können.“ Na ja, ein paar mehr Zuhörer gab es dann doch – allein schon wegen der Lautstärke. Einige Anwohner hatten sich auf den Hofeinfahrten mit Stühlen bequem gemacht – vielleicht gab es auch dort, wie vor der Bühne, einen kleinen Prosecco. „Ich habe keine Karte mehr bekommen, da mache ich es mir hier gemütlich“, schmunzelte eine Besucherin, die sich ihren Campingstuhl mitgebracht hatte.

Hinter der Hecke, von der großen Bühne aus, wurde bei „A Whiter Shade Of Pale“ von Procul Harum weiter geschmachtet, beim Stones-Medley gerockt oder bei „Sweet Home Alabama“ von Lynyrd Skynyrd getanzt. Mit Udo Lindenbergs „Mein Ding“ gab es einen Song auf Deutsch. Die Zwischenmoderationen waren oft wie die Songs: seit Jahrzehnten bekannt. Aber das blieb eine Petitesse an einem musikalisch und vom Ambiente her begeisternden Abend. Das Ambiente wird auch der Bassumer Konzertmacher Oliver Launer im Publikum interessiert zur Kenntnis genommen haben. Dem Vernehmen nach denkt er auch über Veranstaltungen in Syke nach.

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