Sommerferienprogramm Spielspaß mit dem gewissen Dreh

Frisbee spielen macht Spaß. Das weiß wohl jeder. Beim Sommerferienprogramm in Syke konnte sich der Nachwuchs jetzt besondere Tricks und Tipps von einem Experten geben lassen.
23.08.2021, 15:42
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Spielspaß mit dem gewissen Dreh
Von Sarah Essing

Syke. "So eine Scheibe fliegt besonders gut, wenn sie viele Umdrehungen hat", erklärt Jan Bäss. Er nimmt eine dieser besagten Scheiben in die Hand, wirft sie in die Luft und zeigt den fünf Jungen und vier Mädchen was damit gemeint ist. "Am besten dreht sie sich so schnell, dass man die Schrift vom Aufdruck gar nicht mehr lesen kann." Eifrig macht der Nachwuchs es ihm nach, denn genau dafür sind sie da: um zu lernen, wie man die Frisbee-Scheibe am besten wirft.

Im Zuge des Ferienprogramms in Syke haben sie dabei die Möglichkeit von einem echten Profi zu lernen. Der 48-Jährige Bremer entdeckte bereits als Kind seine Leidenschaft für die fliegenden Scheiben. Er war mehrfacher Meister im Disc-Golf – national und international – und hat über seine Leidenschaft für die runde Wurfscheibe gemeinsam mit Michael Osterhoff und Greg Marter sogar einen Film gedreht: "The Invisible String", ein abendfüllender Dokumentarfilm über die Geschichte der Frisbee.

Davon wissen die jungen Teilnehmer im Hachestadion an diesem sonnigen Morgen allerdings nichts. Dafür erfahren sie zunächst die beiden wichtigsten Wurftechniken. "Die rechte Hand vorstrecken, Scheibe einfach rein", macht er vor, wie der Rückhandwurf vorbereitet wird. Mit ihren eigenen Scheiben machen die Kinder es nach. Und da ja die Anzahl der Umdrehungen für einen weiten Flug wichtig sind, verrät Bäss noch einen Trick. "Wenn ihr den Zeigefinger außen auf den Rand legt, könnt ihr der Scheibe damit noch mehr Schwung geben."

Für den Vorhandwurf muss man dagegen – "wie beim Tennis den Schläger auch" – anders greifen. Zeige- und Mittelfinger kommen ausgestreckt an den inneren Rand der Scheibe bis diese wie ein Hammer in der Hand liegt. Der Bremer geht reihum, verbessert hier und da die Haltung, gibt noch den ein oder anderen Tipp. Auch das bekommen die Kinder gut hin. Nun also zum Schwung. "Der Wurf beginnt im Ellenbogen", macht Bäss die Wurfhaltung vor. Doch bevor die neun Spielerinnen und Spieler selbst ausprobieren können, müssen sie sich warm machen. "Von oben nach unten", weist Jan Bäss sie an. Schließlich werden für die vielfältigen Möglichkeiten des Scheibensports alle Körperpartien in Anspruch genommen. Ganz besonders wichtig sind natürlich die Schultern und – das Handgelenk. "Das ist das A und O, dass das Handgelenk wach ist!"

Anschließend geht es aufs Spielfeld. "Ich will, dass ihr ganz viel ausprobieren könnt", sagt Jan Bäss und zeigt den beiden Linus', Pia, Isaak, Tilda, Leo, Amelie, Julian und Jenny, wie Scheiben-Volleyball funktioniert. Wie bei der Ballsportart ist ein Treffer im gegnerischen Feld das Ziel. Doch anders als bei der Ballvariante fliegen hier zwei Scheiben gleichzeitig. Und das Team, das eine Scheibe gefangen hat, kann diese sogleich zurückwerfen. Ein Spiel, das höchste Aufmerksamkeit erfordert, wie der Nachwuchs bald merkt.

Doch damit nicht genug. Der Bremer hat ein buntes Angebot mitgebracht. "Von allem, was man mit der Frisbee-Scheibe machen kann, ein bisschen", wie er sagt. Und jedes Spiel, das man mit einem Ball spielen kann, kann man auch mit der Wurfscheibe spielen. Zu zweit, zu dritt oder in unterschiedlich großen Teams gegeneinander. Er zeigt dem Nachwuchs wie Disc-Golf funktioniert und hat einen Trickshot-Parcours aufgebaut – eine Spielform, die er gemeinsam mit Andreas Runte selbst entwickelt hat. Dabei geht es wie beim Minigolf darum, mit möglichst wenig Würfen die Aufgaben und Hindernisse zu meistern. Nicht allein Kraft entscheidet über den Erfolg, sondern sie richtige Technik, denn je nach Aufgabe wird die Spielscheibe gerollt, geworfen oder hüpfen gelassen. Ob der Syker Nachwuchs sich nun ebenfalls der runden Scheibe verschreibt, ist ungewiss. Doch an diesem Vormittag hat er auf jeden Fall Spaß gehabt.

Zur Sache

Von Kuchenformen und der Pluto-Platte

Die Geschichte der Frisbee geht zurück bis ans Ende des 19. Jahrhunderts. 1871 wurde in Connectictut (USA) die Frisbie Pie Company gegründet. Wie der Name schon sagt, war sie auf "Pie", auf Kuchen spezialisiert. In sogenannten "Pie-Tins" wurden sie verkauft - und das sehr erfolgreich, wie auf der Homepage der World Flying Disc Federation (WFDF) nachzulesen ist. Auch Studenten der nahegelegenen Yale-Universität mochten die Kuchen. Die Formen hingegen benutzten sie für Wurfspiele. Da der Name der Bäckerei auf den Formen eingestanzt war, nutzten die frühen Werfer das Wort "Frisbie", um andere, unbeteiligte vor der fliegenden Scheibe zu warnen. Das Wort blieb hängen und wurde zum Synonym für allerlei runde, scheibenähnliche Objekte, die hin und her geworfen wurden.

In den 1940er-Jahren begann der Erfinder Fred Morrison zudem, mit verschiedenen Wurfscheiben zu experimentieren. Dabei ließ er sich laut WFDF auch von "fliegenden Untertassen" inspirieren. 1951 brachte er die erste aus Kunststoff auf den Markt, als "Pluto Platter". 1955 kaufte die Spielzeugfirma Wham-O seine Scheiben und benannte sie 1957 in Frisbee um. Seitdem wurden mehr als 100 Millionen von den fliegenden Scheiben weltweit verkauft.

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