Sommerpredigtreihe "Lesezeichen" Lesebegeisterung wird weitergegeben

Bei der Sommerpredigtreihe "Lesezeichen" predigen die Pastoren der evangelisch-lutherischen Kirchen zu ausgewählten Büchern. Zum neunten Mal laden die Gemeinden in Barrien, Heiligenfelde und Syke dazu ein.
23.07.2021, 15:25
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Lesebegeisterung wird weitergegeben
Von Sarah Essing

Syke. Bücher können begeistern, zu Tränen rühren, zum Lachen bringen oder auch wütend machen. Sie beinhalten das bunte Dasein in all seinen Facetten. Einige dieser Facetten greifen sechs Pastoren der Kirchengemeinden Barrien, Heiligenfelde und Syke für ihre Sommerpredigtreihe "Lesezeichen" auf. Christian Kopp, Katja Hedel, Marikje Smid, Katja Hermsmeyer und Superintendent Jörn-Michael Schröder stellen dabei je ein von ihnen ausgewähltes Buch in den Mittelpunkt.

"Diese Reihe ist jedes Mal etwas Besonderes", findet Christian Kopp. "Es ist ein Format, auf das wir uns jedes Mal freuen", bestätigt Katja Hedel und ihre Kollegen nicken bekräftigend. Alle Pastoren seien begeisterte Leser, die diese Begeisterung gerne teilen und weitergeben, verrät Kopp. Und diese Begeisterung stecke an. "Es gibt tatsächlich Menschen, die die angekündigten Bücher vorher lesen", zeigt er sich beeindruckt. Doch schließlich lerne man mit dieser Reihe auch immer etwas kennen, "was man von allein vielleicht nicht ausgewählt hätte", findet Katja Hedel.

Für die "Lesezeichen"-Gottesdienste werden die Gemeinden zu einem Gottesdienst in einer der drei teilnehmenden Kirchengemeinden zusammengelegt. Den Anfang macht Christian Kopp am Sonntag, 25. Juli, um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst zu Axel Hackes "Die Tage, die ich mit Gott verbrachte" in Heiligenfelde. Am Sonntag, 1. August, folgt Katja Hedel mit Carsten Sebastian Henns "Der Buchspazierer" um 9.30 Uhr in Barrien. Marikje Smid predigt am Sonntag, 8. August, ab 11 Uhr zu Fabio Gedas "Ein Sonntag mit Elena" in der Syker Christuskirche und Katja Hermsmeyer am Sonntag, 15. August, ab 9.30 Uhr in Heiligenfelde zu Ewald Arenz' "Alte Sorten". Susanne Heinemeyer stellt am Sonntag, 22. August, in Barrien das Buch "Die Farbe von Glück" von Clara Marie Bagus vor, ehe Superintendent Jörn-Michael Schröder am Sonntag, 29. August, in der Syker Christuskirche den Abschluss mit "Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky macht. Dieser Gottesdienst beginnt erst um 18 Uhr.

In den Gottesdiensten werden Lektoren Abschnitte aus den jeweiligen Büchern vorlesen, auf die sich die Pastoren beziehen. Anschließend werde es coronabedingt allerdings noch kein Kirchencafé geben und auch auf den Büchertisch muss noch verzichtet werden, so Katja Hedel. Ansonsten "sind wir inzwischen ja coronaerprobt", sagt sie mit Blick auf Hygiene- und Abstandsregeln. Und in der Buchhandlung Schüttert in Syke werde eigens für die Reihe ein Tisch mit den ausgewählten Büchern aufgestellt.

Axel Hacke: Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

Wenn einer von einem fremden alten Mann von der Parkbank geschubst wird, auf die eine Sekunde später ein schwerer Glasglobus mit Metallfuß kracht, fängt er an sich zu wundern. War das Absicht, dass der Alte ihn gerettet hat? Und wer ist der Mann mit dem grauen Mantel, der jetzt dauernd auftaucht und Nähe sucht, ganz allgemein zu den Menschen, zum Erzähler aber im Besonderen? Er zieht in Hauswänden Schubladen auf, die vorher nicht da waren und in denen sich Welten verstecken, von denen auch niemand eine Ahnung hatte. Er lässt die steinernen Löwen vor der Feldherrnhalle durch Reifen springen und dirigiert kleine Regenwolken bei heiterstem Himmel herbei und das ist alles nur der Anfang einer Geschichte voll seltsamster Ereignisse. 

Dieser schmale Band, aufgelockert durch Illustrationen von Michael Sowa, erzählt in einer Art Traumreise von einer Begegnung mit einem "ganz anderen Gott", wie Christian Kopp sagt. Er ist menschlich, allzu menschlich und kommt in dieser skurrilen Erzählung "so ganz anders daher als man annimmt."

Sonntag, 25. Juli, 9.30 Uhr, Heiligenfelde, Christian Kopp

Carsten Sebastian Henn: Der Buchspazierer

Es sind besondere Kunden, denen der Buchhändler Carl Christian Kollhoff ihre bestellten Bücher nach Hause bringt, abends nach Geschäftsschluss. Denn diese Menschen sind für ihn fast wie Freunde, und er ist ihre wichtigste Verbindung zur Welt. Als Kollhoff überraschend seine Anstellung verliert, bedarf es der Macht der Bücher und eines neunjährigen Mädchens, damit sie alle, auch Kollhoff selbst, den Mut finden, aufeinander zuzugehen. "Es ist ein Buch über die Liebe zu Büchern", so Katja Hedel. Diese wirke als heilende, unterstützende Kraft bei der Suche nach einer Antwort wie man aus seiner Isolation rauskomme. "Das hat mich angesichts der Corona-Zeit umso mehr bewegt."

Sonntag, 1. August, 9.30 Uhr, Barrien, Katja Hedel

Fabio Geda: Ein Sonntag mit Elena

Einst reiste er als Ingenieur um die Welt und baute riesige Brücken. Nach dem Tod seiner Frau aber ist es still geworden in der Turiner Wohnung am Fluss. Sein Sohn lebt in Finnland, mit der jüngeren Tochter hat er keinen Kontakt, nur die älteste sieht er ab und zu mit ihrer Familie. An einem Sonntag kocht der ältere Mann ein traditionelles Mittagessen für sie. Doch sie sagt kurzfristig ab. Im Park lernt er Elena und ihren Sohn kennen und lädt sie spontan zum Essen zu sich ein. Diese zufällige Begegnung wird alle drei für immer verändern. Die Geschichte erzählt, wie schwer es sei, miteinander in Kontakt zu kommen, verrät Marikje Smid über ihre Auswahl. Die Dialoge zwischen zwei Menschen, die viel hinter sich haben, aber eben auch noch vor sich seien "sehr lebendig, sehr lebensnah". Und so entwickele sich etwas Neues.

Sonntag, 8. August, 11 Uhr, Syke, Marikje Smid

Ewald Arenz: Alte Sorten

Die 17-jährige Sally ist wieder einmal aus einer Klinik für Essgestörte weggelaufen. Ziellos zieht sie durch die unterfränkischen Weinberge. Dort trifft sich auf die ältere Liss, die seit Jahren einen alten Hof allein bewirtschaftet. Liss bietet Sally an, auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen, denn Liss ist anders als andere Erwachsene, stellt Sally fest. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Freundschaft. Langsam öffnen sie sich, lernen, einander zu vertrauen, erzählen einander von Verletzungen und unerfüllten Erwartungen, aber genauso von ihren Hoffnungen und der Fähigkeit, dem eigenen Leben Gestalt zu geben.

Sonntag, 15. August, 9.30 Uhr, Heiligenfelde, Katja Hermsmeyer

Clara Marie Bagus: Die Farbe vom Glück

Eine falsche Entscheidung, die das Leben dreier Familien für immer verändert: Ein Richter zwingt die Krankenschwester Charlotte, sein sterbenskrankes Neugeborenes gegen ein gesundes zu tauschen. Folgt sie seiner Drohung nicht, entzieht er ihr den Pflegesohn. Die Welt aller Beteiligten gerät aus den Fugen, und doch wirkt hinter allem der geheimnisvolle Plan des Lebens. Dieses Buch widme sich den Fragen, wie man im Leben mit Brüchen umgeht, mit Schuld und Schicksalsschlägen und dennoch einen Weg zum Glück findet, sagt Susanne Heinemeyer über ihre Auswahl. Es geht um Zwiespalt und um das Loslassen, "die Ermutigung, immer wieder einen Neuanfang zu wagen."

Sonntag 22. August, 9.30 Uhr, Barrien, Susanne Heinemeyer

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman. Diese anekdotenhafte Erzählung stecke voller warmherziger Beobachtungen über das Erwachsenwerden und die Liebe, sagt Jörn-Michael Schröder über seine Auswahl. Es lebe nicht von einem einzigen Handlungsfaden sondern kreise vielmehr um viele Themen, existenzielle Fragen, die darin verhandelt werden.

Sonntag, 29. August, 18 Uhr, Syke, Jörn-Michael Schröder

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