Tennis

Tennisspieler genießen die neue Freiheit

Beim Tennisverein Syke und beim Barrier TC fliegt die gelbe Filzkugel seit Mittwoch wieder. Die Umkleiden, Duschen und Vereinsgaststätten sind zwar noch geschlossen, aber die Freude am Sport ist geblieben.
06.05.2020, 18:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Tennisspieler genießen die neue Freiheit

Endlich wieder auf dem Platz: TVS-Vorsitzender Lutz Frauenheim.

Thorin Mentrup

Yvonne und Boris Michallik gehören zu den Ersten, die die neue Freiheit genießen. Sie dürfen wieder Tennis spielen. „Endlich“, sagt Boris. Er und seine Partnerin haben um 10 Uhr einen Platz gebucht auf der Anlage des Barrier TC. Gekommen sind sie mit dem Auto, bereits in Sportkleidung. Auch das Flatterband, das den Weg zur Terrasse der Vereinsgaststätte versperrt, unterstreicht das Motto des Neustarts nach der Corona-Zwangspause: Kommen, spielen, gehen. Noch ist nicht die Zeit zum Verweilen. Aber das Spielen selbst ist wieder möglich – und das fühlt sich gut an. „Man lernt seinen Sport mehr zu schätzen“, ahnt Yvonne Michallik, die seit einem Jahr im BTC aktiv ist. „Ich spiele in einer kleinen Damentruppe“, verrät sie. Boris dagegen schlägt für die dritte Herrenmannschaft auf, steht also auch in Punktspielen seinen Mann.

Daran ist momentan aber noch nicht zu denken. „Man muss sich jetzt erst einmal wieder daran gewöhnen, wie es überhaupt ist mit dem Schläger in der Hand“, sagt er und grinst. „Das Ballgefühl ist schon ein bisschen weg.“ Er hat sich vor der Corona-Pause einen Bänderriss zugezogen, konnte der Auszeit sogar etwas abgewinnen: Er konnte regenerieren, ohne etwas zu verpassen. Yvonne dagegen hielt sich unter anderem mit Stabilisationsübungen daheim fit. Tennisspezifisches Training war schwierig.

Frühstarterin: Yvonne Michallik war bereits vormittags auf der Anlage des Barrier TC.

Frühstarterin: Yvonne Michallik war bereits vormittags auf der Anlage des Barrier TC.

Foto: Thorin Mentrup

Umso größer ist die Freude, dass es wieder losgeht. „Wir haben diese Woche beide Urlaub, deshalb haben wir am Dienstagabend auch sofort einen Platz gebucht“, erzählt Boris. Das geht ausschließlich online und nur unter Angabe beider Spieler – diese Offenheit ist in Corona-Zeiten von den Aktiven gefordert. Im Falle einer Infektion sind so die Kontakte genau nachvollziehbar. Boris und Yvonne Michallik sind gemeinsam mit zwei Jugendlichen die ersten Cracks auf der Anlage, auf der fünf Plätze freigegeben sind. „Nachmittags wird es sicher voller“, weiß Yvonne, dass der Heißhunger auf Tennis bei allen BTC-Aktiven groß ist nach Wochen der Untätigkeit. Und sie hat Recht: Der Platz füllt sich.

Angst davor, sich zu infizieren, haben beide nicht. Die Plätze neben ihnen sind ohnehin leer, doch selbst, wenn diese besetzt wären, hätten sie kein Problem damit. „Wir können Abstand wahren, sind draußen an der frischen Luft. Von daher passt das schon“, ist Yvonne entspannt. Doch die Michalliks sind auch vorsichtig: „Wir haben Desinfektionsmittel dabei“, sagt Boris. Den Platz werden sie nach der Stunde Spielzeit, die ihnen das Hygienekonzept des BTC erlaubt, mit Handschuhen abziehen. Doch vorher wollen sie das Spiel genießen, auch wenn nicht jeder Schlag so gut sitzt wie vor der Pause.

Spielfreude in Syke

Das Desinfektionsmittel steht bereit beim TV Syke. Sicherheit und Gesundheit gehen vor.

Das Desinfektionsmittel steht bereit beim TV Syke. Sicherheit und Gesundheit gehen vor.

Foto: Thorin Mentrup

Das spüren auch die Spieler ein paar Kilometer weiter Richtung Süden: Beim TV von 1905 Syke nimmt der Sportbetrieb am Nachmittag so richtig Fahrt auf. „Es ist noch ein bisschen ungewohnt“, sagt etwa Lennardt Schröder, Spieler der ersten Herrenmannschaft, nach seiner Stunde auf dem Platz mit Teamkollege Fabian Tinzmann. Die sieben Plätze sind recht ordentlich gefüllt. Unter den Akteuren ist auch Lutz Frauenheim. Der Vorsitzende des Tennisvereins hat seinen Sport genauso vermisst wie alle anderen Mitglieder auch. Er war in den vergangenen Tagen jedoch auch damit beschäftigt, die Hygieneregeln zu erarbeiten. Ihm zur Seite standen dabei Imke Bünstorf (2. Vorsitzende) und Jan Sievers (Kassenwart). Auch in Syke gilt: Sicherheit und Gesundheit gehen vor. Auf der Toilette finden sich neue Einweg-Papierhandtücher und Desinfektionsmittel.

Der TV ist vorbereitet, auch wenn noch nicht alles perfekt ist: „Auf Spender für das Desinfektionsmittel warten wir noch“, erklärt Frauenheim, der vor allem eines vermisst: das Beisammensein im Vereinsheim mit der großen Terrasse. „Das fehlt natürlich. Aber erst einmal haben alle Riesenlust auf Tennis. Es ist herrlich, wieder hier zu sein“, sagt er, als er zum Schläger greift. Er grinst – und ist damit wahrlich nicht allein auf der Anlage. „Dieses Gefühl haben wir alle vermisst“, weiß er. Kurz und aus sicherer Entfernung verabschiedet er sich noch von Tinzmann und Schröder, die – so wollen es die Hygieneregeln – die Anlage direkt nach ihrer Stunde verlassen. „Wir sehen uns ja jetzt wieder öfter“, sagt Tinzmann. Und man ahnt: Auch Sport auf Abstand macht glücklich.

Brinkum öffnet am Donnerstag

Boris Michallik konnte seine Bänderverletzung in der Pause auskurieren.

Boris Michallik konnte seine Bänderverletzung in der Pause auskurieren.

Foto: Thorin Mentrup

Noch gedulden müssen sich derweil die Tenniscracks des FTSV Jahn Brinkum. Die Abteilung wird ihre Anlagen an diesem Donnerstag wieder öffnen, wie sie auf ihrer Onlinepräsenz mitteilt.

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