Stadtbibliothek Syke

Gemeinsam den Code knacken

Til, Lena, Janina, Luzie und Kira wurden in der Stadtbibliothek in Syke eingesperrt. Na ja, nicht wirklich, aber es gehört zur Geschichte des „Escape Rooms“, dass sie eingeschlossen sind. Und wieder rauskommen.
23.07.2020, 17:15
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Sarah Essing
Gemeinsam den Code knacken

Bloß nichts übersehen sollten die Teilnehmer beim Escape-Room in der Syker Stadtbibliothek. Schließlich finden sich bei genauem Hinsehen nützliche Hinweise.

Michael Braunschädel

Syke. Endlich aus der Bücherei rauskommen? Das ist eigentlich nicht im Sinne des Bibliotheksteams. Freuen sie sich doch in der Regel, wenn große und kleine Leser in der Bücherei vorbeischneien. Doch in diesem Fall drücken Simone Stubbmann und Maren Kulissa ausnahmsweise mal ein Auge zu. Schließlich ist dieses Szenario rein hypothetisch und gehört mit zum Spiel. In der Tat sind Til, Lena, Janina, Luzie und Kira mit voller Absicht in die Bibliothek gekommen, um wieder rauszukommen – und zwar aus dem „Escape Room“, den das Bibliotheksteam im Zuge der Ferienspiele für Kinder anbietet.

Dass dieses Angebot einen Nerv trifft, merkte das Bibliotheksteam schnell. Alle drei Termine waren so rasch ausgebucht, dass kurzfristig zwei weitere Termine ins Programm genommen wurden. „Auch die sind ausgebucht und es gibt bereits eine Warteliste“, freut sich Bibliotheksleiterin Eva-Maria Meyer, dass diese Idee so gut angenommen wird. In der Tat erfreut sich das Spiel großer Beliebtheit, und zwar in der Live-Version dessen, was einst als Computerspiel begann. Und für ein Ferienprogramm in Zeiten von Corona mit den derzeit geltenden Regelungen habe es sich „förmlich angeboten“, wie Eva-Maria Meyer sagt. Zu groß darf die Gruppe, die da miteinander auf Rätselsuche geht nämlich gar nicht sein. Die Teilnehmerzahl ist auf fünf bis sechs Spieler pro Termin begrenzt.

„Die Kinder bekommen eine Geschichte vorgelesen, die erklärt, warum sie in der Bibliothek eingeschlossen sind“, erläutert Eva-Maria Meyer das Spiel. Denn das ist die Prämisse: Die Gruppe muss versuchen aus dem „geschlossenen“ Raum wieder rauszukommen. „Dazu müssen sie die versteckten Hinweise finden“, so Eva-Maria Meyer weiter. „Zum Beispiel verschiedene Puzzleteile, die sie zusammensetzen müssen, um dann eine Botschaft lesen zu können, die darauf geschrieben steht.“ Um den Schwierigkeitsgrad noch ein wenig zu erhöhen, enthält diese Botschaft zudem einen Teil, der nur unter Schwarzlicht zu lesen ist. „Darum müssen sie auch die versteckte Schwarzlichtlampe finden.“

Aber das ist noch längst nicht alles, was sich in den Regalen der Bibliothek findet. „Die Hinweise sind überall versteckt“, verrät die Bibliotheksleiterin. Es sind in der Regel Gegenstände wie bunte Stifte, deren Anzahl wieder den Standort des nächsten Hinweises verraten, Rubbellose für die man dann auch noch Münzen zum Freirubbeln finden muss oder andere Zahlenkombinationen, die Kästchen öffnen, in denen wiederum ein Hinweis liegt. Auch ein Morsecode spielt eine Rolle. „Ein riesiges Such- und Rätselspiel“, wie Eva-Maria Meyer sagt.

Für die Hinweise, die gefunden werden, steht ein großer Tisch bereit. „Es ist ja nicht mit dem Finden getan“, klärt Eva-Maria Meyer auf. „Die Hinweise müssen auch richtig miteinander kombiniert werden. Und gerade am Anfang findet man ja alles durcheinander.“ Das muss erst mal sortiert werden und dabei müssen die Kinder miteinander reden, knobeln und kniffeln. Diese Interaktion, dieses Miteinander gefällt Eva-Maria Meyer besonders gut an dieser Art von Spielen.

Ziel des Ganzen ist es, eine Zahlenkombination für eine große Schatzkiste zu finden. Darin enthalten sind ein symbolischer Schlüssel für das Entkommen aus der Bibliothek und die Belohnung. „Kleine Tüten mit Leckereien und Give-aways für die Kinder.“ So viel Fleiß und Rätselgeschick soll schließlich belohnt werden.

Doch das Quintett, das sich durch die Regale sucht, hat sichtbar auch Riesenspaß an den kniffeligen Rätseleien. „Wir müssen noch Puzzleteile finden!“, ergeht die Aufforderung an die Mitspieler und schon beginnt die nächste Suchrunde. „Das schult auch die Wahrnehmung“, findet die Bibliotheksleiterin einen weiteren positiven Aspekt dieses Spiels. „Manche Teile sind nämlich gar nicht so doll versteckt.“

Und in der Tat: Statt eines Puzzleteils taucht mit einem Mal ein Schuhkarton großes, fest verschnürtes Paket auf. Darin der nächste Hinweis. „Flüsternde Schatten!“ „Das ist ein Buchtitel“, verrät Simone Stubbmann und schon flitzen die Kinder ans Regal, um den Schmöker zu finden. Gemeinsam mit Maren Kulissa hat Simone Stubbmann das Spiel nicht nur vorbereitet. Zusammen begleiten sie das Spiel auch und halten gegebenenfalls noch den ein oder anderen Tipp für die Kinder bereit. „Beide haben eine Fortbildung von der Büchereizentrale in Lüneburg zu diesem Thema besucht“, verrät Eva-Maria Meyer. Dort gibt es auch fertige Sets für Spiele dieser Art, die von den Büchereien in Niedersachsen ausgeliehen werden können. „Das Ganze wurde dann noch ergänzt und angepasst an die lokalen Gegebenheiten und die Altersstufe“, so Meyer weiter. An Sieben- bis Neunjährige richtet sich das Angebot der Bibliothek Syke. „Die Kinder müssen die Hinweise ja schon lesen können“, sagt Eva-Maria Meyer. Doch grundsätzlich gibt es bei dieser Art Spiele keine Altersbeschränkung. Aufgrund des Erfolgs überlegt man in der Syker Bibliothek daher, das Angebot zu wiederholen. In den Herbstferien, und dann gleich für die ganze Familie. „Das macht auch Erwachsenen Spaß“, ist die Bibliotheksleiterin überzeugt. Zumindest dem Bibliotheksteam bei seinem Probedurchlauf, wie sie verrät. „Uns fehlte allerdings am Ende ein Puzzleteil“, sagt sie und lacht. Das tauchte nach ein paar Tagen allerdings wieder auf.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+