Kulturprojekt Straße der Kunst im Syker Vorwerk eröffnet

Syke·Landkreis Diepholz. Mit einer ungewöhnlichen Performance hat Künsterlin Barbara Baum die Straße der Kunst im Syker Vorwerk eröffnet. Auf dem Boden liegend deklamierte sie gereimte Texte über den Frühling - schade nur, dass sie so keiner sehen konnte.
02.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Dagmar Voss

Syke·Landkreis Diepholz. Mit einer ungewöhnlichen Performance hat Künsterlin Barbara Baum die Straße der Kunst im Syker Vorwerk eröffnet. Auf dem Boden liegend deklamierte sie gereimte Texte über den Frühling - schade nur, dass sie so keiner sehen konnte.

Ein kreischbunter Mensch wirbelte am Nachmittag durchs proppevolle Zelt am Syker Vorwerk. Dann schmiss er sich auf den Boden und deklamierte gereimte Texte über den Frühling. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um die Künstlerin Barbara Baum, die mit Versen, Musik und Tanz die Gäste zur Eröffnung der Straße der Kunst begrüßte. Für die meisten Besucher war das eher ein Hörerlebnis, da sich die Künstlerin vorwiegend auf dem Boden aufhielt und daher leider von der Mehrzahl nicht gesehen werden konnte. Mit ungereimten Worten und vor allem Dank über das tatkräftige Mitwirken verschiedener Helfer begrüßten dann Rainer Ehlers, Geschäftsführer des Landschaftsverbands Weser-Hunte, und Ralf Vogeding, Leiter des Kreismuseums sowie des Vorwerks, die Besucher. Ehlers hatte ein Zitat dabei, das sicherlich den Sinn dieser Kulturveranstaltung in passende Worte fasste: "Kultur ist der Sauerstoff einer Gesellschaft."

Alle Kunst ist der Freude gewidmet

Davon konnten die Anwesenden schließlich ganz viel zu sich nehmen, nachdem Ralf Vogeding, Schirmherr und Landrat Gerd Stötzel sowie die Kuratorin Nicole Giese Festvorträge gehalten hatten. Der Museumsleiter erinnerte daran, dass schon im Jahre 2003 eine Straße der Kunst stattgefunden habe, damals mit der bildenden Kunst im Zentrum. "So auch heute", sagte er mit einem kleinen Schmunzeln. "Außerdem hatten wir damals ungewöhnliche Ausstellungsorte ausgewählt, so auch heute." Mehr als 300 Künstler stellen in den nächsten zwei Monaten aus, bieten Konzerte und Workshops, Vorträge und Kleinkunst auf ihren kreativen Wegen an. "Die Kunst ist in der ländlichen Region und seiner Gesellschaft angekommen", meinte Vogeding und bat die Besucher, das Schild im Vorwerk "Vorsicht Kunst" einfach zu überwinden und sich der Betrachtung und dem Genuss hinzugeben.

Ebenfalls mit einem Zitat - in seinem Fall von Schiller - versah Landrat Stötzel seine Rede: "Alle Kunst ist der Freude gewidmet..." Daher verbiete es sich, die Frage nach der Qualität der Kunst zu formulieren. Weiter betonte er, dass es schon gute Tradition im Landkreis sei, den Rotstift nicht bei der Kunst anzusetzen.

Die Kuratorin Nicole Giese erinnerte noch einmal an die Entstehung der Ausstellung im Vorwerk, "On the road" genannt. Dabei würdigte sie die zehn dort ausstellenden Künstler, die sich nicht nur malend des Themas Straße, Weg, Pfad, Allee, Boulevard aber auch Begegnung, Bewegung, Vernetzung und etlicher anderer Assoziationen angenommen haben. Der Titel erinnere an den Roman gleichen Namens von Jack Kerouac, der in den 50er-Jahren dafür stand, eine neue Freiheit zu gewinnen.

Nach den vielen wohl gesetzten Worten begaben sich die Gäste unter Begleitung einer kleinen "Katzenmusik" - die jungen Streicher der Kreismusikschule (KMS) hatten sich Katzenmasken aufgesetzt - ins Haupthaus. Dort wurde der musikalische Beitrag fortgesetzt mit "Kreuzung" und "Modus III", zwei Kompositionen von Ernst Werner aus Bassum. Den Kafka-Text "Eine Kreuzung" intonierte die Sopranistin Ksenija Lukic gemeinsam mit dem Pianisten Reinhard Schmiedel. Bei dem zweiten Stück bewiesen die Mitglieder des Jugendsinfonieorchester der KMS ihr Können.

Neben den höchst amüsanten Installationen von Adam aus Martfeld sind auch Bilder und Skulpturen von Renate Hoffmann aus Bremen, Gerd Kadzik aus Affinghausen, Isabell Ambrosius aus Heiligenloh, Rita Biler und Sabine Wewer aus Stuhr, Lutz Schlizies aus Weyhe, Doris Löhr aus Drebber, Dieter Zirkel aus Wagenfeld und Wolfgang Kowar aus Burgdorf im Vorwerk zu sehen.

Im unteren Bereich konnten die Besucher gleich ein gutes Werk tun, indem sie eins der vielen kleinen Bilder von Dörte Reinecke erwarben. Denn die zehn Euro, die sie kosten, gehen an das Projekt "Künstler fördern Kinder", eine Initiative von Karin Hirschgänger. Besucher Hans-Rainer Dietrich hatte sich sogleich eines gesichert, auf dem ein Paar Stiefel abgebildet war. "Das hänge ich mir in den Flur, wo meine Schuhe stehen, das passt da genau hin", sagte er begeistert. "Kunst ist, wenn man's trotzdem macht" - so lautete eine Beschriftung bei den Installationen von Adam im oberen Bereich des Vorwerks. Der Künstler hatte Wand und Boden mit Figuren, Fliesen, Kollagen und Zeichnungen versehen, die die offizielle Delegation des internationalen Straßenbauamts, Dezernat Kunst, ehren. So konnten die Betrachter neben der Abbildung von Van Gogh auch die von Picasso, Dali und Chagall entdecken sowie einige weitere witzige Sprüche. Allenthalben traf man auf angeregt plaudernde Menschen, die sich bestens unterhielten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+