Kirchenkreisoberhaupt Jörn-Michael Schröder Straßenkicker und Superintendent

Landkreis Diepholz. Die meisten Menschen kennen Jörn-Michael Schröder als Superintendent des Kirchenkreises Syke-Hoya. Doch wer am morgigen Sonntag seine Andacht in der Syker Christuskirche hört, wird merken: Der Mann hat eine große Leidenschaft - Fußball.
12.06.2010, 06:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Straßenkicker und Superintendent
Von Christoph Starke

Landkreis Diepholz. Die meisten Menschen kennen Jörn-Michael Schröder als Superintendent des Kirchenkreises Syke-Hoya. Doch wer am morgigen Sonntag seine Andacht in der Syker Christuskirche hört, wird merken: Der Mann hat eine große Leidenschaft - Fußball. Früher trat er regelmäßig selbst gegen das Leder. Und das nicht erfolglos. Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft kramt der 42-Jährige in seinen Erinnerungen - und die führen unter anderem in seinen Heimatort nach Martfeld, Osnabrück und Braunschweig.

Der junge Jörn-Michael Schröder legt sich den Ball auf dem Acht-Meter-Punkt zurecht. Die Regeln wollen es so, dass er aus dem Stand schießt. Er holt mit seinem Bein aus, kickt und - trifft. Jörn-Michael Schröder verwandelt den entscheidenden Acht-Meter-Schuss. Sein Team, die Christlichen Pfadfinder aus Hoya, gewinnt das Turnier in Braunschweig. 'Das war der absolute Höhepunkt meiner Fußballkarriere', erinnert sich der Superintendent gerne zurück. Beim Pfadfinderfußball-Turnier war er 17 oder 18 Jahre alt. 'Wir waren eine echte Gurkentruppe und haben uns ins Finale gemauert', erzählt er schmunzelnd. Aber gerade das mache den Reiz und die Faszination des Sports aus, dass auch die Unterschätzten, die Außenseiter gewinnen können. 'Ich fühlte mich ein bisschen wie Andreas Brehme vor seinem Elfmeter im WM-Endspiel 1990.' Wenn er sich an diese Geschichten erinnert, bekommt der Superintendent immer noch eine Gänsehaut.

Fischer, Heynckes, Netzer

Jörn-Michael Schröders Fußballgeschichte beginnt in seinem Heimatort Martfeld. Mit fünf oder sechs Jahren spielten er und seine Freunde auf eine Garage oder auf ein selbstgeschweißtes Eisentor. 'Ich bin also ein echter Straßenfußballer', sagt er mit einem Lächeln. Die Idole hießen damals Klaus Fischer, Jupp Heynckes oder Günter Netzer. Eines Tages wurde er dann vom Trainer des örtlichen Fußballvereins angesprochen und startete in der F-Jugend. Im Verein kickte er einige Jahre, ließ dann aber den Vereinsfußball hinter sich und spielte später bei den Pfadfindern in Hoya bis zu seinem 20. Lebensjahr, am liebsten im defensiven Mittelfeld.

Die Spur des Straßenfußballers setzte sich dann während seines Studiums in Bielefeld, Heidelberg und Göttingen fort. In seiner Freizeit war Schröder auf den Bolzplätzen zu finden. Der Spaß stand damals eindeutig im Vordergrund. Jeder konnte mitspielen. 'Wenig Ehrgeiz, selten körperbetont. Der gute Hackentrick zählte mehr als das 1:0.'

Eine Fußballflaute trat dann während Schröders Vikariat ein. 'Da habe ich nur noch selten gespielt.' Als Pastor in Vehrte kickte er wieder regelmäßig in einer Hobbymannschaft. 'Das waren Männer im Alter von 30 bis 70 Jahren. Und es kamen immer fast genau zehn', blickt er zurück. Das war praktisch. So konnten die Männer immer fünf gegen fünf spielen. Als Höhepunkt in dieser Zeit betrachtet er das Spiel einer Pastorenauswahl gegen die Stadtverwaltung Osnabrück. Dabei handelte es sich um ein Vorspiel für eine Liga-Begegnung des VfL Osnabrück. 'Und wir haben gewonnen.' Wahrscheinlich auch dank der Fähigkeiten des Pastors. 'Als Dribbelkönig und Flankengott konnte ich mich ganz gut einbringen.'

Und heutzutage? 'Ich habe seit vergangenem Sommer nicht mehr richtig gespielt', bedauert der Superintendent. 'Aber ich will. Mir fehlt der körperliche Ausgleich und natürlich der Sport an sich.' Was liegt da näher, als wieder eine Pastorenmannschaft ins Leben zu rufen? 'Ich weiß nicht, welche Talente hier im Kirchenkreis schlummern', sagt Schröder.

'Fußball hat viele spirituelle Momente', findet der Superintendent. 'Zum Beispiel, wenn das ganze Stadion ,You?ll never walk alone? singt. Wo singt man noch heutzutage?' Er zieht zwar keinen direkten Vergleich zur Kirche sagt aber: 'Es sind quasi-religiöse Erfahrungen.'Aber nicht nur das mache die Faszination Fußball aus, sondern auch das Mitfiebern während eines Spiels oder der ganzen Saison. Spannend seien auch die Fragen, wie ein neuer Trainer es schafft, eine abstiegsbedrohte Mannschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Wie kann ein so autoritärer Trainer wie Felix Magath erfolgreich sein? Warum haben Stürmer auch mal Flauten? Vieles aus dem Fußball spiegele sich auch im 'echten' Leben wieder. In diesem Zusammenhang fällt Schröder das Zitat von der britischen Trainerlegende Bill Shankley ein: 'Einige Leute halten Fußball für einen Kampf auf Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es weit ernster ist.'

Persönlich mag der Superintendent Spieler, die auch geistig etwas auf dem Kasten haben wie beispielsweise Jörg Bode. Aktuell hält er viel von Per Mertesacker. 'Er macht einen ruhigen und soliden Eindruck.' Dem deutschen Team werden bei dieser Fußball-WM aber Leute wie Michael Ballack oder Torsten Frings fehlen. 'Das sind Spieler, die auf dem Platz richtig etwas bewegen können.' Die Chancen von Jogi Löws Team bei der WM schätzt er deswegen auch nicht sehr hoch ein. Viertelfinale vielleicht. Mannschaften wie beispielsweise Spanien seien einfach besser. 'Die spielen einen sehr abgeklärten Fußball.'

Spiele in der Gruppe zu schauen ist sein Ding. Während seiner Zeit in Wunstorf gab es in einem Raum, der vielleicht so groß wie ein geräumiges Wohnzimmer war, eine Art Public Viewing. Das war 1996 während der Europameisterschaft. 'Wir hatten wahrscheinlich den einzigen Beamer in der Stadt. Der Saal war knackevoll.' Deutschland spielte gegen England. Wenn sich Schröder an die Spannung damals im Saal erinnert, kommt sie wieder, die Gänsehaut.

Das Spiel Deutschland gegen Australien will er morgen allerdings im kleineren Familienkreis verfolgen. Er tippt auf einen klaren Sieg. '3:0 für Deutschland.'

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+