Die Tischlerei Ehrt aus der Hachestadt fertigt Innen- und Außeneinrichtungen für Yachten Syker Handwerkskunst auf hoher See

Wenn man bedenkt, dass der nächste Hafen rund 40 Kilometer von Syke entfernt liegt, könnte man meinen, das Thema Schifffahrt spiele für die Hachestädter nur eine untergeordnete Rolle. Mindestens ein Syker beweist jedoch das Gegenteil. Den Handwerksmeister Peter Ehrt bindet nämlich nicht nur die selbst erklärte "Liebe zum Schiffsbau" an die maritime Welt, sondern auch der Ausbau von Yachten, den seine Syker Tischlerei seit nunmehr drei Jahren betreibt.
07.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wenn man bedenkt, dass der nächste Hafen rund 40 Kilometer von Syke entfernt liegt, könnte man meinen, das Thema Schifffahrt spiele für die Hachestädter nur eine untergeordnete Rolle. Mindestens ein Syker beweist jedoch das Gegenteil. Den Handwerksmeister Peter Ehrt bindet nämlich nicht nur die selbst erklärte "Liebe zum Schiffsbau" an die maritime Welt, sondern auch der Ausbau von Yachten, den seine Syker Tischlerei seit nunmehr drei Jahren betreibt.

VON MERLE HEUSMANN

Syke. Wenn sich Marcel Kuhnt, Geselle bei der Tischlerei Ehrt, an sein letztes Arbeitsfeld außerhalb der Werkstatt im Syker Industriegebiet zurückerinnert, leuchten die Augen des gelernten Bau- und Möbeltischlers. Schließlich denkt Kuhnt dabei an das Deck eines Schiffes – genauer gesagt einer Yacht. "Diese Yacht hatte mehr Zimmer als meine ganze Wohnung", schwärmt der Teakdeck- und Hartholzspezialist noch immer. Es sei das größte Schiff gewesen, auf der er und seine Kollegen bisher gearbeitet hätten. Auch sein Chef, Peter Ehrt, teilt die Begeisterung für das jüngste Arbeitsfeld seiner Tischlerei – die Teakdeckanfertigung. Wie die meisten Tischler begann Peter Ehrt seine Selbstständigkeit 1994 mit der Anfertigung von Türen und Fenstern. Erst später habe er sich auf den exklusiven Möbelbau spezialisiert, so der 50-Jährige. Dort ist die Tischlerei Ehrt mit ihren handgefertigten Möbelstücken, Küchen, Parkett-Fußböden und Saunen auch heute noch beheimatet. Mit Einrichtungsstücken für Wasserfahrzeuge habe er den ersten Fuß in die Tür des Yachtausbaus gesetzt, lässt der Tischlermeister wissen. Grund für die Aufnahme dieses Bereichs: Ehrts Liebe zum Schiffsbau, die er schon während seiner Ausbildung entdeckte. "Die Schifffahrt ist für mich ein Zeichen von Freiheit", führt der Tischlermeister aus.

Vor rund drei Jahren hätte ihn die vorhandene Qualifikation seines Gesellen zu einem weiteren Ausbau dieses Tätigkeitsbereiches motiviert, sagt Peter Ehrt. Und so baute der Tischlermeister die Kontakte zu verschiedenen Werften aus. Besonders im Winterhalbjahr sei seine Arbeit und die seiner Mitarbeiter in puncto Yachtausbau heute gefragt, sagt Peter Ehrt. Denn Schiffseigener würden die kalte Jahreszeit für Ausbesserungsarbeiten nutzen. Auf Booten von Verkäufern seien sie aber hin und wieder auch im Sommer am Werk. "Das hat bisherige saisonbedingte Lücken gefüllt", sagt Ehrt. Anfang des Jahres seien so viele Aufträge reingekommen, dass seine Firma diese gerade noch erledigen könne. Personal sei dabei das größte Problem. "Für solche Arbeiten braucht man speziell ausgebildete Kräfte", betont Ehrt.

Sein Geselle Marcel Kuhnt ist eine solche ausgebildete Kraft. Er schnupperte die gute Seeluft bereits während seiner Ausbildung. "Der Arbeitszweig ist einfach abwechslungsreich" sagt er. Und welcher Tischler würde die Werkstatt nicht hin und wieder gerne gegen ein Schiff eintauschen. "So ein Schiff ist schon einer der schönsten Arbeitsbereiche", bestätigt der Teakholzspezialist Kuhnt. Besonders wenn dieses bei schönem Wetter in einem Hafen liege. Zur Zeit müssen sich die Mitarbeiter von Peter Ehrt aber zumeist mit Lagerhallen zufrieden geben. In den vergangenen Jahren sei seien sie aber auch schon nach Potsdam oder Rostock gependelt, sagt Ehrt. In der Werkstatt werde alles größtenteils vorbereitet und zugeschnitten. Die Restaurationsarbeiten würden aber nur vor Ort funktionieren. Diese Arbeit außerhalb der Werkstatt sei gerade für Praktikanten immer etwas ganz besonderes. "Wenn die so eine Yacht sehen, muss ich abends die Augen wieder reindrücken", erzählt Ehrt lachend.

Damals wie heute steht vor allem das Schiffsdeck im Vordergrund der Tischlerarbeiten. Dieses bestehe aus Teakholz, erläutert Peter Ehrt. Da dies bei Nässe nicht rutschig werde. "Salzwasser lässt das Holz ausbleichen", erklärt Ehrt weiter. Aus dem Grund würden die Bootsbesitzer die Böden alle vier bis fünf Jahre abschleifen lassen. Generell sei das Teakholz gegenüber anderen Holzsorten durch seinen hohen Fettgehalt aber sehr salzwasserresistent und werde daher auch hauptsächlich für den Schiffsbau verwendet – vorrangig im Außenbereich der Boote.

Jüngst hat die Tischlerei Ehrt das Laufdeck einer Yacht abgeschliffen und neu versiegelt, das Cockpit neu gemacht sowie Schiffsinneneinrichtungen angefertigt. "Ich bin ein Individualist", meint der Tischlermeister. "Und beim Schiffsbau ist alles individuell. Eine ständige Herausforderung eben. So eine dürfte wohl auch das zwölf Jahre alte Schiff sein, das von den Besitzern kaum gepflegt wurde und zahlreiche Sturmschäden aufweist. Dieses möbelt das Team um Peter Ehrt nun in einem Zeitraum von acht Wochen wieder auf. Zur Zeit werkeln Peter Ehrt und seine Angestellten noch innerhalb der deutschen Grenzen an den luxuriösen Seegefährten. "Vielleicht werden wir ja irgendwann auf Mallorca aktiv", orakelt der Tischlermeister.

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