Neubau keine Möglichkeit Syker Tafel sucht ein neues Zuhause

Das Gebäude der Syker Tafel ist marode. Es muss dringend etwas passieren. Ein Neubau für die Syker Tafel ist jedoch vorerst vom Tisch. Nun wird eine neue Bleibe gesucht.
06.06.2021, 15:51
Lesedauer: 4 Min
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Syker Tafel sucht ein neues Zuhause
Von Sarah Essing

Syke. Das Gebäude der Syker Tafel ist ein Sanierungsfall. Ist es schon seit Jahren. Einer, der einige Hunderttausend Euro erfordern würde, wie Superintendent Jörn-Michael Schröder vom Kirchenkreis Syke-Hoya bereits Anfang 2020 feststellte, als die Kirche das Gebäude vom Landkreis erwarb (wir berichteten). Gekauft wurde das Haus aus den 1950er-Jahren dennoch. Um, wie Schröder damals ebenfalls sagte, Zeit zu gewinnen, die Tafelarbeit – in Kooperation mit den beteiligten Kommunen – langfristig sicherzustellen. Neben der Suche nach einem neuen Gebäude zur Anmietung wurde dabei auch ein Neubau in Erwägung gezogen. Diese Möglichkeit sei nun erst einmal vom Tisch, teilte der Kirchenkreis in einer Pressemitteilung mit.

„Als die Kirchenkreissynode den Kauf im Herbst 2019 beschlossen hatte, war bereits vor dem Erwerb deutlich, dass es sich nur um eine Übergangslösung handelt“, heißt es in der Pressemitteilung seitens des Superintendenten. Man habe schon seit 2018 nach einer Alternative gesucht, aber keine finden können. Laut Schröder ist das Gebäude am Feuerwehrturm 3 in einem „baulich desolaten Zustand“. So sei es für den dauerhaften Betrieb der Tafel nicht geeignet. Vor allem die Ausgabesituation für die Kundinnen und Kunden der Tafel sei als „unwürdig zu bezeichnen“, so Schröder.

Eine Einschätzung, die Tafelsprecher Ralf Grey teilt. Pro Ausgabetag kommen etwa 70 bis 100 Menschen. Für sie gibt es in dem Haus gerade mal eine Toilette. Sitzmöglichkeiten? Gar keine. Es fehlt Platz für die Lagerung lang haltender Lebensmittel und auch zum Kommissionieren und Einteilen der gespendeten Lebensmittel, denn vom Standort in Syke aus werden auch die Ausgabestellen in Bruchhausen-Vilsen und Weyhe versorgt. "In diesem Gebäude können wir den Betrieb noch ein Jahr gewährleisten", schätzt er. Ihm wäre daher ein Neubau am liebsten, auch weil seiner Einschätzung nach der Bedarf eher steigen werde und "weil man die Bedürfnisse der Tafel immer wieder unterschätzt".

Tatsächlich sei neben der Suche nach einer neuen Immobilie zum Anmieten daher auch die Möglichkeit eines Neubaus diskutiert worden, heißt es seitens des Kirchenkreises. Laut Pressemitteilung habe die Überlegung darin bestanden, dass die Stadt Syke einen Neubau errichtet und an den Kirchenkreis vermietet. Die Stadt hätte dabei Fördermittel in Anspruch nehmen können, die dem Kirchenkreis nicht offen gestanden hätten. Der Restbetrag für die Erstellung des Gebäudes sollte in Form eines Mieterdarlehens durch den Kirchenkreis finanziert werden.

„Leider muss ich Ihnen heute mitteilen, dass der Kirchenkreisvorstand das Neubauprojekt nicht weiterverfolgen wird“, teilte Schröder im Zuge der Sitzung der Kirchenkreissynode jüngst jedoch mit. Laut Pressemitteilung sei der Grund dafür eine Stellungnahme des Verwaltungsausschusses der Stadt Syke. „Trotz aller Wertschätzung für die Arbeit der Tafel hat der Verwaltungsausschuss in seiner Stellungnahme Vorbehalte und Einschränkungen gegen den Neubau formuliert“, heißt es in der Mitteilung seitens des Kirchenkreises weiter.

In der Tat gebe es zu dem geplanten Bauvorhaben und seiner Finanzierung einige Bedenken und daraus resultierende Fragen, erklärte Sykes Bürgermeisterin Suse Laue auf Anfrage des Syker Kurier. Bei aller "hohen Wertschätzung des gesellschaftlichen Engagements" der Tafel gebe es zu viele Fragezeichen. Stichwort Nachhaltigkeit. Der angedachte Neubau wäre laut Suse Laue zunächst für nur 15 Jahre an den Kirchenkreis vermietet worden. Was passiert danach mit der Halle, die die Stadt Syke nicht braucht und nicht will? Dazu fehlte dem Verwaltungsausschuss eine klare Aussage des Kirchenkreises.

Zweiter Punkt: die Finanzierung. Die Stadt Syke hat gerade erst in Bezug auf den geplanten Neubau einer Kindertagesstätte in Okel festgestellt, dass Bauvorhaben derzeit schnell deutlich teurer werden können als kalkuliert (wir berichteten). Vor diesem Hintergrund fand der Verwaltungsausschuss die vorgelegten Zahlen "unzureichend", sagt Suse Laue. Ein Umstand, dem auch Superintendent Schröder Rechnung trägt. „Die Preise für Baustoffe sind in den vergangenen Monaten dramatisch gestiegen", teilte er in der Synode mit. "Das hätte zum heutigen Zeitpunkt eine Verteuerung des Projekts um 20 Prozent bedeutet." Damit sei das Projekt "ohnehin" erheblich teurer geworden, sodass der Kirchenvorstand nun beschlossen habe, "die Überlegung für ein Neubauprojekt nicht fortzusetzen", so Schröder.

In den kommenden Wochen werde man sich "mit aller Energie" um die "Erarbeitung weiterer Alternativen" bemühen, versprach der Superintendent. Allerdings räumte er auch ein, dass die Schließung der Tafel und ihrer Ausgabestellen in Syke, Weyhe und Bruchhausen-Vilsen zum 31. Dezember 2022 nicht mehr vollständig auszuschließen sei, „sollte sich keine realisierbare Alternative finden".

Ein Szenario, das nicht nur der Kirchenkreisvorstand sondern auch die Gemeinden vermeiden wollen. "Niemand will die Tafel nicht", unterstrich auch Suse Laue im Gespräch mit dem Syker Kurier. Der Verwaltungsausschuss habe daher noch einmal die Prüfung der Anmietung einer Immobilie angeraten.

Aber was für eine Immobilie würde die Tafel denn benötigen? Da hat Ralf Grey ziemlich genaue Vorstellungen. Er wünscht sich circa 500 Quadratmeter Grundfläche, um genügend Platz zu haben – sowohl für die Ausgabe als auch für Lagerung, Sortierung, Kommissionierung, einen Aufenthalts- und/oder Warteraum sowie ein Büro. Vorhanden sein sollte zudem genügend Platz für die Anlieferung und das Rangieren der Waren und ein 30 bis 40 Quadratmeter großer Kühlraum. Darüber hinaus müsste das Gebäude Parkplätze haben und auch per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen sein. Ein alter Supermarkt wäre nicht schlecht.

Und eben eine solche Immobilie ist tatsächlich vorhanden: der alte Supermarkt an der Bundesstraße 6 zwischen Barrien und Syke. Gespräche wurden bereits geführt und werden nun intensiviert. Mitte/Ende Juni, so Suse Laue, wollen Kirche und Stadt sich noch einmal zusammensetzen. Dennoch sucht der Kirchenkreis weiter nach möglichen Immobilien. Anregungen werden gerne entgegengenommen, unterstreicht Schröder.

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