Syker Theater

Training für die Lachmuskeln

Carmela de Feo sorgte im Syker Theater für eine furiose Wiedereröffnung nach dem Lockdown. Die Kabarettistin begeisterte mit Wortwitz und Tanzeinlagen im nicht ganz ausverkauften Haus.
27.09.2020, 15:24
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss
Training für die Lachmuskeln

"Man nennt mich La Signora und ich bin eine Frau": Ob mit Wortwitz oder Tanz- und Gesangseinlagen – die Kabarettistin Carmela de Feo begeisterte das Publikum.

Michael Braunschädel

Syke. Das war ein ausgelassenes Energiebündel, das da am Freitagabend über die Theaterbühne wirbelte, tanzte, sang, musizierte und in herrlich satirischer Weise schimpfte. Carmela de Feo – vor vier Jahren gastierte sie schon mal im Gleis 1 – war wieder einmal ein Hochgenuss und zog ihr Publikum in den Bann.

Unwiderstehlich komisch von der ersten Minute an kehrte sie mit ihrem Programm „Unter Geiern“ zurück in die Hachestadt. Dabei wirkte Carmela de Feo äußerlich so bieder mit Haarnetz und einem schwarzen Großtanten-Outfit. Oder „Friedhofsmodenchic – klein, Hummeltaille und Haarnetz“, wie sie sich selbst beschreibt. Doch es ging ziemlich schnell los mit ihrem Wortwitz-Feuerwerk, mit Akkordeon- und Tanz-Einlagen, mit skurrilen Bemerkungen über das Single-Dasein und Männerfangen, über Werbung und Frauen. Und das alles ohne Pause über 100 Minuten.

„Hier darf ich also, bis zur Rotzgrenze“, stellte sie fest – und schon war klar, sie nimmt kein Blatt vor den Mund. „Ich tu spucken, schon professionell, deshalb sind drei Meter bis zu Ihnen wegen der Pandemie richtig.“ Übrigens hätte sie sich, wenn sie im Februar hätte wählen können, was sich für ein Kabarettprogramm so anbietet, doch lieber die Syphilis genommen, da hätte man eigentlich viel mehr von.

„Unglaublich, diese Frau und ihr Temperament“, meinte ein Besucher immer noch lächelnd am Ende auf dem Weg zum Parkplatz. „Einfach mitreißend und urkomisch, mir schmerzen noch die Lachmuskeln.“ Ein weiterer schloss sich an: „Ich kannte sie nur aus Sendungen wie Ladies Night im Fernsehen, aber live gefällt sie mir mit ihren spontanen Einlagen wesentlich besser – sie hat sich auch physisch voll verausgabt.“

Urkomisch war sie tatsächlich. Dass dieses herrlich spitzzüngige und unterhaltsame Kabarett nicht ganz ausverkauft war – leider wegen Corona nur knapp 50 an der Zahl –, erklärte Joachim Schröder, Organisator vom Gleis 1, so: „Unser Publikum ist durchschnittlich 40 Jahre und aufwärts, also Menschen, die sehr vorsichtig sind wegen Corona – aber sicherer als hier bei dem durchdachten Hygienekonzept ist es nicht mal im Supermarkt.“ Verstärkt wurde das anfangs durch ein Filmchen, in dem ausführlich erklärt wurde, wie man sich im Theater verhalten sollte. Gefolgt von einer Begrüßung der Bürgermeisterin Suse Laue mit einem Blumenstrauß für Schröder, der nicht weitermacht im Gleis 1.

Als die „Schwarze Witwe der Volksbelustigung“ verkündete: „Man nennt mich La Signora und ich bin eine Frau“, war eigentlich alles gesagt. Vielleicht aber noch längst nicht gesungen. Ob ihr Lied über die Italienerin im Pott oder eingängige Schlager mit eigenen Texten: Sie machte klar, wer hier das komische Sagen hatte, und "datt" im schönsten Ruhrgebiets-Schnack. Dabei konnte sie mit ihrer starken Stimme kinderleicht alle Melodien auf den Punkt anstimmen. Leicht zum Mitklatschen und Lachen. "Kannze mitmachen“, riet sie und wer mitsingen wolle, der müsse halt Maske aufsetzen, sich vorbeugen und gen Boden singen. Oder sich still amüsieren, wenn sie Dialoge mit den Besuchern anfing, Fragen nach heimlichen Vorlieben beim Trinken oder Entspannen stellte. Und dann die Antwortenden mit schrägen Ausdrücken wie „Hühnchen“ betitelte. Das kam nur daher, dass sie den Hobbymusiker, der zu Hause ein Hang spielt, schlecht verstanden hatte.

Mit kniebestrumpften Beinen erlebten die Besucher sie auch hemmungslos steppend oder sonstige skurrile Tänzchen aufs Theaterparkett legend und bekamen versichert, dass Schicksal durchaus Spaß machen kann. La Signora, die bizarre anbetungswürdige Verführerin, aber auch verführte Angeberin. Wo andere sich bemühen abzunehmen, legte La Signora noch einen drauf und ließ ihre Rundungen wirken. Endlich wieder ein dynamisches Kabarett mit bestem Lachmuskeltraining.

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