Syker Vorwerk

Möglichkeiten zum Mitmachen

Matt und Basti sorgten im Garten des Syker Vorwerks für Abwechslung. Beim Freiluftkonzert unter Corona-Bedingungen kamen Groß und Klein auf ihre Kosten.
24.08.2020, 18:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Bödeker
Möglichkeiten zum Mitmachen

"Wir drehen uns im Kreis", hieß es beim Konzert mit Matt und Basti im Syker Vorwerk – und die kleinen Besucher kamen dieser Aufforderung nur zu gern nach.

Vasil Dinev

Syke. Im Urlaub hatte Nicole Giese-Kroner die Idee. Die Kuratorin des Syker Vorwerks nahm Kontakt zu Matt und Basti auf, die auch gerade urlaubten, aber spontan einen Auftritt im Garten des Zentrums für zeitgenössische Kunst zusagten. Spontaneität und Flexibilität sind in Corona-Zeiten nötig, um überhaupt Kulturveranstaltungen auf die Beine zu stellen. So kam es binnen einer Woche zum Auftritt von Matt und Basti, das heißt mit Spaß und Kinderliedern. Das Ganze wurde ein voller Erfolg, weil mehrere Komponenten passten.

Matt und Basti und ihre Entertainer-Fähigkeiten standen dabei sowieso außer Frage. Die Frage war eher: Wie würde die Gratwanderung gelingen zwischen Corona-Schutz einerseits und der Feierfreude der Kinder andererseits – und der Eltern, die sich von Matt und Basti erfahrungsgemäß auch anstecken lassen? Und wie würde das Wetter werden? Hierzu vorab der Wetterticker: 14.53 Uhr: „Oh, die Sonne kommt.“ Das sprach die erleichterte Nicole Giese-Kroner auf den Stufen des Vorwerks stehend. 14.57 Uhr: Eine kühle Brise wehte durch den baumreichen Garten, Wolken zogen auf. 15.01 Uhr: Ein Grummeln war zu hören – doch das war nur die Trommel von Matt, der sich eingroovte. 15.08 Uhr: Das Publikum zückte erste Regenschirme. 15.19 Uhr: Die Wolken hatten sich verzogen und zwar so weit, dass es erstmal trocken blieben würde. Tatsächlich setzte der starke Regen erst gegen 16 Uhr nach Ende des Auftritts ein. Da strahlte nicht nur Giese-Kroner.

Sie und ihr Team hatten das ordnungsamtliche Hygienekonzept umgesetzt, Renate Mildner hakte auf einer Liste ab, wer gekommen war – wegen der eventuellen Nachverfolgung. 30 je zwei mal zwei Meter große, mit weißer Farbe markierte Familienflächen waren – mit ausreichend Abstand – auf den Rasen gemalt worden, rund zwei Dutzend davon waren mit durchschnittlich vier Personen besetzt. Bunte Decken, zum Beispiel mit Melonen- oder Schmetterlingsmuster, hatten die Gäste mitgebracht. Darauf lagen Spielzeug, Kuscheltiere, Getränkeflaschen und Regenjacken – Eltern von Kindergartenkindern wissen, was zur Vollausstattung gehört. Nicht nur Milo und Line warteten gespannt. „Das ist eine schöne Alternative. Ansonsten hätten wir den Nachmittag zu Hause verbracht“, meinte ihre Mama Julia Bartels aus Riede. „Wir kennen Matt und Basti noch nicht“, erklärte die junge Mutter. Na, das ließ sich schnell ändern, und auch sie würde die beiden schon bald kennenlernen.

Schließlich sind Matthias Pique und Sebastian Astor aus Syke seit Jahren eine Institution mit ihren Kinderliedern für Klein und Groß. Als Erzieher im Kindergarten wissen sie genau, womit sie Kinder begeistern und auch die Eltern aus der Reserve locken. So mancher Auftritt der beiden warf beim neutralen Betrachter die Frage auf, ob tatsächlich die Kinder die Familienmitglieder waren, die freudig außer Rand und Band gerieten. Eine solch Happening-ähnliche Veranstaltung, bei der die räumlichen Grenzen zerfließen, ist natürlich zu Corona-Zeiten undenkbar. Doch die Abstände auf dem Rasen wurden eingehalten, in jeder der vier Quadratmeter großen Zonen entwickelte sich eine kleine Mini-Fete.

Seid ihr auch alle da?“, fragten die Künstler, „dann steht mal auf." „Die Eltern auch“, fügten sie hinzu – für alle, die Matt und Basti noch nicht kannten. Denn eines wurde schnell klar: Hier muss jeder mitmachen. „Das soll ein Bewegungskonzert werden“, erklärte Matt. Mit Drums und Gitarre untermalten sie ihre Songs, die vom Krikrakrokodil, kleinen Krabbeltieren und von großen Kinderträumen handelten. „Und wir stampfen mit dem Fuß, das ist unser Morgengruß“, klang es aus den Lautsprechern und knapp 100 Menschen stampften auf den Rasen.

Rund um die Decken gingen die vielen kleinen Familienpolonaisen. „Wir wackeln mit dem Po“, „wir drehen uns im Kreis“ – so kamen die fröhlichen Anweisungen, und so manche Mutti und so mancher Vati konnte für den Bau-Beine-Po-Kurs in der Woche üben, als sie sich angesteckt von den Kinder – oder von Matt und Basti – auf den Rücken legten und mit den Beinen in der Luft in die imaginären Pedalen traten. Als Flugzeug und Pferd durften sie sich natürlich auch versuchen.

Bei „Eine kleine Schnecke“ wurde es ganz ruhig, doch eine helle Stimme verlangte wieder nach Bewegungsliedern. Darauf ein Vater ganz leise: „Ooh, nicht schon wieder aufstehen.“ Doch dafür war es zu spät. Outdoor bieten sich eben viel mehr Möglichkeiten zum aktiven Mitmachen, auch das ist eine Folge von Corona.

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