Laufzeit bis zum 26. Dezember Syker Vorwerk eröffnet neue Ausstellung "Auf ins Kaff"

Seit dem 17. Oktober läuft im Syker Vorwerk die Ausstellung "Auf ins Kaff". Sechs internationale Künstler präsentieren ihre Positionen, die die Geschichte jüdischer Gegenwart und Vergangenheit thematisiert.
17.10.2021, 18:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss

Syke. Man lebt in Syke in einem Kaff, mag sicherlich manch Zeitgenosse überzeugt sein. Dass dem so ist, wird nun auf künstlerische Weise im Zentrum für zeitgenössische Kunst thematisiert. Das Syker Vorwerk zeigt seit Sonntag die Ausstellung „Auf ins Kaff“. Mit einer Ergänzung: die letzten Buchstaben des Ausstellungstitels stammen aus dem Hebräischen kommen und werden "kafr" gelesen, also Dorf oder Kaff bedeuten. Die beiden Kuratorinnen Nicole Giese-Kroner und Elianna Renner erklären dazu: „Der Titel verdeutlicht, dass unser Alltag und unsere Sprache bis heute geprägt sind von der jüdischen Kultur – letztlich sprechen wir über 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.“

Sechs internationale Künstler präsentieren ihre Positionen, die sich mit der Geschichte – unter anderem auch der Syker – und Geschichten, mit Landschaften und Erinnerungsprozessen jüdischer Gegenwart und Vergangenheit auseinandersetzen. Tatsächlich sind einige Arbeiten vor Ort entstanden, die sich explizit mit der lokalen Geschichte der Jüdinnen und Juden beschäftigen, die bis Anfang der 1940er-Jahre hier gelebt haben. Den letzten Mitgliedern der kleinen Gemeinde, deren Wurzeln bis in das Jahr 1728 zurückreichen.

Das sind mehr als 200 Jahre, in denen letztlich rund 50 Menschen jüdischen Glaubens hier gewirkt und gearbeitet haben – zumeist als anerkannte Mitglieder des sozialen Lebens, zuletzt sicherlich verfolgt und deportiert vom Nazi-Regime. Was genau in dieser Zeit und zuvor passiert ist, dazu hat Stadtarchivar Hermann Greve extra für die Ausstellung eine ausführliche Ausarbeitung herausgebracht. Sie wird Teil des Anfang Dezember erscheinenden Katalogs sein.

Den Titel der Vorwerk-Präsentation wollen Giese-Kroner und Renner sowie die Künstlerinnen und Künstler verstanden wissen als: „Zuruf an Künstlerinnen und Künstler und Besucherinnen und Besucher. Eine Einladung, das vermeintliche Kaff Syke und seine Umgebung zu besuchen und eine neue Perspektive und Sicht auf ju?dische Geschichte und Kultur zu erhalten.“

Die sechs Kunstschaffenden sind Hadas Amster, geboren in Haifa, Daniel Laufer aus Berlin, Dana Levy, geboren in Tel Aviv und heute in New York lebend, Michaela Melián aus München, Ali Shrago-Spechler, geboren in Hollywood, lebt und arbeitet in Karlsruhe und New York, sowie Sala-Manca, das sind Lea Mauas und Diego Rotmann, geboren in Buenos Aires, heute wohnhaft in Jerusalem. Auf den beiden Etagen des Hauses treffen Besucher auf eine spannende, kontrastreiche und sehenswerte Zusammenstellung unterschiedlicher Kunstformen, von Rauminstallationen über Bilder und Wandzeichnungen bis zu Videos. Man sollte sich Zeit nehmen, um in aller Ruhe die Schöpfungen wirken zu lassen.

Der Besuch der Eröffnung ist ohne Voranmeldung im Rahmen der 3G-Regelung möglich, der Einlass erfolgt ausschließlich mit Nachweis über eine vollständige Impfung, eine Genesung oder eine negative Testung (PCR-Test nicht älter als 48 Stunden/ POC-Schnelltest nicht älter als 24 Stunden). Vor Ort können keine Schnelltests angeboten werden. Kinder unter sechs Jahren oder noch nicht eingeschult sowie Schülerinnen und Schüler, die im Zuge eines verbindlich schulischen Testkonzepts regelmäßig getestet werden, benötigen keinen 3G-Nachweis. Im Haus ist das Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung für alle Besucher Pflicht. Kinder zwischen sechs und 14 Jahren müssen keine medizinische Maske tragen, eine Alltagsmaske reicht aus.

Zu sehen ist die Ausstellung im Vorwerk, Waldstraße 76, bis zum 26. Dezember, immer zu den Öffnungszeiten mittwochs und sonnabends von 14 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Im Zuge dieser Werkschau veranstaltet das Vorwerk einige begleitende Konzerte und Workshops. Am Sonntag, 24. Oktober, wird Kuratorin Nicole Giese-Kroner eine Führung durch die Ausstellung anbieten, nachmittags um 17 Uhr ist ein literarisches Konzert in der Stadtbibliothek geplant. Weitere Informationen gibt es unter www.syker-vorwerk.de

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