Tafel Syke

Corona und andere Probleme

Zwischenzeitlich war die Ausgabestelle der Syker Tafel geschlossen. Harte Zeiten für die Kunden. Jetzt läuft der Betrieb wieder. Und das ist für die Mitarbeiter nicht ganz leicht.
17.09.2020, 15:55
Lesedauer: 2 Min
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Corona und andere Probleme
Von Micha Bustian

Syke. 38 000 Euro. Eine stattliche Summe, die die Syker Tafel da von der „Aktion Mensch“ überwiesen bekommen hat. Doch mit der Summe war es wie mit einem Tropfen Wasser auf dem sprichwörtlich heißen Stein: Es zischte kurz und dann war nichts mehr übrig davon. Dabei könnte die Tafel durchaus weitere Hilfe gebrauchen. Doch der Reihe nach.

Eine Spende, und dann auch noch eine im fünfstelligen Bereich. Ein warmer Segen, den die „Aktion Mensch“ über der Syker Tafel niedergehen ließ. „Das Meiste davon ist in unsere Gutscheinaktion geflossen“, berichtet Tafelsprecher Ralf Grey darüber, wie die 38 000 Euro eingesetzt wurden. Jeder Tafelkunde erhielt einen dieser Gutscheine – 20 Euro für Erwachsene, zehn Euro für Kinder. „Damit konnten sie in Supermärkten einkaufen gehen, so lange wir geschlossen hatten“, erklärt Grey. Als Ausgleich dafür, dass keine Lebensmittel verteilt wurden. Aber: „Die Gutscheine waren erst fertig, als die Tafel wieder geöffnet hatte.“ Sei‘s drum: Für die Gutscheine gab es ja auch Nudeln, Konserven, Reis und andere haltbare Lebensmittel, die es bei der Tafel eben nicht gibt. „Wir haben ja vornehmlich Gemüse in der Ausgabe.“ Das passte also. Für einen weiteren Teil der Summe schaffte die Syker Tafel ausnahmsweise eben solche haltbaren Lebensmittel an. Extra zur Wiedereröffnung am 11. Mai. „Das hat die Kunden gefreut“, erinnert sich Grey. Überhaupt hätten die Kunden „so darauf gewartet“, dass die Tafel wieder öffnet. „Wir mussten uns fast dafür rechtfertigen, dass wir zwischenzeitlich schließen mussten.“

Den Tafelkunden geht es also mittlerweile besser. Aber die Ehrenamtlichen werden von den Hygienemaßnahmen gestresst. „Sie bringen uns an den Rand der Belastbarkeit“, findet der Tafelsprecher. Die Konsequenz: Die Ausgabestelle am Feuerwehrturm öffnete zwischenzeitlich nur alle 14 Tage. Was wiederum zur Folge hatte, dass sich wegen des notwendigen Abstands lange Schlangen bildeten. „Polizei und Ordnungsamt waren vor Ort“, erzählt Ralf Grey. Auch der Abstand zwischen den ehrenamtlichen Mitarbeitern muss gewährleistet bleiben. „Wir haben viele Ältere hier, das ist eine der Risikogruppen.“ Inzwischen denken die Verantwortlichen darüber nach, zweimal wöchentlich zu öffnen, um das Geschehen zu entzerren.

Doch Covid-19 ist nicht der einzige Stressfaktor. Das Gebäude an der Straße Am Feuerwehrturm macht Sorgen. Das Dach war undicht, dadurch bildete sich im Inneren Schimmel. Der betroffene Raum wurde inzwischen hermetisch abgeriegelt. Zudem läuft immer wieder Wasser in den Keller. Dort aber steht die Heizung, die unter diesen Umständen nicht genutzt werden kann. Ralf Grey stellt sich vor, wie seine Mitarbeiter in Herbst und Winter mit Jacke und Schal durch die Syker Ausgabestelle stromern. „Die Mitarbeiter sollen sich doch wohlfühlen.“ Denn ohne Ehrenamtliche keine Tafel. „Es ist toll, was die Mitarbeiter geleistet haben.“

Doch zurück zur eigentlichen Arbeit der Tafel. Zurück zur Versorgung von finanziell schlechter gestellten Menschen mit Lebensmitteln, die in Supermärkten nicht mehr verkauft würden. Zwei Monate hatte die Syker Ausgabestelle geschlossen, laut Ralf Grey bedeutet das Einnahmeverluste von etwa 8000 Euro. Jetzt, da die Tafel wieder geöffnet ist, gibt es viel Arbeit zu erledigen. Grey schätzt, dass zurzeit etwa fünf Prozent mehr Kunden kommen als vor der Corona-Pandemie. Es gebe keinen Engpass an Lebensmitteln, aber sehr wohl einen Engpass bei der Bearbeitung der Lebensmittel.

„Wir retten pro Jahr 200 bis 250 Tonnen Lebensmittel“, sagt Ralf Grey. „Und wir haben nicht das Gefühl, dass es weniger wird.“ Obwohl während der Corona-Pandemie mehr gespendet wurde als sonst – die Tafel könne nur eine temporäre Lösung sein, „es muss für diese Probleme eine nachhaltige Lösung geben“.

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