Tag der Jugend

Eine Stimme sein

Rassismus und Diskriminierung sind hochaktuelle Themen. In Syke ist für den 9. November ein Tag der Jugend geplant, der sich diesen Themen widmet.
01.11.2020, 17:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing
Eine Stimme sein

Abdelhafid Catruat hat den Tag gemeinsam mit Jugendlichen vorbereitet.

Vasil Dinev

Syke. Einen Tag der Jugend gegen Rassismus und Diskriminierung planen Sykes Stadtjugendpfleger Abdelhafid Catruat und eine Arbeitsgruppe von Syker Jugendlichen. Er soll am Montag, 9. November, von 16 bis 19 Uhr auf dem Rathausvorplatz stattfinden. Unter freiem Himmel, mit viel Musik, persönlichen Begegnungen und Austausch. Der Tag sei dabei nicht zufällig gewählt, berichtet Catruat. Denn am 9. November wird den Novemberpogromen von 1938 gedacht. „Wir wollen mit diesem Tag eine Form schaffen, um auch Jugendliche an diese Gedenkveranstaltungen heranzuführen und sie zu beteiligen“, so Catruat. Daher sei es wichtig gewesen eine Form zu finden, die Jugendliche anspricht.

Die Grundlage für die thematische Gestaltung des Tages haben die Jugendlichen der Arbeitsgruppe selbst gewählt: den dritten Artikel des Grundgesetzes – „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Ein Plakat mit der Aufschrift dieses Artikels haben die Jugendlichen bereits gestaltet. Es wird die Bühne zieren, auf der Musiker wie Frau Mai, Queenwho, Shaggie Schween und Igor Barbossa auftreten. Viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund und eigene Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus, die sich zum Teil auch in ihren Texten wiederfindet. Aber auch die musikalische Qualität komme nicht zu kurz, versichert Catruat: „Das sind keine Anfänger.“

Des Weiteren wird es eine Podiumsdiskussion geben. Moderator Martin Rietsch von der Aktion Liebe Deinen Nächsten aus Hannover spricht und diskutiert mit den Besuchern und einer Reihe von prominenten Gästen über Rassismus und Diskriminierung. Mit dabei sind unter anderem der Soziologe und DHB-Berater Gunter Pilz, die ehemaligen Werder-Spieler Rigobert Gruber und Holger Wehlage sowie Elombo Bolayela, Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft, der 1992 nach seiner Flucht aus dem Kongo in Syke lebte. Zudem wird die Bremer Juristin Ikram Errahmouni-Rimi, Anti-Diskriminierungsberaterin der Polizei Bremen, ein Impulsreferat halten.

Rietsch wird zudem die Foto-Wanderausstellung „Sei eine Stimme“ mitbringen, die von ihm initiiert wurde. Die Ausstellung präsentiert Bilder und Statements für Respekt und Menschlichkeit von Personen aus Politik, Sport, Wissenschaft und Unterhaltung. Sie sollen Impulse für das gesellschaftliche Zeitgeschehen geben und zum Nachdenken anregen. „Ich bin sehr froh, dass diese Ausstellung in Syke präsentiert wird“, sagt Catruat. Die Themen Rassismus und Diskriminierung seien hochaktuell und werden es nach seiner Einschätzung auch bleiben. Umso wichtiger sei eine Auseinandersetzung damit. Dass er mit seiner Idee dieses Tags der Jugend sowohl aufseiten der Verwaltung als auch der Politik sofort auf Zustimmung stieß, stimme ihn daher sehr froh. Auch die Bereitschaft zahlreicher Institutionen und Vereine, diese Veranstaltung mit Infoständen zu unterstützen, sei groß gewesen. Mit dabei sind unter anderem die Polizei, der Verein Intakt, die mobile Beratung Niedersachsen gegen Rechtsextremismus für Demokratie, die Stadtbibliothek, die Filme zum Thema bereithält, und die Jugendfeuerwehr, die zwei große Zelte zur Verfügung stellt, in der die Wanderausstellung an diesem Tag einen Platz finden wird. Catruat würde die Ausstellung auch gern über den Tag hinaus in Syke präsentieren. Ein passender Platz dafür wird derzeit noch gesucht.

Fast drei Monate haben die AG und Catruat das Event vorbereitet. Ganze Klassen haben ihr Kommen bereits angekündigt, Sportvereine Interesse bekundet. Nun hoffen die Organisatoren darauf, dass es stattfinden kann, denn einen „Plan B gibt es nicht“. Einen Live-Stream als Alternative kann sich der Stadtjugendpfleger nicht vorstellen. „Das Thema lebt von der Begegnung und dem direkten Austausch“, sagt er. Und für eine Verschiebung auf ein anderes Datum sei die Thematik des Tages zu eng mit dem 9. November verknüpft. Sollte es daher coronabedingt zu einer Absage der Veranstaltung kommen, kann Catruat sich nur eine Verschiebung auf den 9. November 2021 vorstellen. Er hofft ohnehin, dass aus dem Tag der Jugend gegen Rassismus und Diskriminierung eine jährliche Veranstaltung wird.

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