Tag der Jugend Nicht ausgrenzen, sondern miteinander leben

In Syke findet am 9. November ein Tag der Jugend gegen Rassismus und Diskriminierung statt. Eine Ausstellung, Begegnungen, Diskussionen, Film und Musik sollen Jugendliche ermutigen, ihre Stimme zu erheben.
03.11.2021, 16:18
Lesedauer: 4 Min
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Nicht ausgrenzen, sondern miteinander leben
Von Sarah Essing

Syke. Jetzt aber! Coronabedingt musste der bereits für letztes Jahr geplante Tag der Jugend gegen Rassismus und Diskriminierung abgesagt werden (wir berichteten). Doch in diesem Jahr findet er statt, am Dienstag, 9. November, von 16 bis etwa 19 Uhr. An diesem Tag werde traditionell an die Gräueltaten der Nationalsozialisten erinnert, sagt Sykes Bürgermeisterin Suse Laue. Das sei auch gut so, doch darüber hinaus wolle man an diesem Tag auch einstehen für Demokratie, für Mitmenschlichkeit und gegen Rassismus und Ausgrenzung.

"Wir wollen nicht ausgrenzen, sondern miteinander leben." Die Problematik sei da und man wolle das offen angehen, in Kontakt treten, mit Empathie und in einer Form, die Jugendliche abholt. Und das soll mit diesem Tag der Jugend deutlich werden, wie Stadtjugendpfleger Abdelhafid Catruat bereits im vergangenen Jahr erläuterte: „Wir wollen mit diesem Tag eine Form schaffen, um auch Jugendliche an diese Gedenkveranstaltungen heranzuführen und sie zu beteiligen“, so Catruat. Daher sei es wichtig gewesen, eine Form zu finden, die Jugendliche anspricht. Er hofft, dass viele Jugendliche kommen "und ich freue mich auf einen bunten, tollen Nachmittag."

"Das Konzept ist so geblieben wie im letzten Jahr", sagt Stadtjugendpfleger Abdelhafid Catruat, der den Tag mit einer Arbeitsgruppe von Syker Jugendlichen vorbereitet hatte. "Ich bin froh, dass so viele Partner aus dem letzten Jahr wieder mit dabei sind." Unter freiem Himmel, mit viel Musik, Tanz, persönlichen Begegnungen und Austausch sollen die Besucher nicht nur Impulse bekommen, sondern auch ermutigt werden, selbst ihre Stimme zu erheben: für Demokratie und Mitmenschlichkeit, gegen Rassismus und Ausgrenzung.

Mittelpunkt ist die Foto-Wanderausstellung "Sei eine Stimme", die 2016 von Martin Rietsch von der Aktion Liebe Deinen Nächsten aus Hannover initiiert wurde. Sie präsentiert Bilder und Statements für Respekt und Menschlichkeit von Personen aus Politik, Sport, Wissenschaft und Unterhaltung. "Mittlerweile ist sie auf mehr als 70 Exponate angewachsen", freut sich Rietsch. Die Ausstellung ist auf steter Wanderschaft durch Deutschland. Gezeigt wird sie in Schulen ebenso wie an öffentlichen Orten, zuletzt etwa auf dem Bremer Bahnhofvorplatz. Sie soll Impulse für das gesellschaftliche Zeitgeschehen geben und zum Nachdenken anregen, führt Martin Rietsch aus, der an diesem Tag in Syke dabei sein wird. Sie ist für alle, richtet sich aber speziell an Jugendliche. "Sie sollen ermutigt werden, ihre Stimme zu erheben", so Rietsch – und sie sollen wissen, welche Kraft Worte haben. "Sie können niedermachen oder aufrichten." Passend dazu haben die Besucher Gelegenheit, mit einem Foto und einem Statement selbst aktiv zu werden. Begleitend dazu gibt es verschiedene Programmpunkte, Podiumsdiskussionen, Stände verschiedener Institutionen und ganz viel Musik.

Hip-Hop, R'n'B und Soul

Unter anderem von Dadda Dice. Geboren auf der karibischen Insel Grenada, wanderte er im Alter von 17 Jahren mit seiner Familie nach Deutschland aus. Seine Musik und Melodien kombinieren Reggae und Dancehall mit Elementen aus Pop, R'n'B und Hip-Hop. Seine Texte erzählen Geschichten über Liebe, Leben und Familie. "Fe*Male Treasure", das sind an diesem Tag Mariybu und Rahsa aus einem Kollektiv, das "der musikalische Sand im Getriebe patriarchalischer Strukturen" ist, wie es in der Ankündigung heißt. Quasi ein "Heimspiel" gibt es für Igor Barbosa aus Bassum, der mit Pop, Hip-Hop, Soul und R'n'B für Stimmung sorgen will.

"Dieser Cocktail muss an die Luft", hat sich Ela Fischer gedacht und begonnen, zu singen. Geboren im Senegal, aufgewachsen in Straßburg, landete die heute 36-Jährige vor 15 Jahren in Bremen, ganz in der Nähe ihres norddeutschen Großvaters. Der Singer-Songwriterin ist es ein Bedürfnis, die Menschen zu erreichen und ihnen zu zeigen: Auch Du gehörst dazu. In ihren Liedern thematisiert sie alles: vom menschlichen Jahrmarkt der Gefühle über das dringende Bedürfnis, mal wieder von jetzt auf gleich in den Urlaub zu fahren bis hin zur Diät. "Irgendwann hadert doch jeder mal mit seiner Optik", ist sie überzeugt. Sie hält dagegen – mit Musik und Schokolade. Vier Songs und zwei Slam-Poems hat sie für ihren Auftritt in Syke geplant. Dabei sollte sich das Publikum allerdings nicht allein auf sie verlassen. Ihr Hauptziel: "Das Publikum zum Mitsingen motivieren", sagt sie.

Preisgekrönter Kurzfilm

Ergänzend dazu wird ab 18 Uhr in der angrenzenden Syker Stadtbibliothek der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Kurzfilm "Masel Tov Cocktail" gezeigt, der das Thema Vorurteile und Ausgrenzung aus der Sicht des 16-jährigen Dima erzählt, Sohn russischer Einwanderer, Gymnasiast und Jude. Die Filmpräsentation ist zugleich Teil des Rahmenprogramms der aktuellen Ausstellung "Auf ins Kaff" im Syker Vorwerk und dessen Kuratorin Nicole Giese-Kroner ist "froh, dass wir mitmachen können". Und sie freut sich, dass einer der beiden Regisseure und Co-Drehbuchautor, Arkadij Khaet, vor Ort sein wird, um im Anschluss mit den Besuchern über den Film zu sprechen. Moderiert wird das Ganze vom Journalisten und Filmemacher Axel Brüggemann. Die Filmvorführung läuft unter 3G-Regeln, die Anzahl der Plätze ist auf 40 beschränkt. "Ein spontaner Besuch ist auch möglich", sagt Nicole Giese-Kroner, doch wer sicher gehen will, dass er einen Platz bekommt, um den Film zu sehen, sollte sich anmelden. Anmeldungen werden per E-Mail an stadtbibliothek@syke.de angenommen.

Zur Sache

Das Programm im Überblick:
16 Uhr: Veranstaltungseröffnung durch Bürgermeisterin Suse Laue
16.10 Uhr: Live-Musik: "2schneidig"
16.25 Uhr: „Sei eine Stimme“-Podiumsgespräch
17.30 Uhr: Live-Musik: Igor Barbosa
17.50 Uhr: Live-Musik: Ela Fischer
18.00 Uhr: Beginn Filmvorführung „Mazel Tov Cocktail“
18.10 Uhr: Live-Musik: Dadda Dice
18.30 Uhr: Live-Musik: Rasha und Mariybu ("Fe*Male Treasure")
18.45 Uhr: Finale mit allen Mitwirkenden auf der Bühne

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