Brauchtum Tausende Besucher bei den Osterfeuern in Stuhr und Weyhe

Stuhr. Zahlreichen Brauchtumsfeuer, die am Wochenende abgefackelt wurden, haben ihre Duftmarken hinterlassen. Am meisten war auf dem Mühlenkampgelände in Leeste los, wo traditionell brennende Osterräder den Berg herunterbugsiert wurden.
06.04.2010, 05:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Hauke Gruhn

Stuhr. Wer am Montag einen gemütlichen Spaziergang durch Leeste, Varrel oder Brinkum machen wollte, dem wurde schnell klar, dass das mit dem Frische-Luft-Schnappen so eine Sache ist an Ostern. Die zahlreichen Brauchtumsfeuer, die am Wochenende abgefackelt wurden, haben nämlich unüberriechbar ihre Duftmarken hinterlassen. Am meisten war am Sonntagabend wieder auf dem Mühlenkampgelände in Leeste los, wo traditionell brennende Osterräder den Berg herunterbugsiert wurden. Aber auch andernorts drängten sich die Besucher.

200 Brötchen und 20 Kilogramm Schwarzbrot hatten sich die Damen vom Förderverein Gut Varrel vorgenommen. Nicht, dass Ilse Düssmann, Christa Hopfgarten, Heike von Lührte, Elke Bittkau, Annemarie Reiners und Karin Zittlosen diesen 'Berg' selbst verdrücken wollten - sie zauberten daraus in der Gutsscheune belegte Brötchen und Schmalzbrote für die gut 2000 Besucher. 'Wir machen das schon seit fast 30 Jahren', berichtete Ilse Düssmann. Und Heike von Lührte war ganz begeistert vom bunten Treiben auf dem Gut: 'Hier trifft man sich. Auch viele Weggezogene kommen zum Osterfeuer wieder hierher nach Varrel zurück.'

Draußen auf der wie immer von Landwirt Jens Warneke zur Verfügung gestellten Weide machten sich derweil Werner Müller und Jürgen Timm vom Förderverein daran, die rund 160 Kubikmeter Brennmaterial in Brand zu setzen. 'Der Wind steht günstig', stellte ihr Mitstreiter Frank Schröder fest und öffnete das Osterfeuergelände um Punkt 19 Uhr für die Besucher, die sogleich ans lodernde Warm strömten. 'Vor 14 Tagen hatten wir noch Angst, dass wir nicht genug Material fürs Feuer zusammenbekommen', verriet Schröder. 'Der Winter war so lang, da haben viele noch nicht ihre Bäume und Sträucher im Garten geschnitten.' Doch die Sorge war unbegründet.

Während die Flamme sich bemühte, sich durch das ausgestreute Stroh zum Gestrüpp und Geäst vorzufressen, warfen die Kleinen mit Vorliebe und aus sicherem Abstand Äste ins Feuer. 'Das bringt Spaß!', rief Lukas aus. Der Achtjährige war mit Mutter Denise Ehlers, Vater Mike Schuldt und Brüderchen Jona (5) zum Feuer am Gutsgelände gekommen. 'Das ist ganz schön warm hier - und die Kinder sind total fasziniert', befand die Mama. Aber auch dem kleinen Jona wurde schnell (zu) warm: 'Darf ich die Jacke ausziehen?' Durfte er. Wer es am Feuer gar nicht mehr aushielt, der konnte sich bis 2 Uhr nachts auch bei einem 'kühlen Blonden' in der Gutsscheune akklimatisieren Dazu gab?s musikalische Unterhaltung von den 'Moordieker Jungs & Deerns'.

'Hurra, hurra, die Schule brennt!' Das dürften einige gedacht haben, die in Brinkum aus der Ferne den Blick gen Brunnenweg richteten. Doch nicht die Schule brannte, sondern ein stattliches Osterfeuer unweit des neuen Feuerwehrhauses. Thomas Erdt, stellvertretender Ortsbrandmeister, freute sich über die rund 1400 Besucher und über das passende Wetter: 'Die Wolken haben sich vor Brinkum geteilt. Es läuft alles bestens', berichtete er. Jung und Alt versuchten sich am Stockbrotbacken, zu später Stunde wurde auf der Straße getanzt - und es blieb alles friedlich.

Ein unübersichtliches Menschen-Gewusel hatte sich unterdessen auf das Leester Mühlenkampgelände begeben. 'So 5000 bis 8000 Leute dürften das sein', schätzte Michael Buch, Sprecher der Leester Ortsfeuerwehr. Doch die meisten waren nicht gekommen, um sich am Osterfeuer zu erwärmen - das ist in Leeste fast Nebensache. Hauptattraktion sind dort seit Langem die Osterräder. Der aus Süddeutschland stammende Brauch, Stahlräder mit Heuballen auszustaffieren, diese anzuzünden und das ganze einen Berg herunterzurollen, fand seinen Weg nach Leeste in den 80er Jahren. Mittlerweile wurde vieles perfektioniert. So wurde der Hang zu allen Seiten hin mit Drahtseilen abgesichert - ein Schritt, der sich auszahlen sollte.

Kaum hatte die Nacht über den Tag gesiegt, entfachten um Punkt 20.56 Uhr Ewald Taapken und Detlef Laue von der Aktionsgruppe der Feuerwehr das erste Osterrad. Zielsicher und unter großem Applaus der Menschenmenge hoppelte es den Hang hinunter. Auch Rad zwei, drei und vier hielten sich an den Plan. Denn für die Osterräder-Aktion wurden sogar extra alle Maulwurfshügel auf dem abgesperrten Geländeteil dem Erdboden gleichgemacht. Doch im Schutze der Dunkelheit muss einer der Maulwürfe seine Chance gewittert und einen neuen Hügel hingesetzt haben. Denn Rad Nummer fünf änderte nach wenigen Metern seine Richtung und raste auf die Besucher zu. Bange Augenblicke - aber die Drahtseile taten ihren Dienst. So konnten sich noch alle heil und gesund am Wasserspiel und am großen Feuerwerk zum Schluss erfreuen.

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