Tennis

Lennardt Schröder: Im zweiten Anlauf funkte es richtig

Lennardt Schröder fand als Jugendlicher so richtig zum Tennis und hat in Syke sportlich sein Glück gefunden.
26.05.2020, 18:30
Lesedauer: 5 Min
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Von Thorin Mentrup
Lennardt Schröder: Im zweiten Anlauf funkte es richtig

Druckvoll und mit viel Power: So spielt Lennardt Schröder Tennis.

Thorin Mentrup

Sein erster Anlauf war wie ein Schuss in den Ofen oder – um im sportlichen Kontext zu bleiben – ein Aufschlag ins Netz. Dem Tennissport blieb Lennardt Schröder nämlich nicht lange treu. „Wir haben beim Training eigentlich immer nur Fußball gespielt. Das hatte mit Tennis nicht so viel zu tun“, erinnert er sich an die Anfänge. Das war nichts für den damals jungen Lennardt. Er legte den Schläger nach nicht einmal zwei Jahren wieder zur Seite. Doch der Syker fand noch einmal den Weg zurück zur Anlage des Tennisvereins von 1905 Syke. Jahre später war das, als 14-jähriger Teenager. Und dieses Mal blieb Schröder. Noch heute schlägt er für den Tennisverein in der Herrenmannschaft auf, hat zudem bei Turnieren mehrfach seine Klasse gezeigt. Ein Leben ohne Tennis ist für den heute 30-Jährigen nicht mehr vorstellbar.

Doch warum hat es zwischen Lennardt Schröder und dem Tennis auf den zweiten Blick dann so richtig gefunkt? Ein Grund dafür war Jens Kirchheck, der inzwischen zum Vereinstrainer der Syker aufgestiegen war und noch heute diesen Posten bekleidet. „Bei Jens ist das Schöne gewesen, dass er sein Training damals schon sehr familiär aufgebaut hat. Er hat mir außerdem angeboten, dass ich drei-, viermal pro Woche mit den anderen Jugendlichen trainieren kann. Ich war also fast jeden Tag auf der Anlage. Das war schön, weil ich einfach Lust auf Tennis hatte“, erzählt Schröder, dass ihn Coach und Atmosphäre packten. Dass Sport eine durchaus wichtige Rolle in seinem Leben spielt, ist wahrlich nicht verwunderlich, denn er liegt in der DNA der Schröders. Lennardts Mutter Claudia war selbst Tennisspielerin, aber auch beim Tischtennis richtig stark und erfolgreich sogar bei Deutschen Meisterschaften. Auch Vater Jürgen war ein sportliches Multitalent und im Zehnkampf aktiv. „Die Grundvoraussetzungen waren also nicht so schlecht“, sagt der Berufssoldat und lacht. Er hatte zwar auch Fußball und Golfen ausprobiert, „aber Tennis war der Sport, der mir am meisten gefallen hat“.

Verbandsliga-Titel mit der U18

Und dieses Mal blieb er ihm auch treu. Schröder wurde schnell immer besser, half noch als Jugendlicher in der Herrenmannschaft aus, spielte aber auch auf Bezirks- und Verbandsmeisterschaften, sammelte dabei ein paar Medaillen ein. Einer seiner größten Erfolge war die Verbandsliga-Meisterschaft mit der Syker U18-Mannschaft. An Schröders Seite spielten damals Christoph Semrau und Joris Beckmann. Wer den Tennisverein Syke schon länger verfolgt, der wird aufhorchen: Dieses Trio bildet auch heute noch den Kern der ersten Herrenmannschaft. Einige Zeit nach dem U18-Titel stieß dann auch der Vierte im Bunde hinzu: Fabian Tinzmann. „Mit den Jungs macht es wirklich großen Spaß. Wir spielen jetzt so lange zusammen, ohne sie kann ich es mir kaum noch vorstellen“, weiß Schröder nur zu gut, was er an seinen Mitspielern, aber auch an Trainer Kirchheck hat. Nämlich nicht nur dasselbe Interesse am Tennis, sondern vor allem auch Freunde.

Das ist auch ein Grund dafür, warum er den Tennisverein Syke nie verlassen hat. „Es gab teilweise Angebote, woanders hinzugehen, nach Barrien oder nach Bremen. Aber hier aus Syke hat mich nichts weggezogen. Die anderen Vereine haben mich deshalb nicht so gereizt.“ Das Familiäre beim Sport sei für ihn immer wichtig gewesen. Und das ist es noch heute. „Syke ist mehr ein Breitensportverein. Das ist genau das Richtige für mich. Andere Vereine gehen mehr auf Leistung. Das ist auch okay, aber das war auch beruflich für mich kein Thema mehr, als ich 18 Jahre alt war“, erklärt Schröder. Drei Jahre lang war er in Lüneburg stationiert, spielte dort aber natürlich auch Tennis. „Da fing das gerade mit dem ganzen Turnierleben an“, erinnert er sich. Unter anderem in Hamburg schlug er einige Male auf. Das sei eine spannende Zeit gewesen, denn er habe viele neue Spieler kennen gelernt. Das macht für Schröder auch generell den Reiz des Sports aus: „Jeder spielt sein eigenes Tennis. Den Sport kann man ja nicht generalisieren. Mancher spielt ruhiger und langsamer, andere greifen direkt an. Da spielen so viele Eigenschaften mit rein.“ Und sein eigener Stil? Wie spielt er Tennis? „Meinen Spielstil würde ich als sehr kraftvoll und mit sehr viel Power beschreiben“, erklärt er. Sehr viel Druck, sehr viel Spin. Ein Angriffsspieler, der die Ballwechsel bestimmen und nicht allzu lang halten will. Zumindest dann, wenn es ernst wird. „Im Training spiele ich schon gern lange Ballwechsel. Das ist dann aber auch etwas anderes“, weiß Schröder.

Wenn es tatsächlich mal Spitz auf Knopf steht und es um spielentscheidende Punkte geht, dann kann der Syker meist noch einen Gang höher schalten. Dafür hat er keine festen Rituale wie etwa der spanische Weltstar Rafael Nadal, der vor jedem Aufschlag Ohren, Nase, Schultern und Hose in fester Reihenfolge berührt. Trotzdem gelingt es dem 30-Jährigen, sich voll und ganz auf die nächsten Ballwechsel zu fokussieren, noch einen Tick genauer zu spielen, den Ball noch ein bisschen besser zu treffen als zuvor. Dabei spielt der Schriftzug, der die gelben Filzbälle ziert, eine entscheidende Rolle, denn genau den fokussiert Schröder, wenn das Spielgerät auf ihn zufliegt. Auch er weiß: Ganz genau ausmachen kann man die Zeichen auf dem Ball natürlich nicht, dafür dreht sich dieser einfach zu schnell. „Aber das Auge sucht den Schriftzug die ganze Zeit und fixiert den Ball noch viel mehr. Dann trifft man ihn auch besser“, verrät er sein Geheimnis.

Mit Bruder Bendix auf dem Platz

Dass dieser Kniff funktioniert, hat Schröder schon einige Male unter Beweis gestellt. Im vergangenen Sommer gewann er etwa sein Heimturnier in Syke, aber auch die Huder Open, als er sich im Endspiel im dramatischen Matchtiebreak mit 14:12 gegen Alexander Krafft vom TV Varel durchsetzte. Dabei hatte Schröder in den Jahren zuvor nur noch wenige Turniere gespielt. „Dass sich das jetzt geändert hat, liegt an meinem Bruder Bendix“, verrät er. Und auch jetzt dürfte es bei Beobachtern der Tennisszene wieder Klick machen. Genau: Gemeint ist Bendix Schröder, eines der Top-Talente beim Barrier TC. „Er ist jetzt schon viel erfolgreicher als ich. Wir haben häufig gespielt. Ich habe schon oft gegen ihn verloren“, sagt der große Bruder. Die regelmäßigen Familien-Duelle aber haben den Tennishunger Schröders noch weiter angeheizt. Also spielte er wieder Turniere – und holte direkt Titel. „Das ist natürlich schön, aber nicht das Wichtigste für mich. Der Ehrgeiz, gewinnen zu wollen, ist immer da, aber der Spaß ist mehr wert. Ich verliere lieber 100 Spiele in Folge, habe aber Spaß am Spiel gehabt als zu sagen, ich muss jetzt jedes Spiel gewinnen, koste es, was es wolle.“ Zum Tennisspaß zählen auch die gemeinsamen Urlaube mit den Teamkollegen. Das ist dann – wie zuletzt in Portugal – Freundschaftspflege und Saisonvorbereitung in einem, auch wenn die Corona-Pandemie erst einmal dazwischengefunkt hat.

Mittlerweile darf er aber wieder auf dem Platz stehen. Seit einigen Wochen ist das Training wieder erlaubt. Sogar Punktspiele will der Tennisverband Niedersachsen-Bremen in diesem Sommer austragen. Wenn es dann aber wieder auf dem Platz losgeht, will Lennardt Schröder mit seinen Syker Jungs Semrau, Tinzmann und Beckmann eine ordentliche Rolle in der Verbandsklasse spielen. Da er beim Tennisverein der besten Leistungsklasse, nämlich 7, angehört, trifft er dann an erster Stelle auf die Topspieler der anderen Teams. „Die Gegner sind stark“, weiß er. Diesen wird sich Schröder jedoch stellen – mit einer gesunden Portion Ehrgeiz, aber noch mehr Spaß. Denn genau dieser ist für ihn das Salz in der Tennissuppe.

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