Twistringen hat neuen Ortsbrandmeister

Tschö, Titzi

Klaus Krebs beerbt Matthias Harms als Ortsbrandmeister in Twistringen. Was Matthias Harms mit seiner gewonnen Zeit macht und wieso Klaus Krebs das Zeug zum Anecken hat und dennoch der richtige ist.
06.07.2018, 09:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Dominik Albrecht
Tschö, Titzi

Haben gut lachen: Klaus Krebs (l.) übernimmt, dank tüchtiger Mitstreiter, nur zu gerne den Posten von Matthias Harms. Letzterer nutzt die gewonnen Freizeit, um sich unter anderem wieder mehr dem Motorradfahren zu widmen.

Sebi Berens

Twistringen. "Wir wissen, dass du etwas ganz Besonderes bist." Das sagte Klaus Krebs über Matthias "Titzi" Harms Ende Juni. Anlass war die Amtsübergabe des Postens als Ortsbrandmeister, den Klaus Krebs ab sofort bekleidet. Was Matthias Harms mit seiner gewonnen Zeit macht und wieso Klaus Krebs das Zeug zum Anecken hat und dennoch genau der Richtige ist.

Mit 24 Jahren ist Matthias Harms nach eigenen Aussagen relativ spät zur Feuerwehr gekommen. "Bei uns in der Familie gab es keinen, der etwas mit der Feuerwehr am Hut hatte." Da Harms durch Schule und Studium weniger Zeit mit technischen Spielerein verbrachte, als er es gerne getan hätte, nahm er das Angebot eines Bekannten gerne an, ihn einmal zur Twistringer Feuerwehr zu begleiten. Aus dem Besuch wurde eine Mitgliedschaft. Diese wiederum reichte bis zum Posten des stellvertretenden Ortsbrandmeisters, bis Matthias Harms vor zwölf Jahren schließlich selber zum Ortsbrandmeister ernannt wurde. Doch jetzt tritt Harms getreu des Mottos "wenn es am Besten ist, sollte man gehen" zurück. "Ich habe es lange genug gemacht. Die Konstellationen sind gut. Man reibt sich auf und jetzt kann man es in jüngere Hände übergeben." Denn, nur weil es jetzt gut laufe, müsse das in den nächsten drei Jahren nicht auch noch so sein. Zu einer weiteren Wahlperiode von sechs Jahren wollte sich das Urgestein der Twistringer Wehr nicht mehr stellen. "Und ich hatte nie vor, als Ortsbrandmeister in Rente zu gehen. Ich habe lieber, dass die Leute sagen ,Mensch, schade, dass du gehst' als wenn es nach dem Motto ,wird Zeit, dass du gehst' läuft", schildert Harms.

Aber Matthias Harms bleibt der Feuerwehr treu, ist noch auf sechs Jahre als Stadtsicherungsbeauftragter gewählt. Dennoch bleibe mehr Freizeit. "Da wird mich meine Frau schon einspannen", merkt Matthias Harms augenzwinkernd an. Generell gehe es aber darum, ein wenig Ruhe ins Leben zu bringen – und vielleicht wieder öfter Motorrad zu fahren.

Die Führung der 75 aktiven Mitglieder obliegt nun also seinem Nachfolger Klaus Krebs. Matthias Harms ist glücklich, dass Krebs sein Erbe antritt: "Er hat das absolute Fachwissen, dass er auch nicht für sich behält, sondern es weitergibt, und den Weitblick, wie sich Sachen entwickeln." So sei gewährleistet, dass das Wissen auf breiter Ebene vertreten sei. "Und durch seine berufliche Verwicklung in die Feuerwehr-Thematik ist Klaus Krebs stets am Zahn der Zeit", fügt Harms an. Jetzt aber genug der Vorschusslorbeeren. Wer ist Klaus Krebs denn nun und wieso fiel die Wahl auf ihn? "Ich muss wohl irgendwie gute Arbeit geleistet haben", sagt Krebs bescheiden und schmunzelt. Den Weg zur Feuerwehr fand das Mitglied der Werksfeuerwehr eines namhaften Bremer Automobilherstellers ebenso, wie schon viele seiner Kollegen, über den Vater, der sich schon für die Wehr engagierte. Dabei ist Klaus Krebs übrigens wahrscheinlich mehr Twistringer, als manch anderer, ist er hier sogar geboren. "Als es hier damals noch ein Krankenhaus gab", sagt er. Mit 16 Jahren erlag der Twistringer dem Charme und dem Reiz der Technik, die bei den Blauröcken zum Einsatz kommt. Seit Beginn seiner Karriere bei der Feuerwehr war Krebs mit den Ambitionen gefüllt. "Damit eckt man als junger Mensch zwar auch schon mal ein wenig an, macht sich so aber auch einen Namen", erinnert er sich an Begegnungen mit den "alten Hasen".

Seitdem habe sich viel verändert. Allen voran in der Ausrüstung. Damals habe es zwei Fahrzeuge und vier Atemschutzgeräte gegeben. "Wir sind damals mit Blaumann, Gummistiefeln und schwarzen Helmen ins Gebäude gerannt. Das kann man mit heute gar nicht mehr vergleichen", blickt der ausgebildete Feinblechner zurück. Mit der Zeit haben sich die Gebäude verändert, die Alarmierung optimiert, die Ausstattung verbessert. Auch Krebs ist seinen eigenen Ambitionen treu geblieben und persönlich gewachsen. Die Grundausbildung, Fortbildungen zum Trupp- Gruppen- und Zugführer, die Führung von Verbänden und weitere Lehrgänge festigten sein Know-How.

2006 dann die Beförderung zum stellvertretenden Ortsbrandmeister, zuvor war er schon zwölf Jahre als Zugführer tätig. Satte 24 Jahre hat Krebs nun schon Führungsaufgaben übernommen. "Und seit neun Jahren bin ich stellvertretender Stadtbrandmeister – auch das noch", fasst Krebs zusammen und lacht. Ans vorzeitige Aufhören hat der Twistringer dabei nie gedacht. "Nee, das gibt's nicht", wirft auch Matthias Harms ein und schließt diese Möglichkeit kategorisch mit Blick auf die "Familie Feuerwehr" aus. Zu seinen schönen Momenten zählt Klaus Krebs die regelmäßige Bestätigung durch gut verlaufene Einsätze. Immer wieder stemme das Team die größten Herausforderungen, ohne das Außenstehende den Aufwand hinter den Einsätzen wirklich mitbekommen würden. Wie zum Beispiel bei einem Brand, der eine 70 mal 30 Meter lange Halle bedrohte. "Da ist ein wahnsinnig großer Gebäudekomplex erhalten geblieben und das zwei mal", betont Krebs. Dies seien die wahren Erfolge und bestätigungen, "dass man eine vernünftige Truppe hat".

Unter Klaus Krebs' Führung soll sich daher auch nicht viel ändern. "Wir sind auf einem Stand, an dem wir alles gut halten und festigen können", bestätigt er. Was hingegen wichtiger und sicher ausgebaut werde, sei die interkommunale Zusammenarbeit. Eine Entwicklung, die der neue Ortsbrandmeister jedoch begrüßt, wie er verrät: "Das ist eine super Sache, das machen wir in den Lehrgängen mittlerweile auch. Anders würde das ganze System auch gar nicht mehr funktionieren." Wenn dann doch mal Zeit fernab der Feuerwehr bleibt, stellt sich der dreifache Vater und Opa für die Altliga des SC Twistringen ins Tor. Hobbymäßig, wie er betont und lacht: "Das ist aber nur freitagabends hinfahren, nichts zu sagen haben, ins Tor stellen und Mecker kriegen."

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