Umweltminister Lies besucht Biolandhof

Das Komplettpaket

Im Zuge seiner dreitägigen Sommerreise hat der Niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Mittwoch den Biolandhof Voigt in Syke-Gessel besucht. Dabei bekam er nicht nur einen Hofrundgang.
29.07.2020, 18:03
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Das Komplettpaket
Von Tobias Denne
Das Komplettpaket

Angeregt tauschten sich Umweltminister Olaf Lies (Zweiter von links) und Jochen Voigt am Mittwoch während des Besuchs auf dem Bio-Hof in Gessel aus.

Michael Galian

Syke-Gessel. Jochen Voigt stellt direkt klar: „Wir sind eine Hofgemeinschaft.“ Denn nicht nur der Biolandhof in Gessel befindet sich auf dem Gelände, sondern auch das Hofrestaurant der Familie Wolters und die Frische-Kiste. Viele Köche für einen guten Brei also. Und den wollte sich Olaf Lies (SPD), Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, mal genauer anschauen. Im Zuge seiner dreitägigen Sommerreise besucht er verschiedene Stationen querbeet in Niedersachsen. An diesem Mittwoch war der Biolandhof an der Reihe. Vor Ort wurden dazu noch gleich zwei Projekte präsentiert. Das Komplettpaket sozusagen.

Lies ließ sich nicht nur von Jochen Voigt über den Hof führen und zeigen, was die Hofgemeinschaft aufgebaut hat, sondern nahm sich auch die Zeit, um verschiedene Themen zu diskutieren. "Die Herausforderung besteht zwischen dem Naturschutz und dem Artenschutz. Wir müssen mehr erreichen, weil vielleicht nicht wir damit konfrontiert werden, sondern die Generation nach uns", sagte der Minister während des Rundgangs. Denn gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie gefragt plötzlich regionale Produkte sind. Auch deshalb haben sich Landesregierung, Landvolk, Landwirtschaftskammer sowie Natur- und Umweltverbände jüngst auf den "Niedersächsischen Weg“ verständigt. "In dem gemeinsamen Vertrag verpflichten sich alle Beteiligten zu großen Anstrengungen bei Natur- und Artenschutz, bei Biodiversität und beim Umgang mit der Ressource Landschaft", heißt es dazu. Lies sagte, dass, wenn alles gut läuft, die ersten Umsetzungen hinsichtlich Gesetzesänderungen in den kommenden Monaten folgen könnten.

Sein Ministerium und das von Barbara Otte-Kinast (Niedersächsische Landwirtschaftsministerin) haben zudem eine Ökolandquote von 15 Prozent bis zum Jahr 2030 ausgerufen – ein Teil des angesprochenen Weges. „Das hat eine spannende Debatte ausgelöst“, gab Lies zu. Denn zwar seien viele Menschen bereit zu sagen, dass sie etwas ändern wollten, aber der Alltag sehe dann doch ein wenig anders aus. Die Frage, die sich stellt, ist zudem, ob der Markt sich schneller entwickelt als die Gesellschaft. „Wir müssen beim Bürger ein Bewusstsein dafür schaffen und mehr regionale Produkte bei den Händlern anbieten“, sagte er. Klar: Ausschließlich regionale Produkte gehen natürlich auch nicht, aber „wir sollten den Weg gemeinsam gehen“.

Wie das aussehen kann, das schaute sich Lies nun in Gessel an. Denn bereits vor knapp 30 Jahren stellte Voigt den Betrieb auf Bio um, weit vor dem jetzigen Trend. Mittlerweile hat sich das System etabliert, allein die Frische-Kiste wird von knapp 1200 Haushalten bezogen. In dieser Box landen selbst angebaute Produkte, die direkt vor die Haustür geliefert werden. In Gessel wird auf zwei Hektar Gemüse angebaut, acht Hektar werden als Ackerland genutzt und neun Hektar sind dem Grünland vorbehalten. „Viel Platz für Grünzeug“, sagte Voigt und lachte.

Er merkte aber auch an, dass es einen Markt für regionale Produkte geben muss. Sein Beispiel: die Schwarzwurzel. So würden im Hofladen zwischen einem und zwei Kilogramm pro Woche verkauft, durch die Frische-Kiste seien auch mal insgesamt 300 Kilogramm drin – verteilt natürlich. „Es muss sich lohnen, Kulturen zu erhalten“, sagte er. Immerhin muss der Betrieb auch wirtschaftlich sein. Olaf Lies bestätigte: „Ohne Vermarktung macht so etwas keinen Sinn.“ Beide tauschten sich über Probleme bezüglich Förderungen, Grünlandumbruch oder die Vermessung von Nutzflächen aus. Immer wieder Thema war ebenfalls die Biodiversität, immerhin ist die Landwirtschaft eine der Hauptverursacher dafür, dass Arten sterben.

Dass sich dahingehend etwas tut, zeigen gleich zwei Projekte, die dem Umweltminister bei Kaffee und Schorle vorgestellt wurden. Zum einen plant das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (Kön), das übrigens auch Lies' Besuch organisiert hatte, eine E-Learning-Plattform aufzubauen, um Landwirte bei der Biodiversität fortzubilden. Derzeit gebe es, teilt Carolin Grieshop vom Kön mit, zu wenig Menschen, die fortbilden können. Angedacht ist eine Plattform mit 80 Kurzfilmen.

Das zweite Projekt befindet sich bereits in der Umsetzung und trägt den Namen Finka (Förderung von Insekten im Ackerbau). Leen Vellenga vom Kön und Vera Kühlmann (Netzwerk Ackerbau Niedersachsen) sollen Lösungsstrategien zur Förderung der Biodiversität von Insekten erarbeiten. Dazu werden in den kommenden Monaten 30 Betriebspaare in ganz Niedersachsen gebildet, die zusammenarbeiten. Wichtig hierbei: Es ist immer ein konventioneller und ein ökologischer Betrieb. Die konventionellen verzichten dabei auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, im Gegenzug bearbeitet der ökologische Hof die Unkrautregulierung mechanisch. „Wir wollen einen Austausch erreichen und in den Kontakt mit den Landwirten treten“, sagt Vellenga. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Georg-August-Universität in Göttingen sowie dem Landvolk Niedersachsen. Seit April sind die beiden Initiatoren auf der Suche nach Betriebspaaren, die mitmachen. Das Projekt läuft bis Ende 2025. Lies erkundigte sich nach der Akzeptanz unter den Landwirten. „Die gehen das Risiko ein und wollen das tragen“, sagte Vellenga. Ob es auch die breite Masse an Landwirten trägt, das werde man sehen. Lies zeigte sich optimistisch: „Es wird Veränderungen bei den Pflanzenschutzmitteln geben. Wir brauchen Methoden und Lösungen und andere Formen der Bearbeitung.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+