VNB und Diakonie wollen mit dem Mentoringprojekt „Chancenwerk“ Berufs- und Ausbildungschancen erhöhen

Unterstützung für Flüchtlinge

Landkreis Diepholz. Michael Röder nennt ein negatives Beispiel, das Beispiel eines minderjährigen Flüchtlings aus Syrien. Der junge Mann habe nach dem Durchlaufen der Sprachlernklasse an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Syke tatsächlich einen Ausbildungsplatz ergattert.
21.10.2016, 00:00
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Unterstützung für Flüchtlinge
Von Micha Bustian

Landkreis Diepholz. Michael Röder nennt ein negatives Beispiel, das Beispiel eines minderjährigen Flüchtlings aus Syrien. Der junge Mann habe nach dem Durchlaufen der Sprachlernklasse an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Syke tatsächlich einen Ausbildungsplatz ergattert. „Doch in der Schule stieß er an Grenzen, wusste nicht mehr weiter.“ Also brach er seine Lehre ab. „Seine Chancen wären mit einer Begleitung besser gewesen“, meint Röder. Und deshalb hat sein Arbeitgeber, der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB), jetzt gemeinsam mit der Diakonie des Kirchenkreises Syke-Hoya das Projekt „Chancenwerk“ aus der Taufe gehoben. Die Einführungsveranstaltung wird am Dienstag, 8. November, ab 18 Uhr im Gemeindehaus Lahausen, Kleiberweg 31, stattfinden.

Das „Chancenwerk“ will Flüchtlingen einen Mentoren an die Seite stellen. Am besten einen berufserfahrenen Mentoren. Die Idee kommt aus Hannover, VNB und Diakonie haben lange daran gefeilt, wie es hier, im nördlichen Landkreis Diepholz, umgesetzt werden kann. Jetzt ist das Konzept fertig. Flüchtlings-Sozialarbeiterin Sarah Wieneke erklärt: „Optimal wäre es natürlich, wenn der Mentor aus dem gleichen Bereich käme, in dem der Flüchtling arbeiten möchte. Aber das ist keine Voraussetzung.“ Die Intensität, in der die Mentor und Mentee zusammen arbeiten, werde von Fall zu Fall ausgehandelt. Ziel: „Die Flüchtlinge sollen so selbstständig werden, dass sie in ihrer Ausbildung und im Beruf selber bestehen können.“

Wie schwierig das ist, davon kann Anderneskel Yohannes ein Lied singen. Der 26-Jährige ist aus Eritrea geflohen. Er hat an den BBS Deutsch gelernt, drei Praktika als Tischler, Automechaniker und Buchbinder gemacht. Beim dritten Versuch überzeugte „Andit“, wie ihn alle nennen, und erhielt einen Ausbildungsvertrag. Nun fährt er von seinem Wohnort entweder zur Berufsschule nach Oldenburg oder zum Betrieb in Achim. „Es gefällt mir gut“, sagt er. „Aber die Sprache ist schwer.“ Ein Punkt, an dem ein Mentor ansetzen könnte.

Eine Liste von etwa 15 Flüchtlingen hat Marlis Winkler, die Geschäftsführerin der Diakonie, bereits für das „Chancenwerk“ vorliegen. Alle seien zwischen 17 und 27 Jahre alt. Alle haben signalisiert, dass sie Unterstützung gebrauchen könnten. Ein paar von ihnen werden auch am 8. November in Lahausen dabei sein. Dort hofft Winkler, zahlreiche Interessierte anzutreffen. Sie versucht, Berührungsängste zu nehmen. Die Mentoren sollen vorab einen Einführungs-Workshop erhalten, darüber hinaus Weiterbildungsmöglichkeiten und monatliche Netzwerktreffen. Und auch Betriebsbesuche seien nicht ausgeschlossen. Es soll aber auch darauf geachtet werden, dass Mentor und Mentee zueinander passen – sowohl charakterlich als auch fachlich. „Wir bauen die Brücke“, verspricht Marlis Winkler, „wir brechen das Eis.“

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