Schwarme

Verkannt, verraten, vergessen

Schwarme. „Wenn Farbe und Linien sich lösen, kann Farbe Klang erzeugen“– diesem Ausspruch des französischen Malers Emile Bernard folgend, brachten der Kunsthistoriker Detlef Stein und der renommierte Jazztrompeter Uli Beckerhoff einem gespannt lauschenden Publikum am Sonnabend im Roberts Huus in Schwarme einen Maler näher, der für viele bereits in Vergessenheit geraten ist. Noch bis zum 31.
11.05.2015, 00:00
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Von BÄRBEL RÄDISCH

„Wenn Farbe und Linien sich lösen, kann Farbe Klang erzeugen“ – diesem Ausspruch des französischen Malers Emile Bernard folgend, brachten der Kunsthistoriker Detlef Stein und der renommierte Jazztrompeter Uli Beckerhoff einem gespannt lauschenden Publikum am Sonnabend im Roberts Huus in Schwarme einen Maler näher, der für viele bereits in Vergessenheit geraten ist. Noch bis zum 31. Mai ist in der Bremer Kunsthalle in Kooperation mit den Musées d’Orsay et l’Orangerie in Paris die Ausstellung zu sehen „Emile Bernard am Puls der Moderne“.

„Gelingt es einem so kleinen Verein wie der ,Eule’ in Schwarme, Publikum zu gewinnen für eine in der Bremer Kunsthalle mit Begeisterung aufgenommene Veranstaltung? Ich war mir nicht sicher“, gab Elke Brückner vom Heimat-Umwelt- und Kultur-Verein zu. Aber am Ende des Abends hatte sie allen Grund zum Strahlen. Die Resonanz des Publikums war ausschließlich positiv. Marlies Behrmann aus Schwarme hat schon Seminare Steins an der Bremer Universität besucht. „Ich bin ein Fan von ihm“, betonte sie. Zwei Freundinnen riefen noch im Hinausgehen: „Wir werden uns die Ausstellung in Bremen ganz bestimmt ansehen.“

Emile Bernard (1868-1941) war Sohn eines Textilhändlers aus Lille. Als 16-Jähriger begann er ein Studium an einer Malschule in Paris. Wenig später lernte Bernard Vincent van Gogh kennen. Die beiden freundeten sich an und malten gemeinsam gleiche Motive. An Beispielen zeigte Detlef Stein die unterschiedliche Sicht- und Malweise der Freunde. Bevorzugte van Gogh noch den Pointilismus, sind es bei Bernard geschlossene Flächen in geometrischer Abstraktion. Die beiden Künstler porträtierten sich auch gegenseitig.

Uli Beckerhoff entlockte seiner Trompete eine muntere Weise, die unterstrich, zwei Malerfreunde hatten sich gefunden. Mit Dämpfer und jazzigem Sound untermalte er hingegen eine düstere Straßenszene. Bei einem Aufenthalt im Künstlerdorf Pont-Aven in der Bretagne lernte Bernard den Paul Gauguin kennen. Die Eindrücke in der Bretagne inspirierten Bernard dazu, Neues in der Malerei auszuprobieren. Mit senkrechten und horizontalen Linien neben großen Flächen strebte er ein harmonisches Ganzes an und brachte so den Symbolismus in die Malerei. „Farbe soll Seelenzustände schaffen“, so seine Aussage zum Bild, wo Frauen an einem Fluss sitzen. Mit Musik vom Synthesizer und der Trompete begleitete Beckerhoff den Blick der Frauen in die Ferne, ließ Farben und Töne verschmelzen, Sehnsucht erzeugend.

Käufer für seine Bilder zu finden, gelang Bernard allerdings nicht. Seinem vom Symbolismus geprägten Malstil schloss sich nun aber auch Gauguin an. Als ein Kunstkritiker ihn und nicht Bernard als den Schöpfer dieser Kunstrichtung propagierte, stellte Gauguin den Fehler nicht klar. Es kam zum Bruch der Freundschaft und Bernard wendete sich vom Avantgardisten nun der traditionellen Malerei christlicher Renaissancemotive zu. „Durch den Verrat des Freundes hatte er den Mut, nicht mehr populär sein zu wollen“, so die Kuratorin der Bremer Ausstellung, Dorothee Hansen, „und das, wo er heute als Wegbereiter der Moderne gilt.“

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