Korbball

Verrückt nach Korbball

Für Familie Boschen aus Heiligenfelde spielt der Sport eine große Rolle. Während die beiden Töchter Vanessa und Jasmin dem Korbball verfallen sind, schlägt das Herz des Vaters Bernd für den Fußball.
13.03.2019, 15:11
Lesedauer: 3 Min
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Verrückt nach Korbball
Von Nastassja Nadolska

Heilgenfelde. Der Sport hat bei Familie Boschen schon immer eine große Rolle gespielt. Während sich die beiden Töchter Vanessa und Jasmin schon im Grundschulalter dem Korbball widmeten, schlug das Herz des Familienvaters Bernd dagegen für den Fußball. „Seit über 40 Jahren spiele ich beim TSV Süstedt und habe mit der Mannschaft vieles erreicht“, berichtet er. Voller Leidenschaft hat er sich in dieser Zeit dem Verein gewidmet – nicht nur als Spieler, sondern seit fünf Jahren auch als Trainer. „Ich hatte mir eine kleine Auszeit gegönnt. Als der Verein auf mich zukam und mich fragte, ob ich die Erste Herren übernehmen möchte, habe ich sofort ja gesagt“, erzählt der 53-Jährige, der sich Anfang des Jahres einer neuen Herausforderung gestellt hat.

Nachdem sich die Korbballerinnen vom SV Heiligenfelde im Januar von Trainer Matthias Kobs getrennt hatten, übernahm Bernd Boschen als Quereinsteiger die Übungsleitung. „Anfangs war ich noch am Überlegen, meine Hauptaufgabe liegt ja beim TSV Süstedt. Aber ich wollte der Mannschaft unbedingt helfen“, erklärt der 53-Jährige seinen Schritt. Denn die Heiligenfelderinnen waren zu diesem Zeitpunkt akut abstiegsbedroht. „Die anderen Mannschaften waren uns in Sachen Training einfach einen Schritt voraus. Der Leistungsunterschied hat sich in den Spielen irgendwann bemerkbar gemacht“, berichtet die 24-jährige Vanessa. Ihren Vater nahm sie immer mit zu den Spielen, auch weil die jüngere Tochter Jasmin bei der Zweitvertretung des SV Heiligenfelde spielt. „Er hat gesehen, dass bei uns vieles falsch läuft und kam nach den Spielen direkt zu mir. Manchmal sind wir da auch aneinander geraten“, sagt Vanessa schmunzelnd.

Ihre Schwester Jasmin war dagegen überrascht, als sie hörte, dass ihr Vater die Korbballerinnen bis zum Ende der Saison trainieren möchte. „Im Herzen ist er ja Fußballer. Deswegen war ich etwas verwundert. Aber das tut der Mannschaft mit Sicherheit ganz gut“, glaubt die 19-Jährige, deren Vater sie gerne bei sich im Team gehabt hätte. „Ich weiß, was sie drauf hat. Allerdings ist sie in der zweiten Mannschaft schon eingespielt“, bedauert der SVH-Coach.

Dass der Vater einer Spielerin den SVH trainieren soll, war für die restlichen Korbballerinnen im Team kein Problem. „Da gab es keine kritische Stimmen. Für mich war es wichtig, dass die Verhältnisse klar geregelt sind“, erklärt der 53-Jährige. Erfahrungen als Trainer im Korbball hatte Boschen bisher noch nicht gesammelt. Als erfahrener Fußballtrainer arbeitete er zunächst an der Kondition seiner Spielerinnen. „Zwischendurch habe ich mich schlau gemacht, welche Spielsysteme und Trainingseinheiten es im Korbball gibt und diese nach und nach eingebaut.“

Die Investition sollte sich am sechsten Spieltag der Korbball-Niedersachsenliga bezahlt machen. Mit seinen Heiligenfelderinnen feierte der neue Trainer gleich zwei Siege, unter anderem auch gegen die eigene Zweitvertretung. „Ein gelungener Start“, wie Boschen beschreibt. Dass seine jüngere Tochter Jasmin zu den Gegnern gehörte, blendete der erfahrene Trainer komplett aus. „Man hat schon gemerkt, dass es ihn in diesem Moment egal war. In manchen Situationen war es für mich schon komisch“, gibt die 19-Jährige zu. Ihre Schwester Vanessa habe während des Spieltages ebenfalls gemerkt, dass ihr Vater in dieser Zeit nicht der Papa, sondern der Trainer war. „Er ist mit allen gleich umgegangen. Das einzige, was etwas blöd war, war die Kritik, die er gegen mich geäußert hat, wenn ich was falsch gemacht habe. Das war schon irgendwie anders als sonst“, erzählt die 24-Jährige. Doch alle drei kämen mit der Situation ganz gut klar, „das gehört zum Sport dazu“, weiß Bernd.

Sein Ziel zu Beginn war es, die Heiligenfelderinnen in der Klasse zu halten. Und das ist dem SVH-Trainer auch gelungen. Nach seinem Amtsantritt holte er mit der Mannschaft bis zum Ende der Saison zehn Punkte, was am Ende den Klassenerhalt bedeutete. „Ich bin wirklich stolz auf die Mädels. Sie haben noch einmal alles gegeben und sich am Ende belohnen können“, freut sich der Trainer. Über den Abstieg der eigenen Zweitvertretung war Familie Boschen zwar etwas traurig, „doch damit hatten wir uns schon vor langer Zeit abgefunden. Unser Ziel war es, uns vernünftig aus der Niedersachsenliga zu verabschieden und der ersten Mannschaft unter die Arme zu greifen. Ich finde, dass es uns ganz gut gelungen ist“, sagt die 19-jährige Jasmin, die beim SVH II als Korbfrau aktiv ist. Ihre Schwester Vanessa, die den Korb der Erstvertretung verteidigt, wird die internen Duelle nicht vermissen. „Es ist nicht so einfach, gegen die eigene Zweite zu spielen. Man hat dann irgendwie eine Blockade. Ich bin ich ganz froh, dass wir nicht mehr gegeneinander spielen. Der Abstieg tut mir aber natürlich leid.“

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