Syker Kläranlage

Verstopfung durch Feuchttücher

Bei der Syker Kläranlage werden vermehrt Motorstörungen bei Pumpen registriert. Die Ursache hat einen Namen: Feuchttücher. Betriebsleiter Stefan Ehlers appelliert, diese nicht in die Toilette zu werfen.
15.09.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Verstopfung durch Feuchttücher
Von Micha Bustian

Bei der Syker Kläranlage werden vermehrt Motorstörungen bei Pumpen registriert. Die Ursache hat einen Namen: Feuchttücher. Betriebsleiter Stefan Ehlers appelliert, diese nicht in die Toilette zu werfen.

Verbrauch sprunghaft angestiegen

"Die sind sehr beliebt", hat Betriebsleiter Stefan Ehlers bemerkt. In den vergangenen Jahren sei der Verbrauch sprunghaft angestiegen. "Aber die gehören in den Hausmüll, nicht in die Toilette.“ Denn neben der Gefahr, dass dadurch die Pumpstationen der Kläranlage zugesetzt werden, könnten die Feuchttücher eventuell den Hausanschluss verstopfen. Feuchttücher wohlgemerkt, nicht feuchtes Toilettenpapier. Das ist ein Unterschied, der auch auf der Verpackung deutlich wird.

Während beim Toilettenpapier ein Hinweis steht, dass es im Wasser zersetzt wird, ist bei den Feuchttüchern über eine Zeichnung klar vermerkt, dass sie ein Fall für den Mülleimer sind. Das bestätigt auch Sykes Erster Stadtrat Thomas Kuchem. Er erinnert sich an eine NDR-Fernsehsendung, die die Frage stellte, ob sich Feuchttücher zersetzen. Das Ergebnis: Wenn überhaupt, dann sehr, sehr langsam. "Und in der Zwischenzeit verstopfen sie die Leitungen." Doch das scheint noch nicht überall angekommen zu sein.

"Aufklärung notwendig"

„Da ist Aufklärung notwendig“, findet Stefan Ehlers, technisch sehe er da keine andere Möglichkeit, als gegebenenfalls Nacht für Nacht auszurücken und die Pumpe von den verwirbelten – Wilfried Meyer spricht da von „Verzopfungen“ – und zusammengebackten Feuchttüchern zu befreien. Der Fehler werde in der Kläranlage sofort durch das Störungsmeldesystem angezeigt und entsprechend zeitnah behoben. „Das ist besser für die Pumpe“, erklärt Wilfried Meyer. „Die läuft so länger.“ Klar sei aber auch: „Die Verflusung hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen.“ Das, was nicht in den Pumpen stecken bleibe, wandere trotz Filtersystem durch bis in den Faulturm auf dem Gelände der Kläranlage. Manches werde aber auch ausgesiebt und würde dann die Zulaufpumpen verstopfen.

„Vor 20 Jahren sind wir die Pumpen noch einmal in der Woche abgefahren“, erinnert sich Wilfried Meyer. Das reicht heute nicht mehr. Die Faserstoffe seien es, die den Pumpen zusetzen würden. Und selbst die Geräte, die mit einem Schneidewerk versehen seien, „kommen mit dem Material nicht zurecht“. Die Pumpe fördere dann kein Abwasser mehr. Und der Anzeige auf dem Störungsmeldesystem würde im schlimmsten Fall ein sogenannter Hochalarm folgen. Dann bestehe die Gefahr, dass das Schmutzwasser überläuft, der Boden verunreinigt wird, „und genau das soll ja nicht passieren“. Tut es aber immer wieder. Letztens mussten sie eine Pumpe sogar an zwei Tagen hintereinander anfahren.

Mehr Verschleiß und höhere Wartungskosten

Stefan Ehlers ruft die Syker auf, mit den Feuchttüchern bewusster umzugehen. „Die Fasern finden durch die Verwirbelungen im Wasser immer wieder zusammen. Und sie lösen sich auch in der Anlage nicht auf.“ In anderen Ländern sei es sogar verboten, Klopapier in die Toilette zu werfen, beispielsweise in Griechenland. Die Konsequenz der ständig ausfallenden Pumpen sei ein erhöhter Verschleiß und deshalb mehr Wartung und Kosten.

Und genau an diesem Punkt setzt Thomas Kuchem mit seinem Appell an. „Die Menschen schneiden sich mit ihrer Gedankenlosigkeit ins eigene Fleisch“, findet der Erste Stadtrat der Stadt Syke. Und er begründet das auch. „Die Kosten für die ständige Wartung und Reparatur werden umgelegt. Deshalb werden auch Eigner und Mieter belastet. Im Zweifel wird's für den Verbraucher halt teurer.“

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