Syker Innenstadt

Verunsichert und besorgt

Lauter geschlossene Geschäfte - das kann auch für die Unternehmen nicht gut sein. Michael Lux, Geschäftsführer der Syker Werbegemeinschaft, ist besorgt. Er erwartet auch Solidarität.
24.03.2020, 17:28
Lesedauer: 4 Min
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Von Ilias Subjanto und Sarah Essing
Verunsichert und besorgt

Die meisten Einzelhandelsgeschäfte in Syke sind zurzeit geschlossen. Die Werbegemeinschaft findet die Situation "beängstigend" und warnt vor wirtschaftlichen Folgen.

Braunschädel

Wer in diesen Tagen durch die Syker Innenstadt geht, erlebt weitgehend menschenleere Straßen und Gassen. Dies ist wenig verwunderlich, ist die Bevölkerung während der anhaltenden Corona-Pandemie doch aufgerufen, soziale Kontakte zu minimieren und möglichst zu Hause zu bleiben. Zudem musste nach einem Erlass der Landesregierung ein Großteil der Geschäfte schließen.

Letzteres treibt Michael Lux, dem Geschäftsführer der Syker Werbegemeinschaft, die Sorgenfalten auf die Stirn. Der Verein hat unter anderem das Ziel, die Interessen der Gewerbetreibenden regional zu vertreten. „Beängstigend“ findet Lux die Situation und warnt vor dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Betriebsschließungen.

40 Mitglieder der Werbegemeinschaft hätten nicht mehr geöffnet, so der Geschäftsführer. Nicht schließen mussten lediglich die Bäckereien und Apotheken, ein Sanitätshaus und ein Tabakwarenladen. Auch wenn er die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus an sich sinnvoll finde, seien doch kleine und mittelständische Unternehmen besonders davon betroffen.

Die Gewerbetreibenden würden keine Umsätze mehr erwirtschaften, aber viele Kosten liefen weiter, sorgt sich Lux. „Das ist ein harter Einschnitt für den Einzelhandel und wird eine ganz enge Kiste“, sagt der Chef der Werbegemeinschaft.

Wie lange die Einzelhändler bei geschlossenen Betrieben durchhalten könnten? „Ein Monat kommt jeder noch über die Runden, dann wird's knapp“, antwortet Lux. Von dem Sonderkreditprogramm der staatlichen Förderbank KfW hält er nicht viel. „Das hilft den Gewerbetreibenden nicht, diese Gelder müssten sie ja wieder zurückzahlen“, sagt er. Auf diesen Verbindlichkeiten würden die Einzelhändler sitzen bleiben, denn sie würden nach der Corona-Krise ja nicht doppelt so viele Umsätze machen wie davor, argumentiert der Werbe-Experte.

Fehlende Solidarität der Supermärkte

Es gibt einen weiteren Punkt, der Lux nachdenklich stimmt: „Schreibwarengeschäfte mussten alle schließen, aber Supermärkte dürfen Schreibwaren nach wie vor verkaufen“, moniert er. Das findet Lux nicht fair. Auch dass Supermarktketten weiter Werbung für Non-Food-Artikel machen, „als ob nichts gewesen wäre“, stört den Geschäftsführer der Werbegemeinschaft. „Die großen Ketten sollen die Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellen. Von ihnen wünsche ich mir mehr Solidarität, dass sie diese Notlage nicht ausnutzen“, sagt er.

Als positives Beispiel nennt er einen Bremer Baumarkt, der seine gesamten Sonderangebote zurückgezogen habe. „Dieser Baumarkt will nicht, dass die Kunden ihm die Bude einrennen und er am Ende als Profiteur der Corona-Krise dasteht“, lobt er.

Lux hofft, dass die Konsumenten in Syke noch eine Weile ausharren und abwarten, bis die Geschäfte wieder öffnen dürfen. Einen entsprechenden Appell hat die Werbegemeinschaft Syke veröffentlicht: „Wenn wir die nächsten Wochen viel zu Hause bleiben, sollten wir unser Geld nicht online für Kleidung oder andere Dinge ausgeben. Warten wir, bis unsere Einzelhändler, kleine regionale Geschäfte, wieder öffnen dürfen und helfen ihnen damit, die Krise zu überstehen! Andernfalls wird es sie nicht mehr geben!“, heißt es in dem Aufruf.

Von der Syker Stadtverwaltung wünscht Lux sich, bürokratische Vorgänge zu vereinfachen und Anträge für Gewerbetreibende auf wirtschaftliche Soforthilfen so einfach wie möglich zu gestalten. Dass die Stadt aus eigenen Mitteln ein finanzielles Füllhorn über den Einzelhandel ausschüttet, erwartet er hingegen nicht. „Mir ist klar, dass Kommunen nur über begrenzte Haushalte verfügen. Finanzhilfen müssen daher von der Bundesregierung kommen“, sagt der Geschäftsführer. Was er dennoch von der Stadt erbittet: eine Stundung der Gewerbesteuer und eine Vereinfachung von Wohngeldanträgen bei Kurzarbeit.

Das kann die Stadt Syke und speziell Wirtschaftsförderer Thomas Kuchem nicht so ohne weiteres versprechen. Richtlinien seien von einer Stadtverwaltung allein nicht einfach außer Kraft zu setzen. Dennoch stehe die Stadt gerade jetzt den Unternehmen zur Seite, versichert er. Schließlich weiß man auch in der Stadtverwaltung: „Viele sind besorgt und verunsichert.“ Zu allen Fragen bieten die Mitarbeiter der Stadt daher Beratung an: Von Kurzarbeit bis dahin, wie die Verordnungen umzusetzen sind. Dabei habe er bereits feststellen können, dass die Syker Geschäftsleute sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hätten. „Viele haben bereits vor den jüngsten Verordnungen nachgefragt: Betrifft mich das? In welcher Weise? Was muss ich tun? Was kann ich tun?“, berichtet er. Das sehe er außerordentlich positiv.

Hilfen von der NBank

Positiv sehe er zudem, dass das Land Niedersachsen und seine Investitions- und Förderbank NBank intensiv dabei seien, zwei Förderprogramme für Soforthilfen vorzubereiten. Neben Krediten sind dies auch Zuschüsse in Höhe von bis zu 20 000 Euro, die im Gegensatz zu Krediten eben nicht wieder zurückgezahlt werden müssen. „Die Höhe richtet sich nach der Anzahl der Angestellten“, so Kuchem. Ab Mittwoch, 23. März, können Anträge dafür gestellt werden. Vordrucke für diese Anträge gibt es auf der Homepage der NBank unter www.nbank.de und ebenfalls bei der Stadt Syke. Auch zu diesem Thema werde in Syke beraten, so Kuchem.

Darüber hinaus bietet die NBank montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr selbst Beratung an – sowohl telefonisch unter der Rufnummer 05 11 / 30 03 13 33 als auch – da mit großem Andrang gerechnet wird – per E-Mail an beratung@nbank. Zusätzlich sind Mitarbeiter der Bank bis Sonnabend, 4. April, auch sonnabends von 9 bis 15 Uhr erreichbar.

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