Ein gemütlicher Flecken: der Twistringer Ortsteil Natenstedt / Ortsbürgermeister Udo Helms schätzt die Stille Viel Grün, Ruhe und Abgeschiedenheit

Twistringen-Natenstedt. Ungewohnte Stille, ein Reh streut durch Nachbars Garten und die Vögel begrüßen einen sonnigen Tag. Eine solche Idylle erlebt man in Natenstedt. Natenstedt bildet zusammen mit der früheren Gemeinde Rüssen einen Twistringer Ortsteil. "Wo erlebt man noch eine solche Natur?", fragt Ortsbürgermeister Udo Helms stolz. Er weiß das Leben auf dem Land zu schätzen. Flächenmäßig nehmen Rüssen und Natenstedt rund 2800 Hektar ein, womit die Ortschaft die größte Twistringens ist.
23.04.2011, 05:00
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Von Julia Soostmeyer

Twistringen-Natenstedt. Ungewohnte Stille, ein Reh streut durch Nachbars Garten und die Vögel begrüßen einen sonnigen Tag. Eine solche Idylle erlebt man in Natenstedt. Natenstedt bildet zusammen mit der früheren Gemeinde Rüssen einen Twistringer Ortsteil. "Wo erlebt man noch eine solche Natur?", fragt Ortsbürgermeister Udo Helms stolz. Er weiß das Leben auf dem Land zu schätzen. Flächenmäßig nehmen Rüssen und Natenstedt rund 2800 Hektar ein, womit die Ortschaft die größte Twistringens ist.

Rund 570 Einwohner zählt der gemütliche Flecken, wovon rund 40 unter 16 Jahre alt sind. Der Großteil der Bevölkerung ist zwischen 40 und 70 Jahre alt. Die Dörfer Abbentheren, Duveneck, Ellerchenhausen, Lerchenhausen, Ellerhorst und Osterhorn zählen ebenfalls zu dem Ortsteil. Ortsfremde könnten es schwer haben, sind sie auf der Suche nach einer Adresse, denn "Straßennamen gibt es nicht und die Hausnummer richten sich nach der Größe und des Baujahres der Häuser beziehungsweise Höfe", erklärt Helms. Je älter ein Haus oder Hof, desto niedriger die Hausnummer. Auf das übliche Schema - gerade Hausnummer auf der rechten und ungerade auf der linken Seite und aufsteigend - ist hier nicht zu hoffen.

"Hier kann man sich von der Weltbühne erholen, in sich kehren und an der Natur erfreuen", beschreibt Udo Helms die Vorteile des Landlebens aus seiner Sicht. Der ein oder andere hält den Ortsbürgermeister für verrückt, in einer solchen Abgeschiedenheit zu leben, wie er sagt. Dennoch: Ihn scheint die Ruhe vollkommen zu erfüllen.

Baugebiete sind in der Gegend zwar ausgezeichnet, doch bleiben die Natenstedter größtenteils unter sich. "Es gibt wenig Fluktuation hier", weiß der Ortsbürgermeister. So finden sich in der Landschaft auch wenige Neubauten. "Es gibt eine Lückenbebauung, aber die bringt hier keine Unruhe rein und behindert auch niemanden", erklärt Udo Helms und meint damit den landwirtschaftlichen Betrieb. Es gibt immerhin noch 13 produzierende landwirtschaftliche Betriebe. "Vor rund 50 Jahren waren es noch 100", denkt Helms zurück. Nutzflächen gibt es in Natenstedt und Rüssen genug. Außerdem fließt die Hunte als Grenzfluss zum Landkreis Vechta entlang des gemütlichen Fleckens. In Natenstedt sind von etwa 1350 Hektar 75 Prozent Acker- und Grünland, außerdem grenzt ein 70 bis 80 Hektar großes Waldstück an den Ortsteil an. In Rüssen werden die rund 1415 Hektar fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. "Vorwiegend werden Kartoffeln angebaut", weiß das Ortsoberhaupt. Zudem beschäftigen sich die

Betriebe mit Schweine- und Geflügelhaltung. Ansonsten haben sich in dem Ortsteil unter anderem eine Autowerkstatt, ein Landmaschinenhandel, ein Bauunternehmen, ein Reiterhof und ein Gartencafé niedergelassen.

Bereits im 12. Jahrhundert fand die Ortschaft Natenstedt Erwähnung in Nachrichten über die Anbindung Natenstedts an das Herforder Frauenkloster. Das Kloster besaß einen Haupthof in dem Ortsteil, der als Mitversorger Abgaben an das Kloster in Herford zu leisten hatte. Für Kirchengänge weichen die Einwohner auf Heiligenloh aus, denn ein Gotteshaus gibt es in Natenstedt nicht. Im Hinblick auf das örtliche Vereinsleben gibt es zwei Schützenvereine in Natenstedt und Rüssen. "Die sind das Wichtigste hier", sagt Udo Helms mit einem kleinen Grinsen im Gesicht. Außerdem gibt es einen Spielmannszug mit etwa 40 Mitgliedern und rund 50 Einwohner haben sich einer Blaskapelle angeschlossen. Natenstedt und Rüssen haben je eine freiwillige Feuerwehr. "Die Feuerwehrhäuser wurden in Eigenleistung der Mitglieder gebaut", erklärt Helms. Drei Dorfgemeinschaftshäuser schmücken den Flecken sowie drei Dorfplätze (in Natenstedt, Lerchenhausen und Rüssen), die im Zuge einer Dorferneuerung neu gestaltet

wurden. Einen Verschönerungsverein gibt es in dem Twistringer Ortsteil nicht, was nicht heißt, das nichts gemacht wird. "Kleinere Gruppen kümmern sich regelmäßig um die Dorfpflege", erklärt der Ortsbürgermeister, der das Engagement zu schätzen weiß. Ein Naturdenkmal findet sich am Gemeinschaftshaus in Rüssen: Dort steht eine 200 Jahre alte Buche. Weniger alt, aber trotzdem ein Hingucker ist ein Transformator, der in Ellerchenhausen steht. Dort entsteht ein Unterschlupf für Fledermäuse. Neben der Hunte fließen auch die Natenstedter Beeke und die Heiligenloher Beeke, die teilweise an Bockstedt grenzt, durch den Ort.

Ein Rad- und Wanderweg wird von den Anwohner und von Besuchern gerne genutzt. Wobei Radwege im Allgemeinen laut Udo Helms Mangelware sind. "Die fehlen hier einfach." Und auch der Zustand der Straßen lässt zu wünschen übrig, wobei der Anschluss an den Verkehr recht gut ist. Eine Landesstraße und zwei Kreisstraßen durchqueren den Ortsteil. "An den Straßen muss aber etwas passieren", bemängelt Helms. Natürlich ist der ländliche Flecken nicht von der Außenwelt abgeschnitten, mit dem Internet dauert es allerdings länger: "Breitband-Internet fehlt uns noch", erklärt der Naturliebhaber und wartet geduldig darauf, dass etwas passiert, denn "eine Zusage gibt es seit einiger Zeit". Sonst bleiben ihm aber keine Wünsche offen. Demnächst steht eine Flurbereinigung in der Ortschaft an. "Der Plan steht", so Udo Helms. Und es soll bald begonnen werden.

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