Vor 100 Jahren wurde das Syker Freibad gegründet / Zu Beginn nur ein Steg an der Hache

Vom Kurbetrieb zum Spaßbad

Erst ging es in die Hache, dann kam die Hache ins Becken, und schließlich wurde das Wasser kristallklar und warm: Ein Jahrhundert gibt es nun ein Freibad in Syke. Grund genug, zurückzublicken – auf die wechselvolle Geschichte des Schwimmens am Kreismuseum.
20.08.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sascha Sebastian Rühl
Vom Kurbetrieb zum Spaßbad

Mit dem Segelschiff im Nichtschwimmerbereich: In den 1920er Jahren bestand das Syker Freibad nur aus zwei kleinen Becken. Dafür ließ es sich auf dem mit Holz getäfelten Rand entspannen. Das Wasser kam direkt aus der Hache.

Fotos: Stadtarchiv Syke

Erst ging es in die Hache, dann kam die Hache ins Becken, und schließlich wurde das Wasser kristallklar und warm: Ein Jahrhundert gibt es nun ein Freibad in Syke. Grund genug, zurückzublicken – auf die wechselvolle Geschichte des Schwimmens am Kreismuseum.

Syke. Man könnte den Anfang des beliebten Syker Freibades mit Recht bescheiden nennen. Ende Juli 1913 wurde ein mit Beton befestigtes Ufer an der Hache eingeweiht und fortan Badeanstalt genannt. Mit einem eisernen Zeitplan wurden die Badegäste damals getrennt: Arbeitsfreundlich von sechs bis neun Uhr durften die Herren planschen, danach bis elf Uhr die Damen, bis 13 Uhr nur Kinder und anschließend – wieder streng getrennt – je drei Stunden für Männer und Knaben sowie Damen und Mädchen. Die Reste der ersten Syker Badeanstalt sind heute nur noch Ruinen. In der Nähe des Kreismuseums markieren eine Fischotter-Plastik und die Ufermauer die alte Badestelle.

Im Juni 1925 eröffnete der Syker Arzt Emil Albert Lohrig ein Schwimm-, Licht- und Luftbad mit eigenen Bassins in der Nähe der Ufers, an dem auch weiter nach Geschlechtern getrennt gebadet werden konnte. Die Randbefestigung der recht kleinen Becken war noch mit Holz getäfelt, der jetzige Beachvolleyballplatz war noch ein kleiner Strand. Viel mehr als entspannen war in dem damaligen Bad allerdings nicht möglich, denn die geringe Wasserfläche machte Bahnenschwimmen unmöglich.

Der Bau des Privatmanns Lohrig wurde vom Flecken Syke – damals besaß Syke noch kein Stadtrecht – bezuschusst, damit Schulkinder umsonst am Schwimmunterricht teilnehmen konnten. Fast alle anderen mussten bezahlen, ganz im Gegensatz also zu heute. "Für uns als Familienmitglieder war der Eintritt natürlich frei", erzählte die 57-jährige Uta Lohrig, die Enkelin des Badgründers. Wie sie sich erinnerte, soll Mitte der 50er Jahre der Eintritt etwa 30 bis 50 Pfennig gekostet haben. Ein störender Faktor beim nagelneuen Bad muss das moorige Flusswasser gewesen sein. Das wurde nämlich direkt aus der Hache ins Becken gepumpt. Erst nachdem eine Quelle erschlossen wurde, konnte kristallklares Wasser gewonnen werden, welches zunächst noch in einer Zisterne erwärmt wurde. Inzwischen kommt das kühle Nass aus den Leitungen der Harzwasserwerke. Auch die Becken wurden in den 1930ern wesentlich vergrößert und umgestaltet.

1952 bot der Allgemeinmediziner Lohrig, vielleicht mit Blick auf die teure Instandsetzung seiner nun 25 Jahre alten Anlage, der Stadt die Pacht seines Bades für eine Dauer von 15 Jahren an. Fachleute rieten den Stadträten seinerzeit jedoch davon ab, da hohe Sanierungskosten erwartet wurden. Relativ knapp entschied die Politik, das Gelände nicht zu pachten. Gleichwohl wurde sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, eine neue, moderne und vor allem sportgerechte Badeanstalt zu bauen.

Aber wo? Entweder hinter dem Sportplatz oder im Friedeholz – die Standortfrage sollte möglichst schnell geklärt werden. Doch politische Mühlen mahlen bekanntlich oft langsam: Erst fiel am 8. März in Abstimmung mit Lehrern und Vereinen die Wahl auf das Gelände am Sportplatz, dann wurde am 27. März die auserkorene 10000 Quadratmeter große Waldfläche gerodet, ab Oktober aber schließlich wieder aufgeforstet, da kein Geld für den eigentlichen Bau zur Verfügung stand. Im April 1954 wurde das Freibadprojekt aufgegeben. Wie auch weiterhin bei vielen Großprojekten der Fall, hatte man sich verschätzt: Statt der ursprünglich veranschlagten 200000 Mark, für die bereits Kredite aufgenommen worden waren, sollte der Bau am Ende 300000 Mark kosten. Außerdem gab es ja bereits ein Syker Bad, nämlich das Freibad an der Hache.

Schließung angedroht

80 bis 90 Prozent der Syker Schüler sollen in dieser Zeit das Schwimmen im Lohrigschen Bad gelernt haben. Zwischen 7 und 21 Uhr war es geöffnet, verfügte über zwei Becken und sollte 1951 bezuschusst und renoviert werden, denn der Eigentümer Lohrig machte mittlerweile Verluste. Zwei Jahre später wurde sogar die Schließung aus hygienischen und sanitären Gründen sowie aufgrund der Unfallgefahr angedroht. "Die kostenpflichtigen Wasserproben waren ein Grund dafür, dass mein Großvater das Bad damals abgegeben hat", sagte die noch in Syke lebende Uta Lohrig.

Die Stadt übernahm schließlich 1956 das Freibad für 48000 Mark und machte daraus das Bad, wie es praktisch bis heute existiert. 1989 und 2001 drohte erneut die Schließung des Bades, politische Auseinandersetzungen und letztlich die Gründung des Fördervereins retteten das Bad am Syker Ortseingang.

Viel Rummel wird um den 100. Bad-Geburtstag allerdings nicht gemacht. "Wir haben ja vergangenes Jahr unser zehnjähriges Bestehen mit einem großen Fest gefeiert, und ein weiteres würde unseren finanziellen und organisatorischen Rahmen sprengen", so die erste Vorsitzende des Fördervereins, Sylke Bischoff. Sie kündigt dafür an: In Zukunft soll in der Hachestadt weiter kostenlos gebadet werden können.

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