Der zwölfjährige Benny Berkhausen räumt bei "Jugend musiziert" ab und fährt zum Bundeswettbewerb Vom Zahlenverdreher zum Notenkenner

Stuhr-Heiligenrode. Der chinesische Star-Pianist Lang Lang sollte sich schon mal warm anziehen, denn aus Heiligenrode kommt der nächste Anwärter auf einen Platz in der Riege der Top-Klavierspieler: Benny Berkhausen hat gerade beim Landkreiswettbewerb von Jugend musiziert den ersten Platz gemacht, im Juni ist der Zwölfjährige dann beim Bundeswettbewerb dabei. Er tritt in der Kategorie der Solo-Musiker an. Zum Klavierspiel ist Benny auf merkwürdige Art und Weise gekommen. Begonnen hatte alles mit Zahlen, jedoch mit falschen Zahlen.
28.04.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Vom Zahlenverdreher zum Notenkenner
Von Markus Tönnishoff

Stuhr-Heiligenrode. Der chinesische Star-Pianist Lang Lang sollte sich schon mal warm anziehen, denn aus Heiligenrode kommt der nächste Anwärter auf einen Platz in der Riege der Top-Klavierspieler: Benny Berkhausen hat gerade beim Landkreiswettbewerb von Jugend musiziert den ersten Platz gemacht, im Juni ist der Zwölfjährige dann beim Bundeswettbewerb dabei. Er tritt in der Kategorie der Solo-Musiker an. Zum Klavierspiel ist Benny auf merkwürdige Art und Weise gekommen. Begonnen hatte alles mit Zahlen, jedoch mit falschen Zahlen.

Im Alter von viereinhalb Jahren nahm Benny das erste Mal Platz vor einem Klavier. "Ich habe damals viele Zahlen spiegelverkehrt geschrieben", erzählt Benny. Das fanden auch seine Eltern Lin und Bernd Berkhausen merkwürdig, sodass sie bei einem Arzt und einer Kindergärtnerin nachfragten, was das zu bedeuten habe. "Man sagte uns, dass Kinder das eben manchmal machen und dass man nicht wisse, woran das liege", erinnert sich Mutter Lin Berkhausen. Auf jeden Fall kamen seine Eltern überein, dass es vielleicht sinnvoll wäre, wenn Benny ein Instrument lernen würde, weil dabei Kopf und Hand sozusagen Hand in Hand arbeiten müssen. Also fiel die Wahl auf das Klavier. "Am Anfang fand ich den Unterricht öde, aber später, als ich dann auch richtige Stücke gespielt habe, hat es mir Spaß gemacht", erinnert sich Benny.

Üben, üben, üben

Bis zum Jahr 2005 lebte Benny mit seinen Eltern in China, weil sein Vater dort an einem Schiffbauprojekt beteiligt war. Und ausgerechnet dort traf Benny auf Beethoven - natürlich nur im Fernsehen. "In China gibt es auch ein TV-Programm der Deutschen Welle, und dort haben wir mal ein Beethoven-Konzert gesehen, Beethoven fand er klasse", erzählt Lin Berkhausen. Mit Kinderliedern hingegen habe er gar nichts anfangen können. Beethoven mag Benny auch heute noch gerne, besonders die Mondscheinsonate. Auch Stücke von Chopin und Schubert entlockt er seinen Klavier gerne. Und Mozart? "Naja, der geht auch so", sagt Benny. Klassische Musik hat bei ihm einen hohen Stellenwert. "Klassik ist harmonisch, und man kann eine Melodie nachverfolgen", erklärt Benny. Doch das hält ihn nicht davon ab, den Blick auch über den Klavierrand zu richten und mal ein Jazz-Stück zum Beispiel von William Gillock zu spielen. Auch vor Filmmusik schreckt er nicht zurück, egal ob es sich um Stücke aus dem

Film "Der Pate" handelt oder um das Titelthema von "Fluch der Karibik". In seiner Schule, der Kooperativen Gesamtschule Brinkum, ist er mittlerweile bei Festen ein gefragter Pianist. "Beim Schulfest und bei der Weihnachtsfeier habe ich auch gespielt, manche Mitschüler haben sich auch Stücke gewünscht."

Ob er später Berufsmusiker werden will, weiß Benny noch nicht. "Wir warten jetzt erst mal ab, wie der Bundeswettbewerb im Juni für ihn ausgeht", sagt Bernd Berkhausen. Doch wie das so ist, vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt, also heißt es üben, üben, üben. Für Benny kein Problem, denn meistens macht ihm das Üben Spaß. "Manchmal muss man sich halt überwinden." Zwei Stunden pro Tag flitzen seine Finger über die Tasten. Apropos flitzen: Neben dem Klavierspiel hat Benny noch eine zweite Leidenschaft: schnelle Autos. Zusammen mit seinem Vater beteiligt er sich an Rennen mit Modellautos, die jedoch vorher noch zusammengebaut werden müssen. Ansonsten interessiert er sich für Natur und Technik, wie das Bücherregal in seinem Zimmer verrät. "Und er sieht gerne Dokumentationen im Fernsehen", sagt Bernd Berkhausen.

Wer Benny einmal zuhören will, hat dazu am Mittwoch, 11. Mai, ab 20 Uhr in der Stadtwaage in Bremen (Langenstraße) die Gelegenheit. Dort zeigt die Klavierklasse seiner Klavierlehrerin Misaki Matsumoto ihr Können. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt kommt man für vier Euro rein.

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