Deutsch-französischer Freundeskreis Von Kriegen und Kirchen

Eine 45 Jahre andauernde Städtepartnerschaft verbindet Syke und La Chartre-sur-le-Loir. Gemeindearchivar Hermann Greve berichtet über die Historie der Stadt.
06.06.2018, 11:28
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Von Dominik Albrecht

Obwohl La Chartre-sur-le-Loir heute ein verträumter Kanton ist, hat es eine bewegte Geschichte vorzuweisen, die bereits vor zehn Jahrhunderten ihren Anfang nahm. Und selbst bis in den 100-jährigen Krieg zurückreicht, wie Sykes Gemeindearchivar Hermann Greve weiß.

Die ältesten schriftlichen Erwähnungen des Ortes La Chartre-sur-le-Loir stammen aus dem frühen 11. Jahrhundert. „Damals wurde es ,Carcer‘ genannt, was sowohl Höhle als auch Gefängnis bedeuten kann“, erklärt Hermann Greve. Des Weiteren habe es eine Burg gegeben, das „castrum carceris“ beziehungsweise das 1073 erwähnte „castellum carceris“. Diese sei aber unter König Heinrich IV. nach der Unterwerfung des Herzogtums Vendôme zerstört worden. Noch heute erinnern mitunter zwei aufgeschüttete Hügel – die 25 Meter hohe „grande motte“ und der sogenannte rote Hügel – an das Gebäude.

Auf der großen Motte erhob sich ein sechseckiger Wohn- und Wehrturm, der bis Ende des 18. Jahrhunderts vorhanden war. „Das unter dem Turm angelegte Gefängnis ist erhalten geblieben. Es besteht aus drei in den Kalktuff des Untergrunds getriebenen Räumen“, fährt Greve fort. Die Bischöfe von Le Mans, lange Zeit Herren der Burg von La Chartre-sur-le-Loir, ließen hier laut Überlieferung Geistliche einsperren. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nutzte dann die Stadt La Chartre die Räume. 1793 wurde auf einem der beiden Burghügel ein Turm als Station für die optische Telegrafie errichtet. Der Turm war Teil eines Telegrafiesystems, das kurz zuvor der aus der Sarthe stammende Techniker und Geistliche Claude Chappe (1763-1805) gemeinsam mit seinen Brüdern Abraham und Ignace entwickelt hatte. In Frankreich habe es über 500 dieser Stationen gegeben.

Während des „La guerre de Cent Ans“, vielen eher als Hundertjähriger Krieg ein Begriff, wurde auch La Chartre in Mitleidenschaft gezogen. „Die englischen Könige erhoben Anspruch auf den französischen Thron und versuchten ihr Ziel mit Waffengewalt durchzusetzen“, hat Hermann Greve herausgefunden. 1426 eroberten die Engländer dann auch La Chartre-sur-le-Loir. Bereits vor der englischen Invasion gab es neben der Burg einen militärischen Stützpunkt. Im Schutz dieser beiden Anlagen hatten sich die Bewohner angesiedelt.

Um das Jahr 1581 herum wurde La Chartre auf der Talseite mit einer Stadtmauer umgeben. Gab es 1750 in der Stadt fünf Kirchen, ist bis heute nahezu keines dieser Gotteshäuser erhalten geblieben. „Abgesehen von vier Mauern der alten Kirche Saint Vincent, in der, nachdem sie baufällig geworden war, seit 1820 keine Gottesdienste mehr stattfinden durften“, ergänzt Greve. Saint Nicolas sei sogar schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts teilweise eine Ruine gewesen und diente als Steinbruch. La Madeleine machte 1844 einem Rathaus Platz, später der Post. Die Kirche der Pfarrei von Châtillon verschwand kurz nach der Revolution von 1789. Die Ruinen der Kapelle Notre Dame auf dem ehemaligen Burggelände fielen Anfang der 1980er-Jahre aus Sicherheitsgründen dem Bulldozer zum Opfer. Heute ist die 1830 erbaute Kirche Saint Vincent das einzige Gotteshaus der Stadt.

Anderes Thema: Im Zweiten Weltkrieg befreiten kanadische Soldaten am 12. August 1944 La Chartre.

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